Trauer um ehemaligen Stadtrat Jürgen Wolff

NÜRNBERG (pm/nf) - Mit Betroffenheit und Trauer ist im Rathaus die Nachricht vom Tod des langjährigen Stadtrats Jürgen Wolff (Bündnis 90/Die Grünen) aufgenommen worden. Der Kommunalpolitiker ist am Mittwoch, 8. Oktober 2014, im Alter von 73 Jahren gestorben.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly sagte in einer ersten Reaktion: „Jürgen Wolff war ein über alle Parteigrenzen hinweg geschätzter Kollege. Bei allen möglichen politischen Unterschieden stand für ihn im Umgang mit anderen immer der Mensch im Vordergrund. Jürgen Wolff konnte in manchen Debatten leidenschaftlich und emotional sein, aber er wollte nicht verletzen. Über 40 Jahre hat er mit seinem Wirken im Stadtrat, aber auch außerhalb die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung unserer Stadt mitgeprägt. Vor allem die Förderung der Alternativkultur wird mit seinem Namen verbunden bleiben. Er war in seiner aktiven Zeit immer präsent und Ansprechpartner für viele Bürgerinnen und Bürger. Bleibende Verdienste hat er sich als offen homosexuell lebender Mann für die Schwulen und Lesben erworben. Den Emanzipationsprozess hat er mit seinem frühen Outing aktiv vorangetrieben.“

Jürgen Wolff war im Alter von 19 Jahren aus der ehemaligen DDR geflüchtet. Wolff war Malermeister, zwei Jahrzehnte führte er ein eigenes Geschäft. Daneben betrieb er eine Galerie („Plakaterie“) und einen Verlag, in dem auch fränkische Mundart von Fitzgerald Kusz und Günter Stössel erschien.
Am 1. Juli 1972 zog er für die SPD erstmals in den Stadtrat ein. 1981 trat er aus der Fraktion aus, blieb zunächst parteilos und schloss sich dann den Grünen an. Viele Jahre war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat. Auch wenn die Kultur im Mittelpunkt seines Interesses stand, hat er sich in seiner rund vier Jahrzehnte langen Stadtratsarbeit nahezu allen Themenfeldern gewidmet. So war er unter anderem Mitglied im Kulturausschuss, im Schulausschuss, im Personal- und Organisationsausschuss, im Bau- und Vergabeausschuss, in der Sport- und in der Bühnenkommission. Lange war er als Stadtrat auch erster Ansprechpartner für viele Schulen.

Als Hobbyfotograf entwickelte er sich in seinen späteren Jahren schier zum Chronisten der Stadt. Es verging nahezu kein Ereignis, bei dem Jürgen Wolff mit seiner Kamera nicht Menschen und Geschehnisse festgehalten hätte.
Anfang 2012 ist Jürgen Wolff aus gesundheitlichen Gründen aus dem Stadtrat ausgeschieden. Zuletzt lebte er im Stadtteil St. Johannis.
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