Nürnberger Denkmäler mit viel Herzblut saniert - vom Bezirk Mittelfranken prämiert

Nürnberg, Lutzstraße 6. (Foto: Jechnerer Architekten, Herrieden)
 
Nürnberg, Engelhardsgasse 27. (Foto: Julia Krieger)
 
Nürnberg, Danziger Straße 8. (Foto: Julia Krieger)
 
Nürnberg, Füll 8, Chörlein. (Foto: Julia Krieger)
 
Nürnberg/Fischbach, Hauptstraße 2. (Foto: Julia Krieger)
 
Nürnberg, Obere Wörthstraße 20. (Foto: Julia Krieger)
 
Nürnberg, Prinzregentenufer 7. (Foto: Julia Krieger)
NÜRNBERG (nf) - Der Bezirk Mittelfranken spricht seit vielen Jahren Bürgerinnen und Bürgern sowie Institutionen, die sich durch besondere denkmalpflegerische Leistungen verdient gemacht haben, Dank und Anerkennung aus.

Kenntnisreichtum, Herzblut und finanzielles Engagement sind notwendig, um alte Bausubstanz vor dem Verfall zu bewahren und für kommende Generationen zu erhalten. Dies würdigt der Bezirk Mittelfranken erneut in seiner 41. Denkmalprämierung, die insgesamt 53 historische Bauwerke berücksichtigt und wie in den Vorjahren in zwei Veranstaltungen aufgeteilt ist. Am Freitag, 24. März 2017, findet die zweite Prämierungsveranstaltung mit 28 Sanierung aus den Städten Erlangen und Nürnberg sowie den Landkreisen Ansbach, Erlangen-Höchstadt, Fürth und Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim im Bezirksrathaus Ansbach statt. Die erste Prämierung mit 25 Sanierungen aus der Stadt Schwabach sowie den Landkreisen Nürnberger Land, Roth und Weißenburg-Gunzenhausen fand bereits in Roth statt.

Die herausragend sanierten und erhaltenen Objekte in Nürnberg und ihre Geschichte haben wir mit Hilfe des Bezirks Mittelfranken und Beschreibungen von Anke Schlecht, Tanja Lauter, Kim Keller und Nikolaus Bencker für die MarktSpiegel-Leserinnen und -Leser zusammengefasst. In der Bildergalerie sind die denkmalprämierten Häuser zu sehen.

Nürnberg, Danziger Straße 8

Das Stadtbild rund um die Danziger Straße in Nürnberg wird durch mehrere als Wohnhausreihe angelegte Häuserzeilen geprägt. Hier zeichnet sich das als Eckbau einer vierteiligen Gruppe errichtete Haus Nr. 8 durch seinen polygonalen, turmartigen Erker besonders aus. Architekt des 1925 errichteten, zweigeschossigen Hauses mit abgewalmten Satteldach war der damalige Stadtbaumeister Hermann Liersch. Die architektonischen Gliederungselemente reflektieren in stark zurückgenommener Form historisierende Motive.

Vor der Sanierung war das Gebäude von modernen Einbauten überformt. Die Ansicht der Gartenseite mit einem eingeschossigen, die gesamte Hausbreite einnehmenden Anbau war verunklärt. Im Hausinneren hatte sich zwar noch viel bauzeitlicher Bestand erhalten, zahlreiche Oberflächen waren jedoch überdeckt. Ein großes Fenster im Treppenhaus war durch energetisch wie ästhetisch unvorteilhafte Glasbausteine ersetzt worden.

