Assisi öffnet ein verborgenes Kapitel
Zum ersten Mal werden die Gebeine des Heiligen Franziskus gezeigt
- Der Heilige Franz von Assisi ruht in der Basilika San Francesco. (Archivbild)
- Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
ASSISI (dpa/ak) – In Assisi bereitet sich eine ganze Stadt auf einen Moment vor, den es in dieser Form seit acht Jahrhunderten nicht gegeben hat. Zum ersten Mal sollen die sterblichen Überreste des Heiligen Franz von Assisi öffentlich gezeigt werden – ein Ereignis, das bereits im Vorfeld eine gewaltige Resonanz ausgelöst hat.
Mehr als 350.000 Menschen haben sich angemeldet, um in der päpstlichen Basilika San Francesco einen Blick auf die Reliquien zu werfen. Für die 27.500-Einwohner-Stadt in Umbrien bedeutet das eine Ausnahmesituation, aber auch ein historisches Ereignis von großer spiritueller Tragweite.
Die Ausstellung beginnt am Wochenende. Der Franziskanerorden spricht von einem „unmittelbaren, sinnlichen Erlebnis“, das Gläubigen zum 800. Todestag des Heiligen ermöglicht werden solle. Franz von Assisi, geboren 1181 oder 1182, zählt zu den bekanntesten Gestalten der katholischen Kirche. Der Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers kehrte seiner Herkunft früh den Rücken, wählte ein Leben in radikaler Armut und wurde schon zwei Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen. Sein Name lebt bis heute fort – zuletzt im verstorbenen Papst Franziskus, der sich bewusst auf den Heiligen berief.
Der Leichnam des Heiligen wurde nach seinem Tod an einem geheimen Ort tief unter der Erde beigesetzt. Fast sechs Jahrhunderte blieb das Grab unberührt, bis Papst Pius VII. im Jahr 1818 die Öffnung gestattete. Für den Sarkophag entstand in der Unterkirche der Basilika eine eigene Krypta. Seither wurden die Gebeine mehrfach wissenschaftlich untersucht, zuletzt 2015, um ihre Echtheit zu bestätigen.
Die nun beginnende Ausstellung ist bis zum 22. März geplant. Doch die Feierlichkeiten in Italien gehen weit darüber hinaus. Franz von Assisi gilt als Schutzpatron des Landes, und sein mutmaßlicher Todestag, der 4. Oktober, wurde zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Auch Papst Leo hat seinen Besuch in Assisi angekündigt. Die Stadt, die seit Jahrhunderten Pilger aus aller Welt empfängt, erlebt in diesen Wochen eine Rückkehr zu ihren spirituellen Wurzeln – und öffnet zugleich ein Kapitel, das lange verborgen blieb.
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