Historische Fotos: Klettern im Frankenjura, 150 Jahre Deutscher Alpenverein & die Nürnberger Hütte
Abenteuer vor den Toren Nürnbergs

75-Jahrfeier der Nürnberger Hütte am 8./9. September 1962. Chronik der Bergsteigergruppe der Sektion Nürnberg, DAV, Sektion Nürnberg.
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  • 75-Jahrfeier der Nürnberger Hütte am 8./9. September 1962. Chronik der Bergsteigergruppe der Sektion Nürnberg, DAV, Sektion Nürnberg.
  • Foto: Adi Knüttel
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NÜRNBERG (pm/nf) - Bis zum 26. Januar 2020 zeigt das Stadtmuseum im Fembo-Haus die Sonderausstellung „Die Berge und wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein“. Sie präsentiert anhand zahlreicher Exponate die Geschichte des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Allgemeinen wie auch seiner Nürnberger Sektion im Besonderen. Am 7. November gehen die Kuratorinnen Nicole Riedel und Magdalena Prechsl in ihrem Vortrag „Abenteuer vor den Toren Nürnbergs“ der Entwicklung des Kletterns im Frankenjura auf den Grund. Sie sprechen um 18 Uhr im Stadtmuseum im Fembo-Haus, Burgstraße 15, und führen anschließend durch die Sonderausstellung.

1869 wurde nicht nur der Deutsche Alpenverein in München gegründet, sondern auch in Nürnberg tat sich eine Gruppe bergbegeisterter Personen zusammen und rief die Sektion Nürnberg des DAV ins Leben. Diese beiden Jubiläen waren Anlass für das Ausstellungsprojekt zur Geschichte des Alpenvereins des Alpinen Museums München, das gemeinsam mit der Sektion Nürnberg des DAV und dem Stadtmuseum im Fembo-Haus realisiert wurde. Die Besucherinnen und Besucher erwarten beim Rundgang durch die Ausstellung umfassende Einblicke in die Geschichte des Alpenvereins, die mit zahlreichen Exponaten aus den Beständen der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, des Alpinen Museums München, des Stadtarchivs Nürnberg und des Archivs der Sektion Nürnberg des DAV erzählt wird.

Wissensdurst, Abenteuerlust und Naturerlebnis zogen die Menschen im 19. Jahrhundert in die Berge. In diese Zeit fällt die Gründung des DAV und damit auch der Sektion Nürnberg, die sich rasch zu einer der mitgliedsstärksten Sektionen entwickelte. Von Anfang an bot der Alpenverein durch ein umfassendes Ausbildungs- und Vortragsprogramm auch in alpenfernen Städten wie Nürnberg Interessierten eine Möglichkeit, sich mit den Bergen zu beschäftigen.

Zunächst waren es vor allem wissenschaftliche Zwecke, die die Alpenvereinsmitglieder in die Berge trieben. Ein Hauptziel hierbei war die Kartierung der Alpen. Betrachtet man in der Ausstellung die Messgeräte aus dem 19. Jahrhundert, ist es wirklich beeindruckend, wie präzise frühe Alpenvereinskarten das Gebirge wiedergeben. Besonders eindrucksvoll ist eine alte Karte der Schweiz – eine Leihgabe aus dem Stadtarchiv Nürnberg –, die bereits im 18. Jahrhundert von der Homännischen Landkartenoffizin im Fembo-Haus gefertigt wurde und für die genaue Kartierung der Berge wesentliche Grundlagen legte.

Um 1900 wandte man sich immer stärker dem Bergsport in unterschiedlichen Spielarten zum Selbstzweck zu. Neben den ambitionierteren Bergsteigerinnen und Bergsteigern entdeckten auch andere Personenkreise die Berge für sich und traten dem Alpenverein bei. Es war vor allem der Skisport, der um die Jahrhundertwende aufkam und einen großen Anteil daran hatte. Stellvertretend hierfür wird ein Paar Ski aus Eschenholz in der Ausstellung präsentiert.