Alle nicht dem Originalzustand entsprechenden Änderungen wurden im Rahmen einer Generalsanierung zurückgenommen. Nach der statischen Ertüchtigung des Dachstuhls wurde eine nicht bauzeitliche Gaube entfernt. Der Wintergarten auf dem gartenseitigen Anbau wurde zugunsten einer großzügigen Freifläche abgebrochen. Eine nachträglich angefügte Terrasse im Erdgeschoss wurde in Abstimmung mit den Behörden durch ein breites Querfenster ersetzt, das die durch Profil und Gesims betonte waagrechte Gliederung der Gartenfassade unterstreicht. Die Glasbausteine im Flur wurden durch ein geschossübergreifendes Sprossenfenster, das der ursprünglichen Intention des Architekten entspricht, ausgetauscht. Die Hauseingangstreppe sowie eine in den Garten führende Freitreppe hat man rekonstruiert. Neue Fensterläden nach Originalvorlage vervollständigten die Wiederherstellung der Gesamtfassade, die detailgenau – bis hin zur Rustizierung einzelner Elemente – aufgearbeitet wurde. Abschließend erhielt die Fassade eine Farbfassung nach Befund. Auch die Maßnahmen im Inneren waren durch die äußerste Sorgfalt und Rücksichtnahme gekennzeichnet. Notwendige Modernisierungen geschahen geschmackvoll, aber vor allem substanzschonend und denkmalgerecht – eine in allen Teilen schlichtweg vorbildliche Sanierung.

Nürnberg, Engelhardsgasse 27

Innerhalb der Nürnberger Stadtmauer wurde 1909/10 in der Engelhardsgasse 27 ein viergeschossiges Mietshaus nach Plänen des Architekten Hans Müller (1864–1951) errichtet. Die symmetrisch gegliederte Straßenfassade mit geschossübergreifendem Erkeranbau ruht im Erdgeschoss auf einem mächtigen Sandsteinsockel mit zwei dominierenden Korbbogenfenstern.

Eklektizistische Details wie etwa die beiden Bildnismedaillons am Erker und weitere Bauornamentik reflektieren noch den sog. „Nürnberger Stil“, eine lokalspezifische Sonderform des Historismus, der auf die Erhaltung des spezifischen Charakters der Altstadt zielte. Auch der über die Stadtmauer hinweg sichtbare, durch gotisierende Ziegelmauerwerksbögen gegliederte südliche Hausgiebel stützt diese Intention. Unter der heute vollflächig überputzten Rückfassade verbirgt sich jedoch eine damals neuartige Konstruktion eines Eisenfachwerks aus industriell vorgefertigten Eisenträgern mit Backsteingefachen.

Eine 2014/2015 vollständige Überarbeitung des Baudenkmals, die auch das Rückgebäude einbezog, beinhaltete u. a. die Sanierung des Dachtragwerks, eine Fassadensanierung, den Einbau denkmalgerechter Fenster sowie die Anbringung reversibler Balkonanbauten aus lackierten Stahlkonstruktionen im Innenhof. Die bauzeitliche Grundrissstruktur sowie alle im Inneren noch vorhandenen historischen Bauteile hat man erhalten und aufwändig restauriert. In die ehemaligen Toilettenräume, die wie in Mietshäusern der Zeit allgemein üblich, als Außenklosetts im Hausflur angelegt waren, wurde ein Aufzug eingebaut.
Die aufwendigen Restaurierungsmaßnahmen im Treppenhaus wurden in Abstimmung mit den Fachbehörden anhand vorgefundener Befunde (Schablonenmalereien, Fassungen, Kacheln) konzipiert und höchst qualitätsvoll ausgeführt. Sichtfenster halten hierbei die Erinnerung lebendig. Außerdem blieb ein Treppenabsatz unverputzt, um das dahinterliegende Eisenfachwerk zeigen zu können. Brandspuren im Holzboden des Treppenhauses verweisen heute noch auf den Zweiten Weltkrieg, bei dem das Gebäude schwer beschädigt wurde. Dieser bewusste Umgang mit der Vergangenheit, die dem hohen Engagement des Eigentümers zu verdanken ist, hebt diese Maßnahme – zusätzlich zur handwerklich vorbildhaft durchgeführten Arbeit – besonders hervor.


Nürnberg, Füll 8: Chörlein

Ein für Nürnberg charakteristisches Bauelement sind die sog. Chörlein, die als steinerner oder hölzerner, teils reich ornamentierter Erkerausbau im ersten Obergeschoss zahlreiche Häuser in der Altstadt auszeichnen. Dies fällt vor allem im Straßenbild der Füll auf, die durch eine ganze Reihe von Chörlein geprägt wird. Bei dem Chörlein am Anwesen Füll Nr. 8 handelt es sich allerdings um eines der wenigen Exemplare, das sich auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg an seinem bauzeitlichen Standort befand. Viele andere gingen kriegsbedingt verloren oder wurden, soweit der Erhaltungszustand es erlaubte, als Bergungsgut an anderer Stelle wieder angebracht.

