Jury hat sich entschieden

Bekanntgabe des Trägers des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2015: Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (hinten links) präsentiert ein Foto des Preisträgers Amirul Haque Amin gemeinsam mit den Jury-Mitgliedern (von hinten rechts im Uhrzeigersinn) Angela Melo, Dr. Sonia Picado und Prof. Dr. Maurice Glèlè-Ahanhanzo. (Foto: Christine Dierenbach / Stadt Nürnberg)
 
Porträt von Amirul Haque Amin. (Foto: oh/clean clothes campaign)
Internationaler Menschenrechtspreis geht an Amirul Haque Amin


NÜRNBERG - (pm/nf) Der Menschenrechtler Amirul Haque Amin aus Bangladesch erhält den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis 2015. Dies hat die internationale Jury unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly einstimmig beschlossen.


Der 53-Jährige erhält die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung, weil er sich „mit Hartnäckigkeit und Unerschrockenheit für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und damit für die Würde der Menschen einsetzt, die in der exportorientierten Bekleidungsindustrie von Bangladesch tätig sind“, so die Jury in ihrer Begründung. Die elfte Preisverleihung wird am Sonntag, 27. September 2015, im Nürnberger Opernhaus stattfinden.

Amin, geboren am 1. April 1961, ist Präsident und Mitbegründer der National Garment Workers Federation (NGWF – Nationale Gewerkschaft der Textilarbeiter), der größten Gewerkschaft in Bangladesch. Die NGWF mit Hauptsitz in Dhaka kämpft seit 1984 gegen die katastrophalen Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie – das gilt besonders mit Blick auf die häufigen verheerenden Brände und Einstürze von Fabrikgebäuden, die es in der jüngsten Vergangenheit gegeben hat.

Beim Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Dhaka am 24. April 2013 gab es 1 135 Tote und über 2 000 Verletzte unter der vorwiegend weiblichen Arbeiterschaft. „Das zeigt: Der freie internationale Handel braucht kodifizierte soziale Standards. Ich freue mich, dass die Jury zum ersten Mal die sozialen und wirtschaftlichen Menschenrechte ins Zentrum ihrer Entscheidung gestellt hat und mit Amirul Haque Amin einen Aktivisten für die Arbeitnehmerrechte gekürt hat“, betonte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bei der Bekanntgabe des Preisträgers. Nicht nur in Bangladesch, sondern in vielen südlichen Ländern herrschen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Umso mehr will die Jury mit der Preisvergabe an das Verbrauchergewissen appellieren und für verantwortungsvollen Konsum sensibilisieren.

Amin tritt mit seiner Organisation entschieden für eine faire Bezahlung sowie ein sicheres Arbeitsumfeld ein. So hat die NGWF noch vor der Einsturz-Katastrophe in Dhaka große Modeunternehmen gebeten, eine Vereinbarung für mehr Brandschutz und Gebäudesicherheit zu unterzeichnen – bislang erfolglos. Insofern möchte die Jury mit ihrer Entscheidung „auch einen Appell an die Modeunternehmen richten, deren Produkte in dieser Fabrik gefertigt wurden und die bisher noch keine Entschädigungszahlungen geleistet haben“, wie es in der Begründung weiter heißt.
Für sein Engagement wird Amirul Haque Amin immer wieder angefeindet. So hat ihn die Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (Verband der Bekleidungsindustrie und Exporteure) heftig attackiert, weil er Beschwerden der Arbeiterinnen und Arbeiter öffentlich gemacht hat. Generell ist die Gewerkschaftsarbeit in Bangladesch mit vielen Gefahren verbunden. Arbeiterinnen und Arbeiter laufen nicht nur Gefahr, ihre Arbeitsstelle zu verlieren, sondern Aktivisten werden oft schikaniert, bedroht oder verhaftet. Deshalb sieht die Jury ihre Entscheidung auch als Signal, das Amirul Haque Amin „und seinen Mitstreitenden den notwendigen Schutz gibt, um ihre wichtige Arbeit für menschenwürdige Arbeitsbedingungen fortsetzen zu können“.

Neben Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly sind weitere prominente Mitglieder der international besetzten elfköpfigen Jury Hina Jilani, Prof. Dr. Maurice Glèlè-Ahanhanzo, Maître Daniel Jacoby, Irina Bokowa, Dr. Adolfo Pérez Esquivel, Dani Karavan, Shirin Ebadi, Prof. Dr. Theo van Boven, Dr. Sonia Picado und Dr. Gareth Evans.

Hintergrund:
Seit 1995 vergibt die Stadt Nürnberg alle zwei Jahre die Auszeichnung an Personen, die sich zum Teil unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Der Preis ist laut Satzung ein Symbol dafür, dass von Nürnberg, der einstigen Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der menschenverachtenden NS-Rassegesetze, „in Gegenwart und Zukunft nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen“. Die bisherigen Preisträger sind 1995 Sergej Kowaljow (Russland), 1997 Khémaïs Chammari (Tunesien) und Abe J. Nathan (Israel), 1999 Fatimata M’Baye (Mauretanien), 2001 Bischof Samuel Ruíz García (Mexiko) und 2003 Teesta Setalvad (Indien) und Ibn Abdur Rehman (Pakistan), 2005 Tamara Chikunova (Usbekistan), 2007 Eugénie Musayidire (Ruanda), 2009 Abdolfattah Soltani (Iran), 2011 Hollman Morris (Kolumbien) und 2013 Kasha Jacqueline Nabagesera (Uganda).
Weitere Informationen, die Begründung der Jury und eine Kurz-Biografie des Preisträgers gibt es unter

www.menschenrechte.nuernberg.de.
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