Japan gedenkt der Opfer
Fünfzehn Jahre nach Fukushima
- Die Erinnerung an den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi verblasst.
- Foto: Hiro Komae/AP/dpa
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FUKUSHIMA (dpa/ak) – Mit stillen Zeremonien, Blumen und Kerzen hat Japan am Mittwoch an die Katastrophe vom 11. März 2011 erinnert. Punkt 14.46 Uhr Ortszeit verharrten Menschen im ganzen Land in Schweigen – zu jener Minute, in der vor 15 Jahren ein Beben der Stärke 9,0 den Nordosten des Landes erschütterte. Kurz darauf traf eine gewaltige Flutwelle die Küstenregion, zerstörte ganze Ortschaften und riss rund 20.000 Menschen in den Tod. In Fukushima kam es zur schwersten Atomkatastrophe seit Tschernobyl.
Während die Trauerfeiern an die Dimension des Unglücks erinnern, zeigt sich zugleich, wie sehr die Ereignisse im kollektiven Bewusstsein verblassen. Die nationalkonservative Regierungschefin Sanae Takaichi drängt inzwischen darauf, die nach 2011 stillgelegten Reaktoren schneller wieder ans Netz zu bringen und neue Technologien voranzutreiben. Ihr Ziel ist es, die Abhängigkeit von teuren fossilen Brennstoffen zu verringern – ein Kurs, der vor Jahren noch undenkbar schien.
Nach dem Super-GAU waren alle 54 Reaktoren des Landes für Sicherheitsprüfungen abgeschaltet worden. 2012 beschloss die damalige Regierung sogar den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie, revidierte diesen jedoch zwei Jahre später. Der Neustart verlief schleppend, viele Anlagen wurden endgültig aufgegeben. Heute aber setzt Japan wieder stärker auf Atomkraft: Erst kürzlich erhielt der Energiekonzern Tepco die Genehmigung, im riesigen Kraftwerkskomplex Kashiwazaki-Kariwa erstmals wieder einen Reaktor hochzufahren. Damit sind nun 15 der noch 33 betriebsfähigen Reaktoren am Netz.
Gleichzeitig bleibt die Bewältigung der Katastrophe von Fukushima eine Generationenaufgabe. Die Stilllegung des havarierten Kraftwerks Fukushima Daiichi soll zwar bis 2051 abgeschlossen sein, doch zentrale Schritte verzögern sich. Die vollständige Bergung des geschmolzenen Brennstoffs, ursprünglich für die frühen 2030er Jahre geplant, wurde auf 2037 oder später verschoben. Bislang konnten aus Reaktorblock 2 nur winzige Proben entnommen werden, die weniger als ein Gramm wiegen. In den Reaktoren 1 bis 3 werden noch immer rund 880 Tonnen Brennstoffreste vermutet.
Trotz der technischen Fortschritte bleibt die Sorge vor neuen Naturkatastrophen groß. Laut einer von der *Japan Times* zitierten Umfrage des Roten Kreuzes rechnen mehr als 80 Prozent der Menschen in Japan damit, dass ihr Land erneut von einem schweren Erdbeben getroffen werden könnte. Fast 70 Prozent geben jedoch an, bislang keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen zu haben – ein Befund, der zeigt, wie schwer es ist, aus einer Katastrophe dauerhaft Konsequenzen zu ziehen.
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