Wöhrl-Sohn wird neuer Eigentümer des Nürnberger Traditionsunternehmens

Der Wöhrl-Insolvenzplan soll kurzfristig zur Genehmigung bei Gericht eingereicht werden. Wirtschaftlicher Übergang auf den Käufer für 1. März 2017 geplant. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
Drei Generationen der Familien Wöhrl, Mizzi Wöhrl, Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl (r.) und Sohn Christian Greiner (l.) bei der Eröffnung der 15. Filiale von ,,Wormland“ im November 2016 in der Breiten Gasse. Christian Greiner ist Vorstand der Beck AG, einer Firmengruppe von Hans Rudolf Wöhrl, zu der auch die 15 Wormland-Filialen gehören - und nun auch Eigentümer des Modehandelsunternehmens Wöhrl. (Foto: © J. König)
Textilunternehmer Christian Greiner soll neuer Eigentümer der Rudolf Wöhrl AG werden – ver.di fordert zu Tarifverhandlungen auf

NÜRNBERG (pm/nf) - Der Textilunternehmer Christian Greiner soll neuer Eigentümer
des traditionsreichen Modehandelsunternehmens WÖHRL werden. Die heutigen Gläubigerversammlungen der Rudolf Wöhrl AG und deren hundertprozentige Tochtergesellschaft Rudolf Wöhrl, das Haus der Markenkleidung GmbH & Co. KG, Nürnberg, stimmten dem Verhandlungsergebnis aus dem strukturierten Investorenprozess zu.


Gestern hatten sich bereits die jeweiligen Gläubigerausschüsse für die Annahme des Angebots ausgesprochen. Der gesamte Investorenprozess wie auch das Insolvenzverfahren wurden durch Rechtsanwalt Volker Böhm (Kanzlei Schultze & Braun), den vom Gericht bestellten Sachwalter, konstruktiv unterstützt.

Christian Greiner (38), Sohn des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, ist Textilunternehmer und seit 2011 Vorstand für Einkauf, Verkauf und Marketing bei dem Münchner Modehandelsunternehmen Ludwig Beck AG. Eine zwischen dem Käufer und der Rudolf Wöhrl AG geschlossene Investitionsvereinbarung sieht u.a. folgende Eckpunkte vor: Übernahme von 100 % der Aktien der Rudolf Wöhrl AG, Weiterführung der durch den derzeitigen Vorstand initiierten strategischen Neuausrichtung der WÖHRL Gruppe (Verbesserung des Modesortiments, Stärkung der Kundenbindung, Ausbau des Multichannel-Geschäfts, deutliche Effizienzsteigerungen), Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel zur weiteren Umsetzung der Neuausrichtung. Aus heutiger Sicht seien keine weiteren Schließungen von WÖHRL Filialen und keine weitere Reduzierung der Beschäftigtenzahl angestrebt.

Andreas E. Mach, seit 5. September 2016 Vorsitzender des Vorstands, soll dieses Amt auch nach dem Eigentümerwechsel weiterführen, um den Umbau des Unternehmens voranzutreiben. Restrukturierungsvorstand Dr. Christian Gerloff wird nach Abschluss des Insolvenzverfahrens, wie von vornherein geplant, wieder aus dem Vorstand ausscheiden.

Christian Greiner: „Mich hat sehr beeindruckt, dass es Vorstand und Mitarbeitern während des Insolvenzverfahrens gelungen ist, die Geschäfte nicht nur zu stabilisieren, sondern durch viele kreative Maßnahmen sogar zu beleben. Das ist in unserer Branche im Moment alles andere als selbstverständlich und zeigt, dass WÖHRL eine der starken Marken im Textilhandel war und ist. Dazu passt, dass die unumgänglichen Restrukturierungsschritte sehr sorgsam und umsichtig umgesetzt und die Standorte und Mitarbeiter mit Respekt vor der Tradition des Unternehmens behandelt wurden. Diese positive Entwicklung im Insolvenzverfahren wäre ohne die Unterstützung der Lieferanten, der anderen Geschäftspartner und der Kunden nicht möglich gewesen, denen wir für ihr Vertrauen herzlich danken. Wir wollen zusammen mit Andreas E. Mach an der Vorstandsspitze den eingeschlagenen strategischen Weg weitergehen und WÖHRL wieder zum führenden Modehaus an den vielen Standorten in Bayern und Franken machen. Ich kann mir gut vorstellen, diesen Weg zusammen mit geeigneten Co- Investoren zu gehen und bin für Gespräche offen.“

ver.di fordert den neuen Investor der Modekette Wöhrl umgehend zu Tarifverhandlungen auf. Standort- und Beschäftigungssicherung, tarifliche Bezahlung und ein tragfähiges, zukunftsorientiertes Unternehmenskonzept stehen dabei im Forderungskatalog. ,,Nach Monaten der Unsicherheit und Jahren der Tarifflucht bedarf es nun einem positiven Signal an die Beschäftigten, dass es der Investor auch ernst meint“, so Gabriele Ziegler von ver.di Für die Betriebsräte und die ver.di Tarifkommission ist klar: „Wir erwarten von der neuen Unternehmensleitung eine gute Zusammenarbeit mit  den Arbeitnehmervertretern und ver.di. Die Tarifbindung ist hierzu unerlässlich.“ Ziegler weiter: ,,Den Beschäftigten und ihren Betriebsräten fehlen tragfähige Konzepte für die Zukunft. Wir fordern eine Beteiligung der Beschäftigten. Bereits in der Vergangenheit hätten viele schwerwiegende Fehler verhindert werden können, wenn man den frühzeitigen Warnungen der Beschäftigten Gehör geschenkt hätte. Dieses Wissen muss man abschöpfen und einbringen ", teilte Gabriele Ziegler mit. Sie ist bei der Gewerkschaft ver.di für den Wöhrl-Gesamtbetriebsrat zuständig.
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