Handwerkerwochenende auf dem Erfahrungsfeld der Sinne
Alte Hasen und junge Hupfer

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Eigentlich kümmert sich der Papa nicht um so was. Das ist Mamas Job: Nagellack und pinke Strähnen. Warum nicht Reifen wechseln oder eine Mauer hochziehen? Fragend und ein bisschen gequält blickt Sinas Vater auf die Glitzerauswahl vor ihm. Auf dem Schoß sitzt seine eindreiviertel Jahre alte Tochter und strahlt. Wer kann da widerstehen. Also: Pinsel in die rosa Flüssigkeit und drauf damit auf den Zeigefinger. Sina und ihr Papa sind bei den Friseuren auf dem Erfahrungsfeld der Sinne. Hier gibt es Haarsträhnchen und bunte Nägel.

Handwerk lädt zum Mitmachen ein

Vorher haben sie schon bei den Feinwerkmechanikern einen Salamander aus dem 3D-Drucker gesammelt, bei den Schreinern einen Holzigel gehämmert, bei den Fliesenlegern ein Mosaikherz geklebt, bei den Metallbauern einen Gecko geklopft und bei den Stuckateuren einen Gipsengel gegossen. Der trocknet gerade. Sie arbeiten sich von Station zu Station. Denn es ist Handwerkerwochenende. Jede Menge Profis sind dafür an der Wöhrder Wiese, um den Kindern und Eltern bei Mitmach-Aktionen zu zeigen, wie viel Spaß es machen kann, anzupacken und ein Handwerker zu sein. Seit über zwanzig Jahren leben die Handwerkskammer für Mittelfranken und das Erfahrungsfeld der Sinne diese Kooperation. Zahlreiche Werkstätten, die mittlerweile fest zum Angebot gehören, gingen daraus hervor. In ihnen schnupperten rund 210000 Erfahrungsfeldbesucher in einzelne Handwerksberufe. Eine Riesenchance für das nachwuchssuchende Handwerk.

Mit allen Sinnen erleben

Anne Kirchhof von der Handwerkskammer freut sich daher sehr über die vielen strahlenden Gesichter. „Hier können die Kinder und ihre Eltern sehen, wie befriedigend es sein kann, kreativ und höchst real zu werkeln. Wischen tun hier heute nur die Pinsel der Maler“, scherzt sie. Sie hofft, dass einige der Kinder diese glückliche Erfahrung für sich mitnehmen und, wenn es dann an die Berufswahl geht, den Weg ins Handwerk einschlagen. Auch Erfahrungsfeldleiter Claus Haupt weiß die Zusammenarbeit zu schätzen. „Die Handwerkerwochenenden gehören zu den besucherstärksten des Jahres“, erzählt er. Rund 12000 Besucher zählten sie seit ihrer Einführung. „Es gibt natürlich viele Synergien zwischen den beiden Bereichen. Auch im Handwerk erlebt man mit allen Sinnen, fasst an, schafft etwas gemeinsam.“

Familien aus Gips und Metall

Für Synergien, Nachwuchsmangel und pädagogische Konzepte interessieren sich die neunjährige Emma und der siebenjährige Mio nicht. Sie erweitern lieber ihre Sammlung. Als treue Handwerkerwochenenderfahrungsfeldkunden haben sie schon ganze Familien zuhause: Die bei den Malern verschönerten Metallgeckos stehen in der Küche, die Gipsengel hängen im Flur. Einer ist Emma allerdings kürzlich heruntergefallen, der Flügel abgebrochen. Sie ist also auf Ersatz aus. Simon (7) versinkt derweil in Mörtelwelten. Gemeinsam mit Maurermeister Florian Stauber passt er die graue Masse gerade in die Fuge zwischen den Steinen. „Den könnten wir brauchen“, sagt der Maurer. „Ich hätte nichts dagegen, wenn er mal ins Handwerk geht“, versichert die Mutter gut gelaunt. Beim Werkzeugraten beweist Simon dann noch einmal Begabung. „Zange, Hammer, Presslufthammer, Bohrer“ – wie aus der Pistole geschossen benennt er die Bilder am Glücksrad und braucht dazu gar nicht Pauls Hilfe, der sich als alter Erfahrungsfeldhase schon genau auskennt und sich nur kurz aus der Versenkung beim Gecko-Bemalen reißen lässt. Und Sina? Die ist mittlerweile mit dem Papa beim Reifenwechseln angekommen. Erleichtert und glücklich erklärt er der knapp Zweijährigen, die begeistert versucht, den schweren Reifen wieder festzuschrauben, dass man die Muttern immer über Kreuz festdrehen muss. Markus Panzer von der Kfz-Innung Mittelfranken steht daneben. Sein Fazit? „Passt“, lobt er das Dream-Team.

Autor:

Stefanie Stein aus Bayern

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