Geballte Menge an Information: Bürgerentscheid Windpark Heiligenstadt-Brunn

Die Gemeinde Heiligenstadt informiert über das Projekt Windradpark: (v.r.) Prof. Dr. Thomas Foken, Uni Bayreuth, Hubert Treml-Franz, Geschäftsführer Regionalwerke Bamberg, Moderator Heiner Gremer, BR, Bürgermeister Helmut Krämer, Ralf Haupt, Geschäftsführer Klima- Und Energieagentur Bamberg und Ludwig Hofmann, Landratsamt Bamberg. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
Informationsveranstaltung der Gemeinde Heiligenstadt zum Thema Bürgerentscheid. (Foto: Nicole Fuchsbauer)
 
So soll der geplante Windradpark Brunn aussehen. Acht Anlagen auf einer Gesamtfläche von 180 Hektar. Vier Anlagen liegen im Landschaftsschutzgebiet. (Foto: Grafik/Infobroschüre der Stadt- und Regionalwerke Bamberg, Ebermannstadt)
 
Schloss Greifenstein von Heiligenstadt aus gesehen. Sollte sich die Mehrheit der Bürger für den Windradpark entscheiden, wird sich der Anblick drastisch ändern. (Foto: Nicole Fuchsbauer)

REGION/HEILIGENSTADT – Erhitzte Gemüter bei der Infoveranstaltung der Gemeinde Heiligenstadt gestern Abend in der Heiligenstadter Schule. Bürgermeister Helmut Krämer hatte eingeladen, um über das Ratsbegehren zum Thema Windradpark in Heiligenstadt/Brunn aus Sicht der Gemeinde zu informieren. An seiner Seite Prof. Dr. Thomas Foken (Universität Bayreuth), Hubert Treml-Franz (Geschäftsführer Regionalwerke Bamberg), Ralf Haupt, Geschäftsführer Klima- und Energieagentur Bamberg, Ludwig Hofmann, Landratsamt Bamberg und als Moderator Heiner Gremer vom BR. Die Bürgerinitiative Hohenpölz konnte durchsetzen, die Bürger der Marktgemeinde Heiligenstadt über den Bau eines Windradparks in ihrer Heimat abstimmen zu lassen – am Sonntag, 20. Juli 2014, findet der Bürgerentscheid statt. Enttäuscht zeigt sich der Bürgermeister über den Umstand, dass sich die Bürgerinitiative nicht mit einem Vertreter der Diskussion stellen wollte. ,,Schade, aber sie haben entschieden, eine eigene Veranstaltung zu machen“.

Das Interesse und das Bedürfnis nach Information der Bevölkerung ist groß – der Andrang dementsprechend. Befürworter und Gegner der Windradanlage waren aus dem näheren und weiteren Umkreis gekommen – u.a. aus Ebermannstadt, Forchheim, Bamberg, Bayreuth oder Schwabach. Die Gemeinde Heiligenstadt sieht in dem Bürgerwindpark Heiligenstadt-Brunn eine große Chance für den Markt und seine Bürger. Der Windpark garantiere regionale Wertschöpfung, langfristige und nachhaltige Investitionsmöglichkeiten für die Heiligenstadter Bürger sowie langfristige Gewerbeeinnahmen für die Gemeinde. Auf einer Fläche von 180 Hektar soll mit acht Windkraftanlagen Strom produziert werden. 140 Hektar des geplanten Windparks liegen allerdings im Landschaftsschutzgebiet Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst.

Die Windanlagen sind zwei Kilometer von Greifenstein und 1,2 Kilometer von Hohenpölz entfernt. Die Beteiligung der Gemeinde zusammen mit den Stadtwerken Ebermannstadt, Bamberg und den Regionalwerken Bamberg böte ideale Voraussetzungen für die Produktion und Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien. Sicher stellen wolle man außerdem, dass keine fremden Investoren Windkraftanlagen ohne Beteiligung der Gemeinde errichten. Bürgermeister Helmut Krämer gab dringend zu bedenken: ,,Wenn sich die BI (Bürgerinitiative) beim Ratsbegehren durchsetzt, besteht die Möglichkeit, dass die Kommune überstimmt werden kann. Die Gefahr dabei: Windradbau im Vorranggebiet steht für – auch ausländische – Investoren offen. Ganz aktuell entscheidet der Kreistag am 21. Juli 2014 über eine Öffnung der Flächen für Windräder.“ Angst vor zurückgehenden Tourismuszahlen oder in den Keller fallenden Grundstückspreisen hat der Bürgermeister nicht. ,,Die Übernachtungen haben sogar zugenommen – obwohl in Oberngrub Windräder stehen.“

Hauptproblem: Ein Teil des Windparks liegt in den Planungen im Landschaftsschutzgebiet. Immerhin 5.000 Quadratmeter Aufstellfläche müssen pro Windrad gerechnet werden. Die Windräder selbst arbeiten emissionsfrei – abgesehen von den Fundamenten mit Beton, angelegten Zufahrtswegen und dem Material der Windräder selbst. Für den Abbau (Betriebszeit ist auf 20 Jahre festgelegt) müssen laut Sicherungsvertrag im Falle Brunn 180.000 Euro gebildet werden.

