Dehnberger Hof Chor führt Brahms` „Deutsches Requiem“ auf – Abschied von Chorleiterin Heike Henning- Hoffnung auf Wiedersehen
Höhenflug im Abschiedsschmerz

Ehrgeiziges Projekt- Erwartungen übertroffen! Der Dehnberger Hof Chor führte „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in Röthenbach auf.
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  • Ehrgeiziges Projekt- Erwartungen übertroffen! Der Dehnberger Hof Chor führte „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in Röthenbach auf.
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Röthenbach (us) - „Ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen“, „Denn wir haben hier keine bleibende Statt“ - manche der aus dem Alten und Neuen Testament stammenden Liedzeilen des Brahmsschen Requiems scheinen wie für diese Situation geschrieben: eine inspirierende Chorleiterin, die in den vergangenen sechseinhalb Jahren die Mitgliederzahl des Dehnberger Hof Chors vervierfachen konnte, verlässt ihren Chor und verlegt den Lebensschwerpunkt ins Ausland. Die durch Projektsänger auf knapp 100 Stimmen angeschwollene Gesangsgruppe singt mit großer Inbrunst und überschäumender Freude – denn nicht nur das Brahmssche Werk verspricht Trost, auch Heike Henning wird wiederkommen.

Wer im mit rund 350 Besuchern gut gefüllten Kirchenschiff von St. Bonifatius in Röthenbach, wer im Chorraum hat in seinem Leben nicht schon schmerzliche Verluste hinnehmen müssen? Allumfassend und so alt wie die Menschheit ist die Erfahrung, geliebte Menschen zu verlieren. Das spiegeln schon die Texte wieder, die Johannes Brahms sich für sein Requiem „in deutscher Sprache“ aus der Bibel herausgesucht hat, die ältesten sind über 2500 Jahre alt. „Der Tod“, so schreibt Prof. Dr. Heike Henning im ausführlichen Programmheft,“ kann sanft, überraschend, gewalttätig, friedvoll oder in anderem Gewand kommen.“ Der zur Zeit der Komposition 36-jährige Johannes Brahms konzentrierte sich allerdings in seinem populärsten Chorwerk nicht wie üblich auf das Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen. Er widmete sein Werk für Chor und Orchester den Zurückgebliebenen, sie sollen Trost erfahren. Heike Henning trägt den Wunsch, dieses Konzert zu dirigieren, seit ihrer Studienzeit mit sich herum. Nun machen es eine erst kürzlich erschienene Kammerkonzertfassung und die konsequente Arbeit der vergangenen sechs Jahre mit dem Dehnberger Hof Chor möglich, dieses anspruchsvolle Werk aufzuführen.
Der Chor dankt das in ihn gesetzte Vertrauen mit einer dichten und gefühlvollen Performance und das junge Orchester und die beiden Solisten runden das Gesamtkunstwerk ab. Weder Brahms noch Heike Henning scheuen die große Geste, unter anderem das macht die Aufführung zu einer sehr emotionalen.
Mit Pauken und Trompeten und den sensiblen und kraftvollen Soli von Corinna Schreiter (Sopran) und Daniel Dropulja (Bariton) wird der Zuhörer in die universelle Welt des Schmerzes gezogen und mit sanften Gebetsliedern und auftrumpfenden Temperamentsausbrüchen wieder getröstet. Wenn sich das Leben Bahn bricht, leuchten die Gesichter der Chormitglieder und ihre Stimmen leuchten mit. So atmosphärisch, voll unverhohlenen Gefühls hört man die machtvollen Zusagen biblischen Trostes nicht oft. Dabei bleibt der Chor- bei bester Textverständlichkeit- stets ganz durchlässig, um die grandose Komposition fließen zu lassen.
Für Trauernde in aller Welt und, wie Heike Henning in ihrem Vorwort im Programm schreibt „für die Todgeweihten, denen ein sicherer Hafen verwehrt bleibt und die täglich aufs Neue im Meer der Hoffnung zu ertrinken drohen“ und zur Erhebung ihrer Zuhörer kommen Chor, Orchester und Solisten in einer großen und gelungenen Gemeinschaftsanstrengung zusammen. Sie bringen ein hochdramatisches Werk zum Klingen, gegen das mancher Film-Soundtrack verblasst und durchflechten es mit innig-leisen Passagen. Das volle Gotteshaus dankt es ihnen mit stehenden Ovationen aber es wartet vergeblich auf eine Zugabe. Zu rund, zu in sich geschlossen sei das aufgeführte Werk, sagt eine sichtlich gerührte Heike Henning. Dafür lässt der Trost in der Stunde des Abschieds nicht auf sich warten: „Unser Chor hat Babies gekriegt, ein Mädchen und einen Jungen!“, kündigt der Vorsitzende des Dehnberger Hof Chores, Horst Levin, in seiner Schlussansprache an. Für die Proben mit den zwei frisch gebackenen Chorprojekten wird Henning auch weiterhin aus Österreich nach Mittelfranken reisen – nur nicht mehr so regelmäßig.
So kann nun jeder getröstet nach Hause gehen: von der wunderbaren Aufführung oder von der Zusage, dass sie nicht das Ende fränkischer Chöre unter der Leitung Heike Hennings ist.

Der Dehnberger Hof Chor wird unter neuer Leitung seine Probenarbeit nach der Sommerpause wieder aufnehmen. Neue Sänger, vor allem in den Männerstimmen, sind ab 16. September zu den wöchentlichen Proben montags von 20 Uhr bis 22 Uhr im Gemeindezentrum St. Jakob in Lauf gerne gesehen.

Singbegeisterte Frauen sucht ein projektbezogenes Frauenensemble mit dem Namen „DEHCibelles“, das Repertoire soll alles umfassen „was Spaß macht“. Proben ein- bis zweimal im Monat. Interessierte bitte melden bei Verena Roschlapil (werriberry@gmx.de, 09123/4523).

Für „ConTakt“, den neu gegründeten Jugendchor des Dehnberger Hof Chores, dürfen sich Singbegeisterte ab 9 Jahren melden, Proben finden geblockt und projektbezogen an Wochenenden statt. Bei Interesse bitte melden bei Ellen Triller (ellen.triller@web.de, 0173/3947087).

Text: Ute Scharrer

Autor:

Dehnberger Hof Chor e.V. aus Nürnberg

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