Preiskampf im Lebensmittelhandel
Warum Discounter und Supermärkte oft gleich teuer sind
- Vielerorts liegen die Filialen von Supermärkten und Discountern dicht beisammen.
- Foto: Henning Kaiser/dpa
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IDSTEIN/KÖLN (Christian Rothenberg,dpa) – Der Wettbewerb zwischen Aldi und Lidl läuft derzeit so scharf wie seit Jahren nicht mehr. Mal senkt der eine die Preise für Butter oder Kaffee, mal kontert der andere mit noch günstigeren Schokoladenprodukten. Doch hinter dem täglichen Ringen um Centbeträge steckt eine größere Frage: Gibt es überhaupt noch einen nennenswerten Preisunterschied zwischen Discountern und Supermärkten?
Eine aktuelle Analyse der Vergleichsapp Smhaggle, die im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur rund 2.000 identische Produkte bei den großen Lebensmittelhändlern ausgewertet hat, zeichnet ein klares Bild. Ob Milch, Nudeln, Joghurt oder Gurken – die Preise liegen nahezu überall auf demselben Niveau. Das gilt für Eigenmarken ebenso wie für Markenprodukte. Regionale Abweichungen sind möglich, doch im bundesweiten Durchschnitt verschwimmen die Unterschiede. Smhaggle-Chef Sven Reuter verweist darauf, dass täglich mehr als 10.000 Kassenbons über die App hochgeladen werden und sich Preisbewegungen dadurch sehr genau nachvollziehen lassen.
Dass die Händler so eng beieinanderliegen, hat System. Meist sind es Aldi oder Lidl, die eine Preissenkung anstoßen. Rewe, Edeka oder Kaufland reagieren darauf oft innerhalb weniger Stunden. Von einer echten Preisführerschaft könne deshalb keine Rede sein, sagt Reuter. Rewe wirbt sogar offensiv damit, 4.000 Produkte dauerhaft zum Discounterpreis anzubieten. Auch Edeka gleicht regelmäßig ab.
Trotzdem bleibt die Frage, wo die Menschen am liebsten einkaufen. Eine YouGov-Umfrage zeigt ein gespaltenes Bild: 32 Prozent bevorzugen Supermärkte, 29 Prozent Discounter, der Rest entscheidet situativ. Die Gründe unterscheiden sich deutlich. Wer auf Auswahl und Frische setzt, fühlt sich eher im Supermarkt zuhause. Wer vor allem auf den Preis schaut, landet häufiger beim Discounter. Die Atmosphäre, das Markenangebot oder besonders freundliches Personal spielen dagegen eine geringere Rolle.
Handelsexperten beobachten seit Jahren, dass die Grenzen zwischen den Formaten verschwimmen. Discounter setzen stärker auf Markenware und ein angenehmeres Ambiente, während Supermärkte versuchen, mit Gastronomie, Regionalität oder Bedientheken ein Erlebnis zu schaffen. Ein Unterschied bleibt jedoch bestehen: Discounter führen deutlich weniger Artikel. Für viele Kunden ist das kein Nachteil, sondern eine Entlastung. Zu viel Auswahl könne überfordern, sagt Handelsprofessor Carsten Kortum.
Beim Umsatz liegen die Discounter vorne. Zusammen mit Penny und Netto kommen sie auf einen Marktanteil von gut 38 Prozent, Supermärkte auf rund 28,5 Prozent. Größter Lebensmittelhändler bleibt Edeka, doch bei den Discountern liegt Lidl vor den beiden Aldi-Gruppen – die zusammen allerdings knapp mehr umsetzen. Dass die Discounter zuletzt weiter gewachsen sind, führen Experten auf die hohe Inflation zurück. In wirtschaftlich angespannten Zeiten steige die Preissensibilität. „Für Discounter sind schlechte Zeiten gute Zeiten“, sagt EHI-Geschäftsführer Michael Gerling.
Interessant ist jedoch ein Detail aus der Smhaggle-Auswertung: Wer glaubt, beim Discounter grundsätzlich weniger zu zahlen, irrt. Für identische Produkte verlangen Supermärkte im Regelfall denselben Preis. Discounter bieten zudem weniger Sonderangebote. Am meisten sparen Verbraucher laut Reuter, wenn sie gezielt Aktionsware kaufen – unabhängig davon, ob sie diese im Supermarkt oder beim Discounter finden.
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