Im ersten Stock des viergeschossigen Sandsteinquaderbaus ist das hölzerne Chörlein aus der Mittelachse heraus nach Osten versetzt. Die Entstehungszeit um 1780 spiegelt sich an den architektonischen Zierelementen und der geschnitzten Ornamentik mit Muschelwerkdekor wider. Über der Fensterzone im Gesims werden in zwei Kartuschen Allianzwappen der Nürnberger Patrizierfamilien Grundherr zu Altenthann und Weyerhaus sowie Oelhafen von Schöllenbach gezeigt.

Nach einer schon länger in Etappen geleisteten Generalsanierung des gesamten Anwesens wurde nach Vorderhaus (2003) und Rückgebäude (2010) nun auch das Chörlein einer fachgerechten Restaurierungsmaßnahme unterzogen. Aufgrund von witterungsbedingten Schäden und Feuchtigkeitseintrag musste die statische Kragkonstruktion repariert werden. Das zu späteren Zeiten veränderte Blechdach des Chörleins bekam nach vorhandenen Spuren wieder sein ursprüngliches Aussehen zurück. Die kunstvollen Bleiglasfenster wurden instandgesetzt und ergänzt. Schadhafter Zierrat wurde ausgebessert. Schließlich erhielt das Chörlein nach Restaurierung aller Holzoberflächen einen Leinölanstrich nach der letzten, befundeten Fassung und auch die Patrizierwappen wurden wieder in ihrer originalen Farbigkeit gefasst.
Dank des großen historischen Interesses und des kontinuierlichen denkmalpflegerischen Engagements des Eigentümers fand in der sehr sorgsamen und fachgerechten Instandsetzung des Chörleins, welches das Erscheinungsbild des Hauses so deutlich dominiert, eine lange Sanierungsphase ihren krönenden Abschluss.

Nürnberg, Lutzstraße 6

Nahe dem Herrensitz Schübelsberg im Nürnberger Stadtteil Schoppershof, der 1899 eingemeindet wurde, liegt die Lutzstraße. Das Erscheinungsbild der Straße wird durch Vorstadtvillen aus der Zeit um 1900 geprägt. Wie die meisten der Häuser der unmittelbaren Umgebung ist das historische Wohnhaus Nr. 6 als Doppelhaus angelegt. Der Massivbau wurde 1899/1901 im späthistoristischen Stil errichtet, der sich noch an weiteren der individuell gestalteten Bauten der Straße wiederfindet.
Zum Zeitpunkt des Erwerbs durch die jetzigen Eigentümer war die Doppelhaushälfte sehr renovierungsbedürftig. Der Bau hatte zudem durch rücksichtslose, den Gebäudecharakter ignorierende Eingriffe gelitten. Die nicht fachgerechte Ausführung dieser Einbauten und Ergänzungen der 1980er und 1990er Jahren hatte zu bauphysikalischen Folgeschäden geführt. Kurz nach dem Kauf im Winter kam es außerdem zu einem katastrophalen Wasserrohrbruch im Obergeschoss, der einige der originalen Decken so durchfeuchtete, dass diese zum Teil einstürzten und auch die Reste nicht mehr zu halten waren. Anstatt das Haus abzureißen und neu zu bauen, beschlossen die Eigentümer, das Gebäude nicht nur zu sanieren, sondern anhand von Fotovorlagen und Bauplänen auch das bauzeitliche Aussehen wieder herzustellen.

