Nagelsmann will weitermachen
DFB steht vor einer Grundsatzentscheidung
- Bin ich jetzt an allem Schuld? Julian Nagelsmann gestikuliert während des Paraguay-Spiels.
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Foxborough (Klaus Bergmann/Arne Richter/dpa/ak) – Julian Nagelsmann hat nach dem frühen WM‑Aus gegen Paraguay keine Rücktrittsgedanken. Der Bundestrainer, dessen Vertrag ebenso wie der von Sportdirektor Rudi Völler bis zur EM 2028 läuft, erklärte unmittelbar nach dem verlorenen Elfmeterschießen, er stehe für eine Fortsetzung seiner Arbeit bereit. Völler stärkte ihm den Rücken und nannte ihn weiterhin den richtigen Mann. Doch die Frage, ob der 38‑Jährige den Neuaufbau verantworten soll, stellt sich nach dem dritten verpassten WM‑Achtelfinale in Folge mit neuer Schärfe.
Die jüngere Vergangenheit zeigt, dass Misserfolge nicht allein am Trainer hängen. Joachim Löw scheiterte 2018 trotz eines Kaders mit Weltmeistern und Confed‑Cup‑Siegern, Hansi Flick 2022 trotz seiner Erfolge beim FC Bayern. Nagelsmann verweist auf strukturelle Probleme und fehlende Qualität im Kader. Verletzungen von Stammspielern wie Serge Gnabry, Maximilian Karl und Nico Schlotterbeck hätten die Lage zusätzlich erschwert. Garantien für eine bessere Zukunft unter einem anderen Coach gebe es nicht. Wunschkandidat Jürgen Klopp wäre kaum zu bekommen und teuer. Ein Verbleib Nagelsmanns würde dem Verband eine Abfindung ersparen.
Aus der Mannschaft kamen deutliche Signale. Kapitän Joshua Kimmich betonte, niemand suche die Schuld beim Trainer. Antonio Rüdiger sprach von einem „Toptrainer“, dem man dankbar sein müsse. Gleichzeitig forderte er, nach drei gescheiterten Turnieren alles zu hinterfragen.
Gegen einen Verbleib spricht die Erfahrung der vergangenen Jahre. Sowohl Löw als auch Flick erhielten nach WM‑Enttäuschungen eine zweite Chance, doch der Ballast erwies sich als zu groß. Wertvolle Zeit ging verloren. Nagelsmann hatte vor dem Turnier den WM‑Titel als Ziel ausgegeben und dieses klar verfehlt. Seine Entscheidungen – die späte Rückversetzung von Kimmich ins Mittelfeld, die Rückkehr von Manuel Neuer, Rollen für Joker wie Deniz Undav oder die Hoffnung auf Jamal Musiala – sorgten für Kritik. Als es gegen Paraguay eng wurde, sollten plötzlich zuvor wenig berücksichtigte Spieler wie Leon Goretzka und Nick Woltemade retten, was nicht gelang.
Ein Neuanfang Richtung EM 2028 und WM 2030 bräuchte unbelastete Köpfe. Nagelsmann selbst räumte ein, dass nicht jeder seinen Verbleib unterstützen würde. Auch Völler steht in der Diskussion. Der 66‑Jährige hat große Verdienste, doch ob er noch für einen radikalen Umbruch steht, ist offen. 2004 zog er nach dem EM‑Scheitern selbst die Konsequenzen und machte den Weg frei für Jürgen Klinsmann, der den deutschen Fußball neu ausrichtete.
Klopp, der bei MagentaTV das WM‑Aus analysierte, äußerte sich zurückhaltend zu Spekulationen über seine Person. Vor dem ersten WM‑Spiel hatte er mit einem Satz für Aufmerksamkeit gesorgt: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“
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