Mediamarkt-Saturn vor Eigentümerwechsel
Chinesischer E-Commerce-Riese baut Einfluss weiter aus
- Mediamarkt und Saturn - zwei Elektronikshops, die künftig wohl einen chinesischen Eigentümer haben. (Archivbild)
- Foto: Armin Weigel/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
DÜSSELDORF (dpa/ak) – Europas größter Elektronikfachhändler Mediamarkt-Saturn steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Der chinesische Onlinehandelskonzern JD.com hat sich eine deutliche Mehrheit am Mutterunternehmen Ceconomy gesichert. Nach Ablauf der ersten Annahmefrist liegt der Anteil der Chinesen bei 70,9 Prozent, wie Ceconomy in Düsseldorf mitteilte. Eine zweite Frist läuft noch bis Ende November – der Einfluss von JD.com dürfte also weiter wachsen.
In die Beteiligung eingerechnet ist auch ein Aktienpaket von 25,4 Prozent, das der Beteiligungsgesellschaft Convergenta gehört. Diese wiederum ist eng mit der Gründerfamilie Kellerhals verbunden. Zwar bleibt Convergenta formal beteiligt, hat sich aber vertraglich verpflichtet, künftig im Sinne von JD.com abzustimmen. Damit wird das Paket als indirekte Beteiligung gewertet.
Die Übernahme ist damit zwar weit fortgeschritten, aber noch nicht endgültig abgeschlossen. Das Bundeskartellamt hat dem Deal bereits zugestimmt, doch es fehlen noch die Genehmigungen des Bundeswirtschaftsministeriums sowie weiterer EU-Staaten. Auch die EU-Kommission prüft derzeit, ob JD.com staatliche Subventionen aus China erhält, die den Wettbewerb in Europa verzerren könnten. Ein Abschluss des Verfahrens wird frühestens Mitte 2026 erwartet.
Ceconomy, zu dem die MediaMarktSaturn Retail Group gehört, erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro – ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg laut vorläufigen Berechnungen um rund ein Viertel auf 380 Millionen Euro. Die Wurzeln des Unternehmens reichen weit zurück: Saturn wurde 1961 in Köln gegründet, Mediamarkt 1979 in München. 1990 übernahm Mediamarkt den einstigen Konkurrenten Saturn, später übernahm die Metro AG die Mehrheit. Ceconomy entstand 2017 als eigenständige Abspaltung.
JD.com ist im Vergleich eine Nummer größer. Der Konzern mit Sitz in Peking erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 137 Milliarden Euro. Seit über zehn Jahren ist JD.com an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet. In Europa ist das Unternehmen bislang nur mit kleineren Onlineangeboten wie joybuy vertreten – das könnte sich mit dem Einstieg bei Mediamarkt-Saturn nun ändern.
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