So wurde die Dachkonstruktion ertüchtigt, das Dach neu gedeckt und Gauben nach altem Plan rekonstruiert. Die gartenseitigen Anbauten hat man durch zum Bestand passendere ausgetauscht bzw. die erhaltenswerte Bausubstanz repariert. Zugunsten denkmalgerechter Holzfenster wurden die Fenster gewechselt und mit Läden ergänzt. Die Fassade wurde saniert und neu gefasst. Auch der auffällige Baudekor über dem Eingang konnte rekonstruiert werden. Die gleiche Sorgfalt erfuhren alle noch erhaltenen Elemente im Inneren, die – soweit es möglich war – aufgearbeitet wurden.

Da es sich nicht um einen denkmalgeschützten Bau handelt, ist vor allem die freie und sehr bewusste Entscheidung der Eigentümer für den Erhalt des historischen Gebäudes besonders hervorzuheben. Die mit bestem Materialeinsatz hochwertig durchgeführte Sanierung leistet außerdem einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung des durchaus gefährdeten Stadtbilds des Viertels.

Nürnberg, Obere Wörthstraße 20

Das ehemalige Handwerkerhäuschen mitten in der Altstadt, das bis ins späte 20. Jahrhundert noch als solches genutzt wurde, ist 1418 als Ständerkonstruktion errichtet worden. Damit gilt es als eines der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt. Das extrem schmale, viergeschossige Bauwerk hat auf der Westseite nur zwei Fensterachsen und erstreckt sich entlang eines engen Durchgangs zwischen Oberer und Unterer Wörthstraße. In der Barockzeit wurde u. a. seine Westseite versteinert. An der Nordseite erhielt es ein Sandsteinuntergeschoss und 1895 wurde seiner Südseite eine reichdekorierte, historistische Sandsteinfassade mit dreigeschossigem Erker vorgeblendet.
Beim Kauf hat sich die Eigentümerin vom extrem heruntergekommenen Zustand des Objekts nicht abschrecken lassen. Immerhin war der bauzeitliche Bestand noch in großen Teilen vorhanden. Der Grundriss ist weitgehend ungestört geblieben und Fachwerkwände, Treppen, Lamberien oder Türen waren noch aus Mittelalter und Barockzeit überliefert. Nach eingehenden Vorüberlegungen, mit einem extrem hohen Grad an Eigenleistung und großem handwerklichen Geschick hat die Eigentümerin ihr Haus saniert, um hier selbst einziehen zu können. Über fünf Jahre hinweg hat sie jede freie Minute – manchmal auch die Nächte, aber durchwegs die Wochenenden – auf ihrer Baustelle verbracht.
Zunächst hat sie spätere Einbauten weggenommen und Böden und Wände bis auf ihre bauzeitliche Struktur freigelegt. Mittelalterliche Bauteile wie Treppe oder Fachwerk hat sie äußerst substanzschonend reparieren lassen. Wände, Böden, Putze und Lehmgefache hat sie wieder aufgebaut sowie die barocken Oberflächen zurückhaltend überarbeitet. Sogar an die Fachwerkfassade hat die Eigentümerin selbst Hand gelegt. Die neuen Holzfenster passen perfekt zum jeweiligen Zeitstil der Fassadenseite. An der fachwerksichtigen Nordseite wurde ein Werkstattfenster rekonstruiert, auf der versteinerten Südseite elegante Holzfenster eingefügt. Zum Einsatz kamen nur denkmalgerechte Materialien, etwa Kalkputze oder dämmende Typhaplatten.
Hinsichtlich der Bewohnbarkeit bringt das Denkmal mit seinen geringen Geschossflächen und den schmalen, steilen Treppen Einschränkungen mit sich. Diesen Umständen ordnet sich die Eigentümerin mit einer reduzierten Möblierung voll und ganz unter. Und weil außerdem die Eingriffe für die Haustechnik extrem zurückhaltend bleiben sollten, nimmt sie ein nur kleines Bad im Obergeschoss gern in Kauf.
An vielen Stellen merkt man der Maßnahme die große Begeisterung der Eigentümerin deutlich an. Mit handwerklichem Können, Sachverstand, äußerster Substanzschonung und größtem Arbeitseinsatz hat sie ihr Projekt zu einem sehr erfolgreichen Abschluss gebracht. Denkmalpflegerisches Engagement in diesem Ausmaß ist selten zu finden und verdient höchste Anerkennung.

