Forschen für den Baby-Popo

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ERLANGEN / NÜRNBERG (pm) - Einwegwindeln sind leicht zu handhaben, praktisch für unterwegs und halten die Haut besonders trocken. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) kooperieren jetzt mit dem weltweit tätigen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G), um die Materialeigenschaften bei Einwegwindeln nachhaltig zu verbessern.


Ziel ist es, die Einwegwindeln der Zukunft deutlich umweltfreundlicher zu machen: Kohlenhydratquellen aus Agrarabfallprodukten könnten die Basis für das höchst saugfähige Granulat im Inneren von Babywindeln und ähnlichen Hygieneprodukten bilden.

Der Kern einer Einwegwindel besteht heute aus Polyacrylsäure, einem superabsorbierenden Polymer. Das Granulat kann ein Vielfaches des eigenen Gewichts an Flüssigkeit aufsaugen und – anders als bei einem Schwamm – dauerhaft in einer Art Gel einschließen. Jedes Jahr werden weltweit mehr als fünf Millionen Tonnen Acrylsäure aus Erdöl hergestellt, etwa 30 Prozent davon wird für Hygieneprodukte wie Windeln benötigt.

Schonender Umgang mit Ressourcen

Bereits seit knapp drei Jahren kooperieren die FAU und P&G erfolgreich, um die Materialeigenschaften von Alltagsprodukten weiter zu verbessern: Molekulare Modelle etwa sollen ein detaillierteres Verständnis von Haarstrukturen schaffen – und helfen, hochwertige Haarpflegeprodukte zu entwickeln. Oder es werden die Strömungsfelder um rotierende Zahnbürstenköpfe näher untersucht. Oder die Wissenschaftler nehmen eben Windeln in den Fokus. So hat eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Stingl, Professur für Mathematische Optimierung, und Prof. Dr. Marc Avila, Professur für Simulation in der Nano- und Mikrofluidmechanik, mit Simulationen entscheidend dazu beigetragen, Windeln durch optimale Anordnung der Superabsorber-Materialien deutlich saugfähiger zu machen. Dieses und das aktuelle Forschungsprojekt stehen beispielhaft für die Nachhaltigkeitsstrategie von P&G, die den schonenden Umgang mit Ressourcen, die Nutzung von nachwachsenden und erneuerbaren Rohstoffen und die Verwendung von Abfall als Rohstoff umfasst.

Die FAU ist in Deutschland einer der größten Partner für akademische Forschungskooperationen mit P&G und wurde im Rahmen der strategischen Zusammenarbeit bisher mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert. Von der Kooperation profitieren beide Seiten: das Unternehmen, das den Innovationsprozess mit externen Ideen voranbringt, und die Wissenschaftler, die mit einem starken Anwendungsbezug arbeiten können. Die Zusammenarbeit läuft dank des Technologie-Transfer-Programms des Exzellenzclusters Engineering of Advanced Materials (EAM) der FAU sowie dem dort vorhandenen interdisziplinären Expertennetzwerk überaus erfolgreich.

Autor:

Uwe Müller aus Nürnberg

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