Konzertpreise
Wer soll das noch bezahlen?
- Die Rockband AC/DC, hier in Kalifornien, tritt im August in Karlsruhe auf (Archivbild).
- Foto: © Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
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HAMBURG (dpa/mue) - AC/DC, Ed Sheeran, Katy Perry &. Co.: Wer gute Live-Musik erleben will, muss künftig wohl noch tiefer in die Tasche greifen.
Der Chef des führenden deutschen Ticketanbieters CTS Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, rechnet nämlich mit steigenden Konzertpreisen. Wer die Branche beobachte, erkenne schnell, dass es nur eine Richtung gebe: «Die Preise steigen», sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das Geschäft unterscheide sich hierbei nicht von anderen Branchen. «Aber ich hoffe und unterstütze, dass es in einem akzeptablen Maß stattfindet.» Weiter sagte der 74-Jährige: «Das Niveau der Eintrittspreise ist sehr hoch.» Das sei überhaupt keine Frage.
Veranstalter haben kaum Spielraum
«Bei der Festlegung von Konzertpreisen haben die Veranstalter kaum Spielraum, eine Vielzahl an Faktoren führt zur Preisbildung», so Schulenberg. Gründe für den Anstieg seien gestiegene Gagen und höhere Kosten für Veranstaltungsstätten und Mitarbeiter. Bands und Solo-Künstler seien wegen des Streamings zunehmend auf Einnahmen aus Tourneen angewiesen; in der alten analogen Welt habe der Verkauf von Tonträgern etwa 85 Prozent der Einnahmen ausgemacht - und das Live-Geschäft 15 Prozent. «Das hat sich heute umgekehrt». Einen Pauschalwert der Gagen konnte Schulenberg nicht nennen. Die Künstler erhielten oft eine garantierte Gage und einen erheblichen Teil des Veranstaltungsgewinns. Im Fall der bekanntesten Künstler könne deren Gewinnanteil 75 Prozent übersteigen. In den Verhandlungen seien Künstler - besonders die erfolgreichsten - mächtiger als die Veranstalter. «Es gibt einen Anbieter und mehrere Nachfrager. Dann wissen Sie schon, wie die Verhandlungen ablaufen.»
Die Kosten von Infrastruktur und Personal seien seit Ende der Corona-Pandemie um 45 Prozent gestiegen. Höhere Personalkosten seien das Ergebnis von Angebot und Nachfrage, sagte Schulenberg. Das heißt: Unternehmen wie Eventim müssten mehr bieten, um Personal zu gewinnen. Denn während der Corona-Pandemie sind viele Mitarbeiter aus der Branche abgewandert. «Es gab in der Zeit keine Branche mehr, das vergisst man schnell.» Aufbauhelfer sei ein anstrengender Beruf - mit Arbeit am Tag und in der Nacht. «Es gibt sicher Branchen, in denen man das Geld einfacher verdienen kann.»
Weltweit zweitgrößter Ticketanbieter
Das börsennotierte Unternehmen CTS Eventim ist nach eigenen Angaben der weltweit zweitgrößte Ticketanbieter; der größte ist Live Nation Entertainment aus den USA. Eventim verkauft Karten zu Konzerten, Theateraufführungen und Sportwettkämpfen, organisiert selbst Konzerte und betreibt Veranstaltungsstätten wie die Waldbühne in Berlin. Das expandierende Unternehmen beschäftigte zuletzt annähernd 4.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im vergangenen Jahr wurde ein Überschuss von 318,9 Millionen Euro nach 274,6 Millionen Euro in 2023 erzielt. Schulenberg selbst ist über seine Stiftung an Eventim beteiligt. Hauptsitz ist München, wichtige Standorte nach Mitarbeiterzahl sind Bremen und Hamburg.
Autor:Uwe Müller aus Nürnberg |
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