Nürnberg, Prinzregentenufer 7: Treppenhaus

Nach der Verlegung der Cramer-Klettschen Maschinenfabrik entwickelte sich, vom ehemaligen Werksgelände ausgehend, zwischen 1904 und 1914 entlang der Pegnitz eine Reihe repräsentativer, großbürgerlicher Mietshäuser. Das städtebaulich günstig gelegene Prinzregentenufer galt bald als einer besten Adressen Nürnbergs, was sich vorwiegend in Bauten, die im Jugendstil und Nürnberger Stil gehalten sind, widerspiegelt.
Zu dem durch Karl Peringer und Hans Rogler – dem zu dieser Zeit in Nürnberg und Fürth renommiertesten Architekturbüro – gebauten Ensemble zählt das innerhalb dieser Häusergruppe sehr prominent situierte Haus am Prinzregentenufer 7. Das dreiflügelige und fünfgeschossige Eckhaus entstand 1907/8 als verputzter Massivbau mit abgewalmten Satteldach, Zwerchgauben sowie zwei abgerundeten Eckerkern. Nicht nur die prunkvolle Fassade mit ihrem figürlichen Reliefschmuck und Spätjugendstildekor, sondern auch das Innere weist eine überaus reiche Ausstattung aus; zudem findet sich hier eine der damals noch seltenen Eisenbeton-Dachkonstruktionen.
In der Nachkriegszeit war unter anderem die Farbgestaltung des repräsentativen Treppenhauses verändert worden. Außerdem wurde der noble Eindruck des Vestibüls mit seinem kassettierten Tonnengewölbe, das mit goldfarbenen Mosaiken hinterlegt ist, in den 1970er Jahren durch Einbauten stark gestört.
Eine anlässlich der Sanierung 2015/2016 durchgeführte Untersuchung klärte die ursprüngliche Farbgestaltung im Treppenhaus (weiß und holzsichtig mit ockerfarbenen Akzenten, die Fenstergitter metallsichtig). Alle vorgefundenen Befunde samt Ausstattung konnten in beeindruckender Weise restauriert und in Abstimmung mit den Behörden rekonstruiert werden. Die Einbauten im Vestibül wurden entfernt, die Holzstufen der Treppe von Linoleum befreit und alle Oberflächen konnten nach Befund gefasst und aufgearbeitet werden. Die ausgesprochen sorgfältig durchgeführte Maßnahme erstreckte sich auf sämtliche Details – von der historisch passenden Windfangtür über Oberlichtrossettenfenster bis hin zu Klingelschildern. Das Treppenhaus und das Vestibül geben nach Abschluss der Arbeiten den Zustand zur Erbauungszeit wider: außerordentlich eindrucksvoll – was ebenso für seine Sanierung gilt!

Nürnberg-Fischbach, Fischbacher Hauptstraße 202

Lange wurde das giebelständige, günstig an der Hauptstraße im Nürnberger Ortsteil Fischbach gelegene Gebäude als Gasthaus genutzt. Das ehemalige Wohnstallhaus mit seinem für die Gegend typischen eingeschossigen, gedrungenen Baukörper ist dendrochronologisch auf das Jahr 1559 datiert. Die Inschrift 1768 über der Eingangstüre geht wahrscheinlich auf einen Umbau zurück, bei dem das Fachwerk im Erdgeschoss durch Sandsteinquaderwerk ersetzt wurde. Erst im 20. Jahrhundert wurde schadensbedingt auch das Giebelfachwerk des Satteldachbaus durch Vollziegelmauerwerk ersetzt. In den 1970er Jahren wurden weitere, die Substanz stark beeinträchtigende Umgestaltungen vorgenommen. Durch seinen langen Leerstand war das Haus so sehr heruntergekommen, dass ohne eine Sanierung der vollständige Verlust nicht mehr auszuschließen gewesen wäre.

Glücklicherweise fand sich aber ein klug angelegtes Konzept, dass einerseits die Generalsanierung des historischen Wohnstallhauses vorsah und anderseits mit dem Neubau eines Nebengebäudes – als Ersatz für eine baufällig gewordene und daher niedergelegte Scheune – das Ensemble wieder vervollständigte. Bei der Renovierung des Außenbaus wurde viel Wert auf den Substanzerhalt gelegt.

