Erlangens OB Volleth im Interview
„Klar entscheiden, was wesentlich ist“
- Jörg Volleth (CSU) ist Erlangens neuer Oberbürgermeister.
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ERLANGEN (pm/mue) - Mit 51,4 Prozent setzte sich Jörg Volleth (CSU) in der Stichwahl zum Oberbürgermeister gegen den bisherigen Amtsinhaber Florian Janik (SPD) durch. Seit kurzem ist der neue OB im Amt, der MarktSpiegel hat ihn nach seiner Sicht auf die Situation Erlangens befragt.
MarktSpiegel: Herr Oberbürgermeister, welche Themen packen Sie nach Ihrer Wahl zuerst an? Wo sehen Sie den meisten Handlungsbedarf?
OB Volleth: Die aktuelle Amtszeit muss genutzt werden, um Erlangen finanziell wieder solider aufzustellen und gleichzeitig die drängenden Zukunftsaufgaben entschlossen anzugehen. Für mich steht dabei an erster Stelle, die Haushaltslage zu stabilisieren, Aufgaben zu priorisieren und laufende Projekte kritisch zu überprüfen, damit unsere Stadt überhaupt handlungsfähig bleibt. Gleichzeitig möchte ich, dass Erlangen wieder mehr Einnahmen generiert, deshalb habe ich die Kontaktaufnahme und den intensiven Austausch mit der Wirtschaft, dem Mittelstand und den Unternehmen vor Ort bereits gestartet. Nur mit einer starken Wirtschaft kann Erlangen dauerhaft in Schulen, Kitas, Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum investieren.
Welche Hoffnung setzen Sie in die schwarz-grüne Rathauskoalition?
Ich erwarte, dass die schwarz-grüne Rathauskoalition unterschiedliche politische Perspektiven zusammenführt und daraus tragfähige Lösungen für die Stadt entwickelt. Entscheidend ist, dass dabei nicht das Trennende im Vordergrund steht, sondern der gemeinsame Auftrag, Erlangen handlungsfähig zu halten und weiterzuentwickeln. Gerade bei Finanzen, Wohnen, Mobilität und Klimaschutz braucht es Kompromissfähigkeit, aber auch klare Prioritäten und Entscheidungsstärke.
Wie weit wollen Sie beim Thema Verschlankung der Verwaltung gehen?
Ich möchte Prozesse verschlanken, Doppelstrukturen abbauen, Zuständigkeiten klarer schneiden und digitale Abläufe deutlich ausbauen, damit Entscheidungen kostengünstiger, schneller und für die Bürgerinnen und Bürger einfacher werden. Gleichzeitig gilt, dass die Aufgaben der Stadtverwaltung weiterhin zuverlässig erfüllt bleiben müssen und die Beschäftigten nicht zu stark belastet werden dürfen. Effizienz und Einsparung entsteht durch bessere Organisation, nicht durch reine Kürzungen.
Mit Blick auf den Haushalt: Wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft der Stadt? Sind Erlangens gute Jahre – gemessen an den Steuereinnahmen – vorbei?
Es wäre falsch zu sagen, dass Erlangens gute Jahre vorbei sind – die Stadt hat weiterhin eine starke Wirtschafts- und Steuerbasis. Allerdings lässt sich die frühere Dynamik nicht einfach fortschreiben, da sich die Rahmenbedingungen spürbar verändert haben. Es ist absehbar, dass die Steuereinnahmen auf Dauer nicht mehr das frühere Niveau und Wachstumstempo erreichen werden. Deshalb wird es wichtig sein, konsequenter zu priorisieren und klar zu entscheiden, was wirklich wesentlich ist und unsere Stadt ausmacht. Und es kommt jetzt darauf an, neue Impulse für Wachstum und Einnahmen zu setzen.
Interview: Uwe Müller
Autor:Uwe Müller aus Nürnberg |
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