Nürnberg trauert um Altoberbürgermeister Dr. Peter Schönlein

Altoberbürgermeister Peter Schönlein mit Ehefrau Claudia.
 
Altoberbürgermeister Dr. Peter Schönlein ist am 30. November 2016 verstorben. (Foto: bayernpress)
 
Dr. Peter Schönlein.

In Gedenken an den früheren Oberbürgermeister Dr. Peter Schönlein hat die Redaktion eine ganze Reihe Schnappschüsse seiner unzähligen öffentlichen Auftritte mit Prominenten, Kollegen und Nürnberger Bürgerinnen und Bürger der letzten Jahre gesammelt. RIP.



NÜRNBERG (pm/nf) - Altoberbürgermeister Dr. Peter Schönlein ist tot. Das frühere Stadtoberhaupt ist am gestrigen Mittwoch, 30. November 2016, nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren aus dem aktiven Leben gerissen worden.

In der Ehrenhalle des Rathauses Wolffscher Bau, Rathausplatz 2, liegt ab Freitag, 2. Dezember 2016, 11.30 Uhr, und dann werktäglich von 8 bis 18 Uhr bis einschließlich Freitag, 9. Dezember 2016, ein Kondolenzbuch auf. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly wird sich morgen um 11.30 Uhr eintragen. An den Rathäusern Rathausplatz 2 und Hauptmarkt wehen die Fahnen auf Halbmast. Am Dienstag, 6. Dezember 2016, findet um 11.30 Uhr in St. Sebald ein öffentlicher Trauergottesdienst statt.

Dr. Peter Schönlein stand von 1987 bis 1996 an der Spitze der Stadt. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly zeigte sich tief berührt von der traurigen Nachricht: „Peter Schönlein hat über ein Vierteljahrhundert die Stadt geprägt. In seiner Amtszeit als Oberbürgermeister hat er wegweisende Entwicklungen in seiner Heimatstadt Nürnberg angestoßen und bestimmt. Dazu gehören U-Bahn-Ausbau, S-Bahnbau, Ausbau von Messe und Kindertagesstätten genauso wie der damalige Ausbau des städtischen Stadions zum Franken-Stadion. Auch die Neuordnung der städtischen Museen ist seiner Initiative zuzuschreiben. Seine Vision einer Kulturmeile, zu Beginn von einigen belächelt, setzte er mit großer Beharrlichkeit um. Die Völkerverständigung und die Aussöhnung zwischen Ost und West waren ihm ein großes Anliegen. Bei den Städtepartnerschaften mit Krakau und Prag setzte er besondere Akzente. Er legte den Grundstein für die Menschenrechtsarbeit und hat den 1995 erstmals verliehenen Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ins Leben gerufen. Er arbeitete daran, dass von unserer Stadt klare Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen. Elementare Werte wie Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit waren Richtschnur für sein Handeln. Peter Schönlein hat mit Leidenschaft und mit Akribie bleibende Spuren hinterlassen. Er hat immer das Wohl aller Bürgerinnen und Bürger im Blick gehabt. Mit großem Pflichtbewusstsein und Redlichkeit suchte er stets der Stadt Bestes. Er hat sich um unsere Stadt große Verdienste erworben und ein gutes Stück Stadtgeschichte geschrieben. Das werden wir nie vergessen. Unsere Gedanken sind nun bei seiner Frau Claudia, seinen beiden Kindern und seiner ganzen Familie.“

Peter Schönlein wurde am 16. März 1939 in Nürnberg geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg Latein, Griechisch und Geschichte, zudem Französisch an der Sorbonne in Paris. 1996 promovierte er in Erlangen mit einer Dissertation über „Sittliches Bewusstsein als Handlungsmotiv bei römischen Historikern“ zum Dr. phil. Anschließend arbeitete er als Gymnasiallehrer in Nürnberg.

1969 trat er in die SPD ein. Danach har er über ein Vierteljahrhundert in verschiedenen Funktionen die Geschicke der Stadt wesentlich mitbestimmt. 1972 wurde er erstmals in den Stadtrat gewählt. 1978 wurde er Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. Er war 1978 Schöpfer der sozial-liberalen Zusammenarbeit im Nürnberger Rathaus. Anfang der 1980er Jahre wurde er zum Architekten des rot-grünen Bündnisses. 1987 kandidierte Dr. Peter Schönlein erstmals für das Amt des Oberbürgermeisters. Am 8. November 1987 gewann er in der Stichwahl gegen den damaligen CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Günther Beckstein.

