Umwelt-Vordenker hält Kanzelrede beim Diakoniegottesdienst
„Wir wissen, was zu tun ist“

Es geht heute mehr denn je um das Handeln – nämlich so zu handeln, dass niemand zurückgelassen wird“: Umwelt-Vordenker Professor Dr. Hubert Weiger fand bei seiner Kanzelrede im Rahmen des Diakoniegottesdienstes eindringliche und mahnende Worte.
  • Es geht heute mehr denn je um das Handeln – nämlich so zu handeln, dass niemand zurückgelassen wird“: Umwelt-Vordenker Professor Dr. Hubert Weiger fand bei seiner Kanzelrede im Rahmen des Diakoniegottesdienstes eindringliche und mahnende Worte.
  • Foto: © Diakonie Fürth
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FÜRTH (pm/ak) – Die Sicherung der Grundbedürfnisse, die Bekämpfung von Armut durch einen gerechten Zugang zu Chancen und eine gerechte Verteilung von Ressourcen – diese Themen rücken in den Fokus, wenn man sich mit der Frage nach sozialer Nachhaltigkeit beschäftigt. Doch was sind die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung? Welchen Beitrag kann man auch vor Ort leisten, damit sich die Welt so gestalten lässt, dass wir zum Wohlergehen aller darin leben können? Diese Herausforderungen standen unter dem Titel „Soziale Nachhaltigkeit – Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung“ im Mittelpunkt des diesjährigen Diakoniegottesdienstes der Diakonie Fürth.

„In unseren Einrichtungen und Beratungsstellen erleben wir jeden Tag, welche Fragen den Menschen drängen“, betonte Stephan Butt am Dienstagabend in der Fürther Heilig-Geist-Kirche auf der Hardhöhe. Der für die Sozialen Dienste verantwortliche Diakonie-Vorstand im Namen seiner Vorstandskolleginnen Brigitte Beißer und Ruth Papouschek weiter: „Sie sorgen sich, ob sie sich die Miete nach einer Klimasanierung noch leisten können. Sie würden liebend gerne das Auto zugunsten des Klimaschutzes und der Zukunft ihrer Kinder stehen lassen, wenn Bus und Bahn sie öfter und schneller ans Ziel bringen würden. Sie erleben als Pflegekräfte hautnah, was es heißt, dass die Kluft zwischen der Zahl derer, die pflegen, und derer, die Pflege benötigen, immer größer wird.“

Leidenschaftliches Plädoyer für das Gemeinwohl

Gedanken, wie die Transformation in eine nachhaltige Gesellschaft gestaltet werden kann und weshalb soziale Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung ist, griff Professor Dr. Hubert Weiger, Umwelt-Vordenker und Mitgründer des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) Deutschland, in seiner Kanzelrede auf. Er erinnerte daran, dass sich Klimakrise und Artensterben fortwährend beschleunigen, seit Beginn der Corona-Pandemie weltweit immer mehr Menschen in extremer Armut leben, die Kluft zwischen Arm und Reich auch hierzulande immer größer wird.

Letzteres ist für das Mitglied des Rates für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung von besonderer Dramatik: „Die Krise der Umwelt und des Klimas trifft vor allem die sozial Schwächeren der Gesellschaft. Sie sind es, die an dichtbefahrenen Hauptverkehrsstraßen mit hoher Feinstaubbelastung und in schlecht wärmegedämmten Gebäuden in den dichtbebauten, grünflächenarmen Hitzeinseln der Großstädte leben müssen.“

Sein Resümee: „Die Fakten liegen auf dem Tisch und wir wissen, was zu tun ist. Es gibt genügend Geld in unserem Land, wir haben das nötige Wissen und die Technik, aber wir verwenden all das nicht für das, was lebensnotwendig ist. Es geht heute mehr denn je um das Handeln – nämlich so zu handeln, dass niemand zurückgelassen wird.“ Dem schloss der Ehrenvorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern ein leidenschaftliches Plädoyer für das Gemeinwohl an: „Der Staat muss wieder dem Gemeinwohl Vorrang geben und darf sich nicht zunehmend als Beschaffer von Kapital für einige wenige verstehen. Das Gemeinwohl ist das Entscheidende, was uns als Gesellschaft zusammenhält und uns gute Perspektiven eröffnet.“

„Machen sie etwas daraus“ - Gottesdienst endet mit Appell

Dafür brauche es harte ökologische Maßnahmen und eine dauerhafte Reduzierung des Verbrauches auch von erneuerbaren Ressourcen – ohne eine zusätzliche Belastung der sozial Schwächeren. Daneben forderte Professor Dr. Hubert Weiger unter anderem den ökologischen Umbau der Städte, eine Wohnungsbaupolitik, die vor allem soziale und gemeinnützige Wohnungen errichtet, eine solidarische Finanzierung der Pflege mit einem gesetzlich verankerten Anspruch auf mehr Personal und den Ausbau von sozialen Sicherheiten – angefangen von der Kindergrundsicherung bis zur solidarischen Bürgerversicherung.

„Wir müssen uns heute so verhalten, dass auch kommende Generationen die Möglichkeit haben, auf diesem Planeten in der gleichen Qualität wie wir heute leben und ihre Bedürfnisse befriedigen zu können“, mahnte er. Dabei sei der Staat mit einer entsprechenden Politik gefordert, aber auch jede*r Einzelne als Konsument*in: „Gerade der große Mittelstandsbauch der Gesellschaft hätte sehr wohl Handlungsalternativen, wenn es beispielsweise um den Einkauf von Lebensmitteln oder Kleidung geht.“

Am Ende eines Gottesdienstes voller eindringlicher und mahnender Worte, durch den Dekan Jörg Sichelstiel und Pfarrer Jörn Künne führten, blieb ein Auftrag für die Gäste aus Politik, Gesellschaft, Diakonie und Kirche: „Machen sie etwas daraus“, gab ihnen Stephan Butt mit auf den Weg. Die Fakten, sie liegen schließlich auf dem Tisch.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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