Trump empfängt Selenskyj
Gespräch mit Putin sorgt für neue Spannung
- Trump und Selenskyj treffen sich an diesem Freitag erneut im Weißen Haus. (Archivbild)
- Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
WASHINGTON (dpa/ak) – Während die Waffenruhe im Nahen Osten erste Früchte trägt, richtet sich der Blick des Weißen Hauses wieder auf den Krieg in der Ukraine. US-Präsident Donald Trump kündigte nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein mögliches Treffen in Budapest an – innerhalb der kommenden zwei Wochen.
Bereits im August hatten sich beide Staatschefs in Alaska getroffen, ohne dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beteiligt war. Auch diesmal bleibt offen, ob er Teil der Gespräche sein wird.
Selenskyj befindet sich derzeit auf Staatsbesuch in den USA. Am Freitag ist ein Treffen mit Trump im Weißen Haus geplant. Die Erwartungen sind hoch: Die Ukraine hofft auf grünes Licht für den Erwerb von Tomahawk-Marschflugkörpern, die eine hohe Reichweite besitzen und strategisch bedeutsam wären. Doch Trump hat sich bislang nicht festgelegt. Zwar betonte er, man prüfe die Anfrage, doch auch die USA benötigten diese Waffen selbst. „Wir können nicht so viele Waffen abgeben, dass wir selbst keine mehr haben“, sagte er am Vortag des Treffens.
Die ukrainische Führung setzt auf eine Politik der Stärke, um Russland zum Einlenken zu bewegen. Selenskyj erklärte nach Bekanntwerden des Putin-Telefonats, Moskau habe sich auffällig schnell um neue Gespräche bemüht, sobald die Tomahawk-Frage aufkam. „Jede Entscheidung, die uns stärken kann, bringt das Ende des Krieges näher“, schrieb er auf Telegram. Am Donnerstag traf er sich in Washington mit Vertretern von Rüstungs- und Energieunternehmen, um über weitere Lieferungen von Flugabwehrsystemen und Lösungen für die durch russische Angriffe verursachte Energiekrise zu sprechen.
Die Tomahawk-Marschflugkörper gelten als Präzisionswaffen für Fernangriffe und könnten weit ins russische Territorium vordringen. Russland reagierte prompt mit Warnungen. Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrats, sprach von einer nuklearen Gefahr, da beim Anflug nicht erkennbar sei, ob die Raketen nuklear bestückt seien. Laut US-Kongressbibliothek verfügen die USA jedoch seit 2013 nicht mehr über nuklearfähige Tomahawks.
Trump hatte bereits vor Tagen erklärt, die Ukraine wolle in die Offensive gehen. Eine Entscheidung über Waffenlieferungen sei in Arbeit, doch blieb er vage. Auch das Telefonat mit Putin könnte die Lage neu beeinflussen – ob zugunsten oder zulasten der Ukraine, ist offen.
Selenskyj reist mit Rückenwind aus Europa an. Beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel erhielt er Zusagen für weitere Rüstungshilfe. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein britischer Amtskollege John Healey kündigten neue Kooperationen an. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth drohte dem Kreml mit wirtschaftlichen Konsequenzen, sollte Moskau nicht zu einem baldigen Frieden bereit sein.
Auch außenpolitisch versucht Trump, Druck auf Russland auszuüben. So erklärte er, Indien wolle künftig kein Öl mehr aus Russland beziehen – eine Reaktion auf US-Strafzölle, die im August verhängt wurden. Damit soll Russlands Kriegsfinanzierung geschwächt werden. Öl- und Gasexporte sind nach wie vor eine zentrale Einnahmequelle für den Kreml.
Ob das Treffen zwischen Trump und Selenskyj konkrete Ergebnisse bringt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die diplomatische Bühne ist in Bewegung – und die Ukraine hofft auf mehr als nur symbolische Unterstützung.
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