Frühchen aus den USA über den Atlantik nach Nürnberg geflogen

Dr. Miriam Scheffler aus dem Team von Prof. Schroth an der Cnopf`schen Kinderklinik flog nach St. Louis, um Ain dort abzuholen. (Foto: Diakonie Neuendettelsau)
 
Die erste Teilstrecke des Rücktransports wurde in einem Ambulanzflieger der US-amerikanischen Firma Airmed zurückgelegt. Mit an Bord waren außer Dr. Scheffler noch ein dreiköpfiges Spezialteam aus Flugarzt, Intensivpfleger und Beatmungstechniker. (Foto: Diakonie Neuendettelsau)
Team um Prof. Dr. Michael Schroth organisierte außergewöhnlichen Rücktransport

NÜRNBERG/ST. LOUS (pm/nf) - Der kleine Ain hatte es eilig. Viel zu früh, in der 25. Schwangerschaftswoche, setzten die Wehen ein und Ain kam mit einem Gewicht von gerade einmal 770 Gramm auf die Welt. Statt in Heidelberg, wo seine Eltern leben, fand die Geburt während eines Auslandsaufenthalts in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri statt.


Die Familie hatte Glück im Unglück: Eine vor der Reise abgeschlossene Auslandskrankenversicherung übernahm die Kosten für den Rücktransport. So wurde Ain in der Universitäts-Kinderklinik von St. Louis in der Abteilung für Neonatologie, die auf die Behandlung von Früh-und Neugeborenen spezialisiert ist, hervorragend medizinisch behandelt. Aber für die Eltern hätte ein längerer Aufenthalt in den Vereinigten Staaten große Probleme mit sich gebracht. Schnell war klar, dass Ain, sobald er stabil genug ist, nach Deutschland zurückverlegt werden sollte.

Organisiert werden solche Rücktransfers aus dem Ausland unter anderem von einem großen Automobilclub. Prof. Dr. Michael Schroth, Chefarzt an der Cnopf`schen Kinderklinik in Nürnberg, ist seit vielen Jahren Ansprechpartner dieses Automobilclubs für die Organisation und Durchführung von solchen spezialisierten Transfers. „Dass Kinder aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland geflogen werden, kommt immer wieder einmal vor, aber der Transport über den Atlantik hat uns vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt“, berichtet der Chefarzt.

Er nahm Kontakt mit den betreuenden Ärzten in St. Louis auf, um im Gespräch von Neonatologe zu Neonatologe den geeigneten Zeitpunkt festzulegen. Dabei galt es, einen guten Kompromiss zu finden. Der kleine Patient musste stabil genug sein, um einen so langen Transport im Flugzeug gut überstehen zu können, andererseits drängten organisatorische und finanzielle Fragen, die Rückverlegung so bald wie möglich anzustreben. Man war sich schnell einig, dass das Frühchen ab dem Alter von sechs bis sieben Wochen über den Atlantik fliegen kann“, meint Prof. Schroth. Da der Patient auch während des Fluges auf eine intensivmedizinische Betreuung angewiesen war, mussten Transportmittel und Fachpersonal gefunden werden, die diesen hohen Ansprüchen genügen.

Dr. Miriam Scheffler aus dem Team von Prof. Schroth an der Cnopf`schen Kinderklinik flog nach St. Louis, um Ain dort abzuholen. Die erste Teilstrecke des Rücktransports wurde in einem Ambulanzflieger der US-amerikanischen Firma Airmed zurückgelegt. Mit an Bord waren außer Dr. Scheffler noch ein dreiköpfiges Spezialteam aus Flugarzt, Intensivpfleger und Beatmungstechniker. Außerdem wurde Ain während des gesamten Transports von seiner Mutter begleitet. Dank der hochspezialisierten Ausstattung des Flugzeugs mit einem Inkubator und Beatmungsmaschinen konnte Ain auch unter den extremen Bedingungen in der Luft gut versorgt werden.

Da Ambulanzjets haben nur eine begrenzte Reichweite haben, musste nach dreieinhalb Studen in Neufundland eine Zwischenlandung zum Auftanken erfolgen. Danach ging es weiter zum Flughafen Keflavik auf Island, wo das Team von einer Mannschaft der Cnopf`schen Kinderklinik erwartet wurde. Flügel an Flügel standen die beiden Flugzeuge, als der kleine Ain in einem Transport-Inkubator und unter Beatmung umgeladen wurde. Die letzte Landung erfolgte am Nürnberger Flughafen, von wo es noch etwa zehn Minuten über die Straße weiterging bis zum endgültigen Ziel, der Cnopf`schen Kinderklinik.

Zwar wohnen Ains Eltern in Heidelberg, aber dort gibt es keinen Flughafen. Um dem jungen Erdenbürger nach der anstrengenden Atlantik-Überquerung auch noch einen langen Transport an Land zu ersparen, wählte Prof. Schroth den Nürnberger Flughafen aus, der nur zwei Kilometer Luftlinie von der Kinderklinik entfernt liegt.
„Eine andere Möglichkeit, das Kind nach Deutschland zu bringen, hätte es nicht gegeben“, erklärt der Neonatologe: „Meines Wissens gibt es auf der Welt nur wenige Organisationen, die es sich zutrauen, ein komplettes neonatologisches Team über eine so weite Strecke zu transportieren“. Bis Ain stabil genug für einen Linienflug gewesen wäre, hätten die Eltern weitere zwei bis drei Monate in den USA warten müssen, was viele Schwierigkeiten mit sich gebracht hätte. „Der Riesenaufwand hat sich gelohnt“, zieht Prof. Schroth Bilanz, „die Eltern sind glücklich und Ain entwickelt sich gut bei uns in der Cnopf“.
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