Um die Berge zugänglich zu machen, wurden seit der Vereinsgründung zahlreiche Hütten und Wege in den Alpen angelegt. Bis heute ist die 1886 fertiggestellte Nürnberger Hütte in den Stubaier Alpen wichtiges Zeugnis dafür. Gerade deshalb nimmt dieses Stück Noris in den fernen Alpen eine große Rolle in der Ausstellung ein. Highlight ist sicherlich die authentische Hüttenwand, die in der Ausstellung zum Staunen und Verweilen einlädt.

Durch die große Distanz zu den Alpen spielten in Nürnberg seit jeher auch das Klettern, Wandern und Skifahren in der Fränkischen Schweiz eine große Rolle. Durch diese alpenfernen Trainingsmöglichkeiten erschloss der Verein die Region beispielsweise durch den Bau von kleineren Mittelgebirgshütten. Für viele Städterinnen und Städter wurde die Natur dadurch zugänglich gemacht. Aber auch das Leben in der Stadt wurde von großen Festveranstaltungen und kleineren Zusammenkünften des Alpenvereins geprägt. So nutzte man Anfang des 20. Jahrhunderts die größten Festsäle der Stadt für die Winterfeste des Alpenvereins und die Vereinsmitglieder tanzten die ganze Nacht in alpenländischer Tracht.

Die Ausstellung legt außerdem einen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und ihren Folgen. Wie der gesamte Alpenverein gliederte sich die Nürnberger Sektion vollständig und nahtlos in das nationalsozialistische System ein. Nach 1933 führten fast alle Sektionen im Deutschen Reich „Arierparagraphen“ ein. Die Sektion Nürnberg schloss ihre (vermeintlich) jüdischen Mitglieder zum Jahr 1934 aus. Zwei der ausgeschlossenen Nürnberger Bergsteiger – Alfred Cohn und Oskar Kühlken – stellt die Ausstellung ausführlich vor.

Für die Nachkriegszeit stehen in der Ausstellung vor allem die Themen Jugendarbeit, Naturschutz und die wachsende Zuwendung zum Leistungssport im Fokus. Gerade in Sachen Sportklettern, das heute für die Sektion Nürnberg aufgrund der großen Nähe zum Frankenjura als einem internationalen Topklettergebiet eine hohe Bedeutung hat, engagierte sich der Alpenverein erst recht spät. Mittlerweile stellt das Klettern – auch fernab der Berge in künstlichen Kletteranlagen – ein Schwerpunktthema der Arbeit des DAV dar.

Die Leistungsexplosion im Bergsport allgemein ist eng mit der Entwicklung der Ausrüstung verzahnt und natürlich zeigt die Ausstellung auch eine Vielzahl an historischen und modernen Ausrüstungsgegenständen. So ist ein anschaulicher Vergleich zwischen gestern und heute möglich. Auch das Thema Sicherheit am Berg wird thematisiert: Die Gäste können sogar selbst Hand anlegen und sich an einigen wichtigen Knoten versuchen. Die vielfältigen Perspektiven der Ausstellung räumen auf mit dem traditionalistischen Image, das dem Alpenverein anhängt. Der von dem ausgestellten Ensemble aus Wanderhut und Stock geprägte erste Eindruck ist nicht mehr als das Spiel mit Klischees. Vielmehr stellt sie den Alpenverein und seine Nürnberger Sektion als moderne Naturschutz- und Bergsportorganisationen mit 150-jähriger Geschichte vor.

Stadtmuseum im Fembo-Haus
Burgstraße 15
90403 Nürnberg
Telefon: 09 11 / 2 31-25 95
Fax: 09 11 / 2 31-25 96
E-Mail: stadtmuseum-fembohaus@stadt.nuernberg.de
Web: stadtmuseum-fembohaus.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr
Samstag und Sonntag 10-18 Uhr

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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