Wandlerin zwischen den Welten
Edith Backer ist neue Leiterin der Stadtbücherei Oberasbach

Die Leiterin der Oberasbacher Stadtbücherei, Edith Backer, hat ein prall gefülltes Ideenköfferchen für ihre neue Aufgabe.
  • Die Leiterin der Oberasbacher Stadtbücherei, Edith Backer, hat ein prall gefülltes Ideenköfferchen für ihre neue Aufgabe.
  • Foto: © Stadt Oberasbach
  • hochgeladen von Arthur Kreklau

OBERASBACH (pm/ak) - Seit 01. Januar 2022 ist Edith Backer die neue Leiterin der Stadtbücherei Oberasbach. Sie tritt die Nachfolge von Reinhold Münch an, der zum Ende des vergangenen Jahres nach fast 40 Jahren in den Ruhestand gegangen ist. Als Mitarbeiterin im Bücherei-Team kennt die Oberasbacher Leserschaft die facettenreiche Mittfünfzigerin bereits seit 2016.

Edith Backer ist eine Wandlerin zwischen den Welten: Die studierte Germanistin ist bereits seit August 2016 in der Stadtbücherei im Untergeschoss des Oberasbacher Rathauses tätig. Als langjährige freiberufliche Lektorin und Texterin für Verlage, Unternehmen, Agenturen und Autoren brachte sie hier bereits ein goldenes Händchen für das geschriebene Wort mit, auch Erfahrungen im Journalismus und als Redakteurin eines Fachverlags konnte sie sammeln. In Teilzeit unterstützte die Mutter zweier erwachsener Töchter daher ab Ende 2018 zudem die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt – als erstes großes Projekt hat Edith Backer hier maßgeblich am Jubiläumsmagazin zur 25-jährigen Stadterhebung mitgearbeitet. Der neue Seniorenratgeber, die Heimatverein-Rubrik Oberasbacher Geschichten auf der Homepage waren hier ihre Themen, zudem fungierte sie als Ansprechpartnerin für regionale Themen im Landkreis und für die Kommunale Allianz Biberttal-Dillenberg. Zuletzt hat die begeisterte Radlerin, die oft mit dem Drahtesel zur Arbeit kommt, seit 2021 als Fahrradbeauftragte dafür gesorgt, dass die Stadt Oberasbach wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Fahrradfreundlichen Kommune erreicht.

Die gebürtige Bambergerin, die in Fürth lebt, bringt eine große Leidenschaft für gute Bücher mit und möchte auch weiterhin noch mehr Menschen in Oberasbach Lust aufs Lesen machen. Ihr „Ideenköfferchen“ ist prall gefüllt: „Ich würde gerne dazu beitragen, die Stadtbücherei noch mehr zu einem attraktiven Zentrum der Begegnung für alle Alters- und Zielgruppen zu entwickeln. Die Bücherei als sogenannter „Dritter Ort“ sollte heute mehr bieten als die reine Ausleihe von Printmedien. Gezielte Leseförderung, ein Plus an Öffentlichkeitsarbeit und der Ausbau der bestehenden Kooperationen zur vhs, zum Quartiersmanagement, zum Jugendhaus und zu Schulen und Kitas gehören für mich ebenso dazu wie eine bunte Vielfalt an Veranstaltungen“, verrät die Hüterin von 35.768 Medien. „Mit Frau Backer haben wir eine neue Stadtbücherei-Leiterin, die einen wertvollen und breit gefächerten Erfahrungsschatz für ihre Aufgabe mitbringt. Und zudem bereits die Strukturen im Haus bestens kennt und über ein großes Netzwerk verfügt. Besonders schätzen wir ihre humorvolle und warme Art und ihre Bereitschaft, sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten“, freut sich Oberasbachs Erste Bürgermeisterin Birgit Huber.

Das Interview mit Edith Backer führte die Stadtverwaltung Oberasbach:
Frau Backer, verraten Sie uns Ihren Lieblingsautor?
Edith Backer: Das ist eine Frage, die man einem „Buchmenschen“ nicht stellen sollte (lacht). Ich habe tatsächlich keinen Lieblingsautor. Generell versuche ich mich an allem Möglichen, was neu im Bereich der Gegenwartsliteratur erscheint. Ich schätze Bücher kluger und reflektierter Frauen ebenso wie poetische Texte der männlichen Kollegen. Dass die Sprache mich berührt, darauf kommt es mir neben dem inhaltlichen Aspekt besonders an. Aktuell lese ich den Roman Herkunft des Buchpreisträgers von 2019, Saša Stanišić, und bin begeistert von der Art, die eigene Geschichte so in Szene zu setzen. Ich habe ein Faible für Sprachkünstler.