Bereits seit 2011 ist der Windpark in Planung. Helmut Krämer betonte wiederholt, er wolle auf keinen Fall den Windpark gegen die Bürger durchsetzen. In Bürgerversammlungen in den Jahren 2011 und 2012 wurde bereits in Teuchatz, Oberngrub, Kalteneggolsfeld, Heiligenstadt, Hohenpölz und Herzogenreuth über das geplante Projekt informiert: ,,Keine Gemeinde in der Region hat so viele Informationen zu Windkraftanlagen gegeben wie Heiligenstadt. In Brunn erhielten wir einhellige Zustimmung zum Bürgerwindpark. Bürgerwindparks machen die geringsten Schwierigkeiten, wenn die Leute mitgenommen werden.“

Die Fragen und Statements der Bürger ließen nicht lange auf sich warten. Kritisch benannt wurden unter den vielen Wortmeldungen u.a. die umständliche Formulierung des Ratsbegehrens, die genannte Versorgung von 15.000 Haushalten mit Strom, fehlende Energiespeichermöglichkeiten, der Verkauf von Strom ins Ausland, Stillstand der Windräder bei fehlendem Wind, fehlende Voraussetzungen für effiziente Windkraft in ganz Bayern, Rentabilität der Anlagen, Rückgang des Tourismus, CO2 Handel, der Bau im Landschaftsschutzgebiet, Zerstörung der Natur, Lärmbeeinträchtigungen und Infraschall sowie Wertverlust der Immobilien. Gegner des Windparks befürchten, dass es bei dem Projekt nur um ,,Geldmacherei“ einiger weniger auf Kosten der Menschen und der Natur ginge. Die Befürworter halten dagegen, dass Geldverdienen wohl keine Schande sei. Es gäbe schlicht gar keine andere Möglichkeit für die Zukunft um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Ein Frager ärgerte sich, denn die Drohung mit Atomkraft und CO2 quasi als moralischer Zeigefinger sei völlig unangebracht. ,,Alles, was wir sparen, wird woanders rausgeblasen“. Er musste sich allerdings dann nach den Alternativen – besonders für die kommenden Generationen – fragen lassen. Ein weiterer Besucher der Infoveranstaltung empfahl: ,,Pflanzen Sie 6.000 Bäume auf der Fläche, dann haben sie den selben Effekt.“

Die Experten der Gemeinde, allen voran Prof. Dr. Thomas Foken von der Uni Bayreuth und Hubert Treml-Franz, Geschäftsführer der Regionalwerke Bamberg, versuchten nach Kräften die Sorgen und Befürchtungen zu mindern. Der Klimawandel hätte auch in unserer Gegend bereits stark eingegriffen. Spürbar an den immer trockeneren Frühjahren und Schäden an den Bäumen. Nach Meinung von Prof. Dr. Thomas Foken müssten deshalb die Waldbesitzer Vorreiter des Klimaschutzes sein. ,,Natürlich weht der Wind nicht immer. Moderne Windkraftanlagen arbeiten aber auch bei relativ niedriger Windgeschwindigkeit und schalten bei starkem Wind ab. Es gibt einen optimalen Bereich der Windstärke, dann erreicht man 30 Prozent der Nennleistung. Auch nachts haben Sie ab 150 Meter Höhe Wind, obwohl es am Boden windstill ist.“ Die Angst vor den gesundheitlichen Beeinträchtigungen beispielsweise vor Infraschall ließ er nicht gelten, er sei unhörbar. ,,Gefährlich sind die Angstmacher, nicht die Windräder. Die Ängstlichen entwickeln dann Symptome.“ Schallgutachten hätten ferner bestätigt, dass in einem Kilometer Entfernung nur noch 30 bis 40 Dezibel zu Buche schlagen würden. Der Schall wird durch den Wind von Hohenpölz und Brunn wegtransportiert. Nach Aufseß absorbiert der Wald die Geräusche. Moderne Anlagen wären sowieso leiser. Dipl.-Ing. Johann Waldmann aus Schwabach kann da nur den Kopf schütteln. Er hat sich akribisch mit der Materie befasst, und zeigt neben anderen eine Stellungnahme von Dr. Nina Piepont, Autorin der Langzeitstudie ,,Wind Turbine Syndrome“. Dort heißt es, der Nachweis, dass Windkraftanlagen in erheblichem Maße niederfrequenten Lärm und - noch schlimmer – Infraschall erzeugen, stehe außer Frage. Unter Neuro- und Otologen, bestehe kein Zweifel darüber, dass niederfrequenter Lärm und Infraschall das Gleichgewichtsorgan ernsthaft beeinträchtigen.

