Kostbarer Staub verschwindet aus dem Blick
Oberstes Gericht verpflichtet Familie zur Rückgabe von Mondproben
- Der Mond ist als Sichel im Nachthimmel über Tschechien zu sehen. (Symbolbild)
- Foto: Slavek Ruta/ZUMA Wire/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
Prag (dpa/ak) – Dreißig Jahre lang lagerten in einem privaten Haushalt in Tschechien Proben vom Mond, ohne dass die zuständige Forschungseinrichtung davon wusste. Erst als eine Exportgenehmigung beantragt wurde, mutmaßlich für einen Verkauf an Sammler im Ausland, kam der Fall ans Licht. Nun hat das Oberste Gericht in Prag entschieden: Die Familie einer früheren Wissenschaftlerin muss den Mondstaub an die Akademie der Wissenschaften zurückgeben.
Die Proben stammen aus dem sowjetischen Luna-Programm der 1970er Jahre. Insgesamt handelt es sich um rund ein Gramm Mondgesteinsfragmente und ein weiteres Gramm Mondstaub, verteilt auf 16 kleine Ampullen und Behälter. Die Wissenschaftlerin hatte das Material während einer Forschungsreise in die Sowjetunion entgegengenommen. Nach Überzeugung der Richter geschah dies eindeutig in ihrer Funktion als Vertreterin der Akademie – und nicht als Privatperson.
Die Tochter der Forscherin hatte argumentiert, niemand habe die Proben in mehr als drei Jahrzehnten vermisst. Das Gericht ließ diese Sicht nicht gelten. Zeugenaussagen und alte Reiseunterlagen belegten, dass die Proben nie in den persönlichen Besitz der Wissenschaftlerin übergegangen seien. Angesichts ihrer Position hätte ihr das bewusst sein müssen.
Mondmaterial, das zur Erde gelangt, befindet sich fast immer in staatlicher Hand. Nur selten tauchen einzelne Stücke auf dem freien Markt auf. Ein bekanntes Beispiel ist ein kleiner Beutel mit Resten von Mondstaub, den Neil Armstrong 1969 benutzt hatte und der vor einigen Jahren in New York für rund 1,6 Millionen Euro versteigert wurde.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.