Debatte um Satire und Menschenwürde
Entsetzen über Karikatur zu Feuer-Inferno in der Schweiz
- Das französische Blatt «Charlie Hebdo» erntet für eine Karikatur zu der Brandkatastrophe in der Schweiz heftige Kritik.
- Foto: Antonio Calanni/AP/dpa (Archivbild)
- hochgeladen von Victor Schlampp
Paris (dpa/vs) - Als das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" 2015 Ziel eines Terroranschlages wurde, trauerten weltweit viele Menschen mit den Opfern. Doch, wenn es um das Leid anderer Menschen geht, kennt das Redaktionsteam scheinbar kein Mitleid - Strafanzeige in der Schweiz, wütende Kommentare im Netz: Eine satirische Zeichnung zur Brandkatastrophe in Crans-Montana hat heftige Reaktionen ausgelöst. Was ist darauf zu sehen?
Eine Karikatur des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» zu der Brandkatastrophe im schweizerischen Crans-Montana mit 40 Toten hat im Netz für Empörung gesorgt. Tausende Nutzer reagierten auf Facebook mit einem wütenden Emoji auf die Zeichnung mit dem Titel «Die Verbrannten fahren Ski». «Das ist echt miserabel», schrieb ein Nutzer. Ein anderer warf dem Blatt Empathielosigkeit vor. In der Schweiz wurde Anzeige wegen der Karikatur erstattet.
Das Bild des Zeichners «Salch» zeigt zwei Menschen, die wohl verkohlt und mit Verbänden den Abhang hinunterfahren. Auf einem Schild ist «Crans-Montana» zu lesen. Untertitelt ist die Zeichnung mit «Die Komödie des Jahres». Salch bezieht sich mit der Karikatur, die im Original mit «Les Brulés font du Ski» überschrieben ist, auf die französische Komödie «Les Bronzés font du Ski» aus den 1970er Jahren.
«Les Bronzés» bedeutet auf Deutsch «die Sonnengebräunten». In dem klamaukigen Film geht es um einen Ski-Urlaub. Crans-Montana, in dem sich das Unglück mit 40 Toten und 116 Verletzten ereignete, ist als Skiort bekannt.
Debatte um Menschenwürde und Satire
Die Schweizer Schriftstellerin Béatrice Riand hat wegen der Karikatur zusammen mit ihrem Mann, einem Juristen, Strafanzeige eingereicht. «Ich finde das zutiefst abscheulich», sagte Riand im Schweizer Fernsehen RTS. «Die Meinungsfreiheit hat Grenzen. Man macht sich über die Opfer lustig. Die Frage ist: Hat die Menschenwürde Vorrang vor der Meinungsfreiheit oder nicht?»
Der Chefredakteur des Satiremagazins, Gérard Biard, räumte bei RTS ein, dass der Karikaturist sehr weit gegangen sei. Dies sei aber schwarzer Humor. «Natürlich kann das schockieren, aber Satire soll ja auch schockieren», sagte er. Man mache sich nicht über die Opfer lustig, sondern zeige die Absurdität der Tragödie.
«Charlie Hebdo» ist für seine provokanten und grenzüberschreitenden Motive bekannt. Auf die Zeitschrift war beispielsweise im Januar 2015 ein islamistischer Anschlag mit zwölf Toten verübt worden. Zuvor hatte das Blatt Mohammed-Karikaturen über den Begründer des Islam verbreitet. Nach den Erdbeben in Italien 2016 und der Türkei 2023 sind die Opfer unter dem Vorwand der Satire verspottet und verhöhnt worden.
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