Für Christoph Schenk Graf von Stauffenberg sind die Windräder auf dem Bild der Simulation ein ,,unerträglicher Anblick“, obwohl er nicht grundsätzlich gegen die Windkraft sei. Er sagt, die Touristen, die Greifenstein besuchten, wollen die Windräder nicht. Bei einer Überproduktion von 136 Prozent an Ökostrom in der Gemeinde, sehe er einfach die Notwendigkeit für eine Beeinträchtigung des Denkmals ,,Greifenstein“ und eines ausgewiesenen Landschaftsschutzgebietes nicht. Nachgewiesen gibt es um Greifenstein Schwarzstörche und Uhus. Für ihn kommen die Naturschutzaspekte viel zu kurz. Es sei zwar legitim für die Beteiligten, Geld zu verdienen. Seit er die Bilder gesehen hat, wie der Windpark in der Landschaft aussehen könnte, habe er kein Interesse mehr am Bürgerwindpark. Als Steuerberater hält er den Ertrag für Investoren für überhöht. Ludwig Hofmann vom Landratsamt Bamberg bestätigte im Anschluss die Anwesenheit der Schwarzstörche. Gutachten müssen dann ergänzt werden, wegen Kollisionsgefahr.
(Info: Vor allem Jungstörche verunglücken sehr häufig auf ihrem ersten Zug an Hochspannungsleitungen und Windstromanlagen. In seinem Verbreitungsgebiet ist der Schwarzstorch ein scheuer Kulturflüchter, der zum Teil äußerst sensibel auf Störungen in seinem Brutgebiet reagiert.)

Doch natürlich geht es auch ums Geld. Weil die Frage ,,Wer hat denn was davon“ oft auftaucht, versuchten die Experten den schwierigen Sachverhalt verständlich zu erklären. Offiziell heißt es: Reserviert werden mindestens 32 Prozent (ca. 1/3) des Beteiligungsvolumens für die Bürger des Marktes Heiligenstadt und aller dazugehörigen Ortsteile. Treml-Franz: ,,Im Gegensatz zu vielen anderen Windkraftstandorten im Landkreis sollen im Vorranggebiet VRG 139 auf dem Gebiet des Heiligenstädter Ortsteils Brunn so genannte Bürgerwindräder entstehen. Über zwei Drittel der Anteile an den Windrädern sollen Bürgern aus der Gemeinde und dem Umland zur Verfügung gestellt werden. Weiter wären die Regionalwerke Bamberg, die beiden Stadtwerke und der Markt Heiligenstadt selbst am geplanten Windpark beteiligt."

Mit einem Votum für den Windpark kann in Heiligenstadt die sogenannte „10HAbstandsregelung“ kippen. „Dann kann die Gemeindeverwaltung im Bebauungsplan für den Bürgerwindpark auch kleinere Abstände festlegen und der Bürgerwindpark kann umgesetzt werden“, so Hubert Treml-Franz. Am Donnerstag hatte der Wirtschaftsausschuss des bayerischen Landtags den Gesetzentwurf zur „10H-Regel“ verabschiedet. Trotz dieser Entscheidung der CSU kann der Bürgerwindpark realisiert werden.Stimmt die Mehrheit der Einwohner für die Errichtung der Anlagen durch die Regionalwerke Bamberg und die Stadtwerke aus Ebermannstadt und Bamberg, kann die Ausnahme aus der neuen bayerischen Abstandsregelung wirksam werden.

Wichtig ist der Gemeinde, dass die ,,Ausschüttungen“ im Raum verbleiben. Aus Brunn erwartet sich die Gemeinde zwischen 50.000 bis 100.000 Euro Gewerbesteuer jährlich. Insgesamt müssen acht Millionen Euro eingebracht werden. Die Prognose, so betonten die Fachleute, sei wirtschaftlich. Wäre es anders, gäbe es kein Geld von der Bank. Die Windkraft sei eine kostengünstige und besonders flächensparende regenerative Energiequelle, die während ihrer Laufzeit 40 bis 70 Mal so viel Energie erzeugt, wie für Herstellung, Nutzung und Entsorgung benötigt wird.

Auf der Internetseite www.buergerwindpark-brunn.de sind Informationen über das Vorhaben vom Markt Heiligenstadt, der Reginalwerke Bamberg, der Stadtwerke Bamberg und der Stadtwerke Ebermannstadt zusammen gefasst.

Die nächste Infoveranstaltung mit Referenten – veranstaltet von der Bürgerinitiative Hohenpölz - findet am kommenden Montag, 14. Juli 2014, 19 Uhr, im Heiligenstadter Hof, Marktplatz 9, statt.
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