Innen war außer einer wieder freigelegten und restaurierten Bohlenbalkendecke kaum mehr noch historischer Bestand erhalten. Nach der Instandsetzung des Dachstuhls wurde die Fassade denkmalgerecht wiederhergestellt und verputzt. Historisch passende Fenster wurden eingesetzt sowie die Fensterläden nach Fotovorlage rekonstruiert.
Im Inneren hat man versucht, die gravierenden Eingriffe in die charakteristische Grundstruktur des Wohnstallhauses zu beheben. In Vorbereitung für die zukünftige Nutzung als Kindertagesstätte wurden notwendige Modernisierungen und schonende Modifizierungen durchgeführt. Denikmalschonend wurden alle Versorgungseinrichtungen im Nebengebäude untergebracht.

Nach der Sanierung wertet das zuvor desolate und unscheinbare Gebäude das Ortsbild von Fischbach immens auf. Insbesondere wegen der innovativen und denkmalschonenden Lösung, ein neues Nebengebäude zu errichten – das in Form und Dimension eine Eigenheit im Nürnberger Raum zitiert, bei der die Scheune meist deutlich größer war als das eigentliche Wohngebäude – gelang eine originelle Verbindung zwischen Alt und Neu.

Nürnberg-Neunhof, Soosweg 5

Nach jahrelangem Leerstand konnte ein ehemaliges Wohnstallhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts (1745/46) im heute zu Nürnberg gehörenden Dorf Neunhof bei Kraftshof vor dem ansonsten sicheren Verfall gerettet werden. Der teilverputzte, eingeschossige Sandsteinquaderbau mit Satteldach und auskragender Traufe zeichnet sich vor allem durch seinen Voluten-Ziergiebel an der Westfassade aus, eine charakteristische Besonderheit, die in dieser Form nur im Umland von Nürnberg zu finden ist. Die zur ebenfalls denkmalgeschützten Scheune (bez. 1725) gerichtete Ostfassade wurde in Fachwerk errichtet.
Aufgrund des erfreulicherweise hohen Bestands an überlieferter Substanz in dem sehr heruntergekommenen Bauernhaus wurden zu Sanierungsbeginn umfangreiche Befunds- und Zustandsdokumentationen erstellt, auf deren Grundlage dann der Umbau zu einem Wohnhaus für eine junge Familie in Angriff genommen werden konnte. Der in seiner ursprünglichen Konstruktion erhaltene historische Dachstuhl wurde fachgerecht instandgesetzt. Die bauzeitlichen, noch gut ablesebaren Grundrissstrukturen des Wohnstallhauses hat man beibehalten. Zur Nutzung und Belichtung des ehemaligen Stallbereichs, dem zukünftigen Wohnzimmer, hat man bewusst ein modernes Bindeglied mit dunkel beschichteten Metallfenstern implementiert. Als anschaulicher Verweis auf die Vergangenheit dienen die aufgearbeitete Bohlenbalkendecke und die sichtbar gebliebenen, zahlreichen geritzten und verzierten Strohlehmgefache der Fachwerkwände. Sie harmonieren mit den schlichten, passend ergänzten Holzzimmertüren. Dieses stimmige Bild wird auch durch die neu verlegten Solnhofer Platten im Flur fortgeführt und findet in allen notwendigen Anpassungen an den heute üblichen Wohnkomfort (Erneuerung der Haustechnik und notwendige Innendämmung) seine ebenso zeitgenössische wie denkmalgerechte Lösung.
Die Maßnahme ist als ein hervorragendes Beispiel für die Umnutzung eines historischen Bauernhauses zu einem komfortablen Wohnhaus zu würdigen. Nur deshalb konnte diese wichtige historische Quelle erhalten werden, denn im Nürnberger Umland gingen schon – kriegsbedingt, funktionslos geworden oder aus Unbedacht und mangelndem historischen Verständnis – viel zu viele Bauernhäuser verloren.
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