Waffenruhe auf wackligem Fundament
Iran reagiert misstrauisch auf Trumps Kurswechsel
- Die Lage in der Straße von Hormus ist auch nach Trumps Verlängerung der Waffenruhe unverändert. (Archivbild)
- Foto: Asghar Besharati/AP/dpa
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Washington/Teheran (Lars Nicolaysen/dpa/ak) – US‑Präsident Donald Trump hat die Feuerpause mit dem Iran überraschend verlängert – eine Entscheidung, die in Teheran eher für neue Warnungen als für Entspannung sorgt. Auf seinem Netzwerk Truth Social erklärte Trump, er komme einer Bitte Pakistans nach und verzichte vorerst auf Angriffe, bis der Iran einen „geeinten Vorschlag“ zur Beilegung des Konflikts vorlege. Die US‑Seeblockade iranischer Häfen bleibt jedoch bestehen.
In Teheran stieß die Ankündigung auf Skepsis. Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete, der Iran habe keine Verlängerung beantragt und werde seine Position später darlegen. Ein Berater des Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf bezeichnete Trumps Schritt auf X als bedeutungslos. Die Blockade sei einem Bombardement gleichzusetzen und müsse militärisch beantwortet werden. Außenminister Abbas Araghtschi sprach von einem „kriegerischen Akt“, der die Waffenruhe verletze.
Die Führung in Teheran sieht in der US‑Entscheidung eine mögliche Finte. Ein Militärsprecher erklärte, man bleibe in höchster Alarmbereitschaft. Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nannte Ölfelder und Raffinerien in Nachbarstaaten als mögliche Ziele, sollten diese weiterhin US‑Operationen unterstützen. Das Regionalkommando Centcom betonte seinerseits, einsatzbereit zu bleiben.
Auch wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt. Der Ölpreis stieg vor Trumps Ankündigung erstmals seit Tagen wieder über die Marke von 100 Dollar für die Sorte Brent, sank anschließend aber nur leicht. Die Frage, ob sich der Iran an die verlängerte Feuerpause gebunden fühlt, ist ebenso offen wie die Haltung Israels. Aus dem Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gab es zunächst keine Reaktion.
Trump begründete seinen Schritt mit einer tiefen Spaltung innerhalb der iranischen Führung. Der Nahost‑Experte Thomas Juneau sprach auf X von einem „fragilen Patt“, in dem beide Seiten darauf warteten, dass die jeweils andere nachgibt. Die USA setzen nach Angaben von Finanzminister Scott Bessent weiter auf die Wirkung der Blockade. Die Lagerkapazitäten auf der Insel Charg seien bald erschöpft, was zu Produktionsstopps führen könne.
Unterdessen berichtete das Magazin „Time“, dass sich die Entscheidungsstrukturen im Iran seit Kriegsbeginn weiter verengt hätten. Nach der Ernennung Modschtaba Chameneis zum Obersten Führer liege die Macht stärker bei einem sicherheitspolitischen Kern. Über Chameneis Gesundheitszustand und seine Rolle im System ist wenig bekannt.
Pakistan, das in dem Konflikt vermittelt, begrüßte Trumps Entscheidung. Vertreter Teherans sollen jedoch vorerst nicht zu neuen Gesprächen nach Islamabad reisen. Parallel bereiten sich Militärs aus 30 Staaten in London auf einen möglichen internationalen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus vor. Großbritannien und Frankreich wollen eine neutrale Mission aufstellen, die Handelsschiffe schützt. Deutschland prüft eine Beteiligung an Minenräumung und Aufklärung.
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