Welche Bücher haben Sie besonders geprägt?
Einen großen Teil meiner Kindheit habe ich im „Bücherkäfig“, einer Zweigstelle der Bamberger Stadtbücherei verbracht. Dort habe ich alles verschlungen, was damals in Mode war: Enid Blyton zum Beispiel mit der Fünf Freunde-Reihe, TKKG, Kinderkrimis aller Art … und ganz vornedran alles von Astrid Lindgren. Ihre Geschichten haben später auch die Kindheit meiner Töchter geprägt und stehen übrigens heute noch hoch oben in der Ausleihstatistik. Als Studentin habe ich mich intensiv mit der Prosa von Max Frisch und Ingeborg Bachmann beschäftigt. Das waren zum Teil sperrige, aber sehr faszinierende Texte.

E-Book oder Papier?
Ich habe viel lieber ein „echtes“ Buch in den Händen, aber unterwegs auf Reisen weiß ich die Vorzüge des E-Book-Readers schon auch zu schätzen.

Buch für die einsame Insel?
Ein besonders dickes von meinem Stapel ungelesener Bücher zu Hause. Vielleicht die Neuauflage von Murakamis Die Chroniken des Aufziehvogels oder, falls es auf der Insel nicht zu heiß ist, tatsächlich mal den Ulysses von James Joyce. Oder, um endlich mit meinen Leserinnen mitreden zu können, alle Bücher der Reihe um die sieben Schwestern von Lucinda Riley.

Was gefällt Ihnen an Oberasbach und unserer Stadtbücherei besonders?
Herr Münch hat ein gut bestelltes Haus hinterlassen. Wir haben einen umfangreichen Bestand mit 35.768 Medien, ganz vornedran ein tolles Angebot an Kinder- und Jugendliteratur. Sehr gerne genutzt werden bei uns auch aktuelle Zeitschriften, Romane und Krimis. Digital können wir mit einer komfortable E-Ausleihe und mit den bei Kindern beliebten Tonies punkten. Außerdem sind wir in einem Leihverbund für DVDs und Hörbücher, d.h. wir haben mehrmals pro Jahr einen Wechsel im Bestand.

Gibt es den typischen Oberasbacher Leser?
Ich habe ja den Vergleich zu anderen Büchereien nicht. Aber nach über fünf Jahren kann ich sagen, dass wir eine großartige und interessierte Leserschaft in allen Altersgruppen haben. Darunter sind sehr viele Familien mit kleinen Kindern, viele Schulkinder, Vielleser im mittleren Alter und auch einige betagte Kunden. Unsere älteste Leserin ist 91 Jahre alt. Das Besondere ist, dass viele Leser schon selbst als Kinder hier waren, inzwischen natürlich mit eigenen Kindern oder gar Enkeln. Hier in Oberasbach kennt man sich – und das verleiht meiner Arbeit etwas sehr Persönliches. Toll finde ich, dass unsere Büchereikunden uns auch während der Corona-Pandemie und ihren Unannehmlichkeiten treu geblieben sind.

Worauf freuen Sie sich im Hinblick auf Ihre neue Aufgabe in der Stadtbücherei am meisten?
Dabei mitzugestalten, dass die Stadtbücherei zu einem lebendigen, attraktiven Anziehungspunkt wird (Anm.: evtl. irgendwann in neuen Räumlichkeiten …), das würde ich gerne gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern und dem Team der Stadtbücherei in Zukunft umsetzen.

Haben Sie bereits Projekte für die Stadtbücherei, wenn ja, welche?
Ich habe natürlich schon ein Köfferchen voller Ideen … Dazu gehören die Entwicklung neuer Veranstaltungsreihen, eine gezielte Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit, um die Bücherei viel mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung und der Politik zu rücken. Stichpunkte sind: Kooperationen ausbauen, Leseförderung forcieren, die Aufenthaltsqualität in unserer Bücherei steigern. Momentan steht erst einmal eine Bestandsaufnahme an. Sobald das Team der Stadtbücherei vollständig ist, wir haben ja aktuell eine Stelle offen, würde ich gerne gemeinsam an einer Art Jahresplanung arbeiten. Es gibt viel zu tun – aber ich freue mich auf die neuen Herausforderungen!

Viel Freude und Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe, Frau Backer!

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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