Bereits 1990 stellte sich Dr. Schönlein erneut der Wahl, damit Stadtratswahl und OB-Wahl wieder zusammengelegt werden konnten. (Beide Termine waren seit dem plötzlichen Tod des damaligen Oberbürgermeisters Otto Bärnreuther 1957 und der damit notwendigen OB-Wahl getrennt.) 1990 bestätigten die Nürnbergerinnen und Nürnberger Dr. Schönlein bereits im ersten Wahlgang im Amt des Oberbürgermeisters. Beim nächsten Urnengang 1996 unterlag Dr. Schönlein seinem CSU-Herausforderer Ludwig Scholz in der Stichwahl. Danach schied Dr. Schönlein aus der aktiven Rathauspolitik aus. Für ihn war es nur folgerichtig, aus „Respekt vor der Wählerentscheidung“ sein Stadtratsmandat nicht anzutreten.

Stattdessen kehrte er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2002 als Leiter des Albrecht- Dürer-Gymnasiums wieder in den Schuldienst zurück. Dr. Peter Schönlein nahm auch danach aktiv am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt teil. Er ist bis zuletzt ein „homo politicus“ geblieben und blieb seinen Grundwerten und Überzeugungen vor allem auch Friedensfragen treu. Der frühere Spielführer der Stadtratsfußballmannschaft war auch viele Jahre Vorsitzender der Deutschen Olympischen Gesellschaft Mittelfranken. Dem Konfuzius- Institut Erlangen-Nürnberg war er als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums besonders verbunden. Zuletzt leitete er im Jahr 2014 eine zehntägige Delegationsreise des Instituts mit 26 hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Bildung, Kunst und Medien aus der Metropolregion Nürnberg nach China.

Dr. Peter Schönlein hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Unter anderem bekam er 1995 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde 1995 mit dem „Cavaliere“ des italienischen Verdienstordens geehrt. 1996 erhielt er die silberne Medaille der Stadt Krakau „Cracoviae Merenti“ für seine Verdienste um die polnische Partnerstadt.

Die Stadt Nürnberg veranstaltet voraussichtlich am Freitag, 16. Dezember 2016, zu Ehren von Altoberbürgermeister Dr. Peter Schönlein im Historischen Rathaussaal eine Gedenkfeier für geladene Gäste. Die genaue Uhrzeit steht noch nicht fest.

Mit Belesenheit und Weitsicht

Die Nürnberger Sozialdemokraten trauern um Altoberbürgermeister Peter Schönlein.

„Peter Schönlein zählt zweifelsohne zu den großen Persönlichkeiten, die unsere Stadt seit den 1970er Jahren maßgeblich geprägt haben. Als Stadtrat, SPD-Fraktionsvorsitzender und von 1987 bis 1996 als Oberbürgermeister lenkte er die Geschicke Nürnbergs und setzte, ganz in der Tradition Willy Brandts, auf eine Politik der Versöhnung und des Friedens“, hebt Thorsten Brehm, Vorsitzender der SPD Nürnberg, die Leistungen des Kommunalpolitikers hervor. „Mit seiner Belesenheit und Weitsicht hat er die Stadt nach vorne gebracht und viele Projekte angestoßen, die bis heute sichtbar sind.“

„Peter Schönlein wollte dem Ungeist der Nazi-Zeit mit der Stadt des Friedens und der Menschenrechte ein neues Leitbild entgegenstellen. Die Straße der Menschenrechte und das Menschenrechtspreis gehen auf seine Initiative zurück und werden immer eng mit seinem Namen verbunden bleiben. Peter Schönlein hat mit diesem Leitbild den Grundstein gelegt, auf dem unsere zahlreichen Aktivitäten im Bereich der Menschenrechtsarbeit bis heute aufbauen“, unterstreicht die SPD-Fraktionsvorsitzende Anja Prölß-Kammerer.

Aber nicht nur bei diesem Thema setzt der Sozialdemokrat Maßstäbe: Er hat den Ausbau von S- und U-Bahn vorangetrieben und sich für die Messe und den Stadionausbau stark gemacht. „Mit seiner ‚konkreten Utopie‘ einer Kulturmeile in der Altstadt war er im Jahr 1987 seiner Zeit voraus. Heute wäre sie nicht mehr wegzudenken“, findet Prölß-Kammerer. „Peter Schönlein vermochte es große Visionen auch immer in praktische Politik zu übersetzen. Das zeichnet einen erfolgreichen Kommunalpolitiker aus.“

Hohe Anerkennung zollen die beiden dem Altoberbürgermeister auch für sein ehrenamtliches Engagement, das er auch nach der schmerzlichen Wahlniederlage 1996 und dem Ausscheiden aus der beruflichen Politik fortführte. Der Gesprächskreis Frieden, die deutsch-chinesischen Beziehungen und das Konfuzius-Institut waren ihm Herzensangelegenheiten. Zudem hatte er den Vorsitz des Fördervereins für die neue Kunstvilla übernommen.

„Mit seiner herzlichen und einnehmenden Art hat er viele Menschen mitgenommen. Sein Tod reißt deshalb eine große Lücke in unsere Mitte. Sozialdemokratie und Stadtgesellschaft sind ihm zu großen Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren“, so der SPD-Vorsitzende abschließend.
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