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Milliardenverlust durch Umsatzausfall
Studie sieht schwere Folgen durch Temu und Shein

Temu und Shein sind in Deutschland erfolgreich. (Archivbild) | Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
  • Temu und Shein sind in Deutschland erfolgreich. (Archivbild)
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Berlin (dpa/ak) – Die wachsende Beliebtheit der chinesischen Onlineplattformen Temu und Shein trifft den deutschen Einzelhandel deutlich. Nach einer Analyse von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland entgehen heimischen Händlern jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz, weil Kundinnen und Kunden ihre Einkäufe zunehmend auf die beiden Portale verlagern. Rechnet man Vorleistungen wie Logistik, Energie, Mieten und Löhne hinzu, summiert sich der wirtschaftliche Schaden laut Studie auf das Doppelte. Jeder Euro Umsatz im Handel löse etwa zwei Euro Wertschöpfung in der Gesamtwirtschaft aus, erklärt IW‑Ökonom Marco Trenz.

Für die Untersuchung wurden im Februar 4.000 Menschen zwischen 16 und 69 Jahren befragt. 51 Prozent der Nutzer von Temu und Shein gaben an, die dort gekauften Produkte sonst zum gleichen Preis anderswo erworben zu haben. 19 Prozent wären sogar bereit gewesen, mehr zu zahlen. Nach Einschätzung der Forscher sind durch die Verlagerung der Käufe bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, vor allem im Einzelhandel und in vor- und nachgelagerten Branchen. Trenz rechnet damit, dass die Umsätze der Plattformen weiter steigen und damit zusätzliche Jobs gefährdet sind.

Auch für die öffentlichen Haushalte hat der Trend Folgen. Bund, Länder und Kommunen entgehen laut Analyse bis zu 420 Millionen Euro Steuereinnahmen pro Jahr. Der Handelsverband verweist zudem auf täglich rund 460.000 Pakete, die Temu und Shein 2025 nach Deutschland geschickt haben. Kritik an Produktqualität, fehlenden Kontrollen und ungleichen Wettbewerbsbedingungen begleitet die Plattformen seit Langem. HDE‑Präsident Alexander von Preen fordert schärfere Maßnahmen und spricht von massiven Regelverstößen, die viele Händler „an den Rand des Ruins“ brächten.

Die Unternehmen selbst weisen die Vorwürfe zurück. Temu betont, man ermögliche zahlreichen deutschen Firmen den Zugang zu internationalen Märkten und unterstütze sie beim Wachstum. Shein verweist auf mehr als 600 deutsche Unternehmen, die über die Plattform verkaufen, sowie auf hohe Steuerzahlungen in den vergangenen Jahren. Die Kritik der Konkurrenz sei unbegründet, heißt es.

Die EU reagiert inzwischen mit neuen Vorgaben. Ab November soll für jedes aus einem Drittstaat eingeführte Onlineprodukt eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr gelten. Bereits ab Juli wird für Pakete mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe von drei Euro fällig – eine Übergangslösung, bis eine digitale Plattform startet, über die künftig alle Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig werden. Zudem laufen Untersuchungen der EU‑Kommission wegen möglicher Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste. Das Bundeskartellamt prüft seit Oktober, ob Temu unzulässige Preisvorgaben für Händler macht.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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