Ein ,,Event" um jeden Preis?

Die Kirchweih hat traditionell jedes Jahr ihren Platz auf der Fürther Freiheit. (Foto: Ebersberger)
 
Der Stadtstrand am Schlossplatz bringt auch viele Menschen in die Erlanger Innenstadt. (Foto: © Kilian Reil)

REGION - Die einen prangern die zunehmende „Eventisierung“ an, die anderen wiederum sorgen sich um die Lebendigkeit der Innenstadt. Der Nürnberger Hauptmarkt ist in den vergangenen Wochen zum Mittelpunkt kontroverser Diskussionen geworden.

Für viele war mit dem Beach Volleyball-Turnier vor knapp zwei Wochen das Fass bereits übergelaufen. Kritiker wie etwa der Altstadtverein oder der Förderverein der Frauenkirche sehen in den zahlreichen Veranstaltungen auf dem Hauptmarkt die schrittweise Zerstörung des klassischen grünen Marktes. Der Markt werde zunehmend von unangebrachten „Events“ verdrängt. Die historische Kulisse wie etwa die Frauenkirche verkommt zur reinen Staffage.
Befürworter der Veranstaltungen wie Beach Volleyball, District Ride, Bardentreffen oder auch die Leichtathletik-DM sehen den Hauptmarkt auch als Zentrum urbaner Lebensqualität mit besonderem Ambiente. Sport- und Musikveranstaltungen „gehören eben zum großstädtischen Leben“, wie Nürnbergs Wirtschafsreferent Michael Fraas betonte.
Doch was verträgt eine Innenstadt, wie belastbar ist der zentrale Platz einer Stadt, was ist den Bewohnern oder auch den Marktleuten zuzumuten? Das beschäftigt in Nürnberg derzeit nicht nur OB Ulrich Maly oder Mdb Michael Frieser - die ganze Stadt diskutiert heiß. Auch in den Nachbarstädten Erlangen und Fürth finden auf den Innenstadtplätzen das Jahr über etliche Veranstaltungen statt. Mit Fixpunkten wie Kirchweih, Fürth Festival, Fürthlauf, Metropol-Marathon oder auch das New Orleans Festival verfügt Fürth über publikumswirksame Veranstaltungen auf der Freiheit. Allerdings, so versicherte Norbert Mittelsdorf vom Bürgermeister- und Presseamt der Stadt Fürth, nehme die Stadt auch Rücksicht auf die Belastung der Anwohner, aber auch der Einzelhändler. Die Aufnahme neuer „Events“ in den Veranstaltungskalender werde immer genauestens geprüft. Viel Spielraum ist da nicht.
Doch auch in der Kleeblattstadt, waren und sind - ähnlich wie in Nürnberg - der Interessenskonflikt zwischen grünem Wochenmarkt und den Veranstaltungen ein Thema. Demnächst wird entschieden, wo der grüne Markt (derzeit am Bahnhofplatz) künftig seinen festen Platz hat. Kommt er wieder auf die Freiheit, bedeutet dies, dass die Marktleute weiterhin den Musik- und Sportfesten auf der Freiheit weichen müssen.

Magnetwirkung nicht unterschätzen

Nürnberg - Ob Hauptmarkt, Fürther Freiheit oder Schlossplatz: Veranstaltungen ja, aber dann mit Augenmaß, lautet in den drei Städten Nürnberg, Fürth und Erlangen weitestgehend die Maxime.
In allen drei Städten ist man sich einig, dass bei der Planung der Veranstaltungen Anwohner nicht übermäßig belastet werden sollen. Dazu müssen aber auch die Interessen der Marktleute berücksichtigt werden.
In Erlangen habe man das Glück, dass man auf der einen Seite den Marktplatz, auf der anderen Seite den Schlossplatz habe. So seien die Marktleute bei Veranstaltungen gar nicht oder nur zu einem Teil betroffen, erklärte Mathias Schenkl, Leiter des Ordnungsamtes Erlangen. Zudem sei man bemüht, die Aufbauzeiten so zu wählen, dass der Marktbetrieb nur gering gestört wird. Grundsätzlich aber bejaht Schenkl einen „belebten Innenstadtplatz“, man müsse aber aufpassen, dass man das alles „nicht überfrachtet“. Gerade bei Veranstaltungen, die weit in die Abendstunden hineingehen, ist Rücksicht auf die Anwohner angesagt. Auch in Fürth sieht man das so.
„Events“ wie etwa Metropolmarathon, Stadtstrand oder auch Beach-Volleyball stärken durchaus das Image der Stadt und deren Freizeitwert. „Hier kommen die Menschen in die Stadt“, erklärt Norbert Mittelsdorf vom Fürther Bürgermeisteramt. Das könne auch dem Einzelhandel nutzen.
„Belastbare Zahlen“ hierzu habe man aber in Erlangen nicht. Das Idealziel sei natürlich, dass im Rahmen der Veranstaltungen „die ganze Stadt partizipiert“, wünscht sich Schenkl. Deswegen wird auch von Fall zu Fall geprüft. Verträglichkeit und Machbarkeit werden dabei genau unter die Lupe genommen.
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