Behörden warnen vor Katastrophe
Hurrikan „Melissa“ bedroht Jamaika mit voller Wucht
- Hurrikan «Melissa» gilt als ein extrem gefährlicher Wirbelsturm.
- Foto: Goes-19/Cira/Noaa/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
KINGSTON (dpa/ak) – Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Stundenkilometern nähert sich Hurrikan „Melissa“ der Südküste Jamaikas. Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5 könnte am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) zur verheerendsten Naturkatastrophe in der Geschichte des Inselstaates werden. Regierungschef Andrew Holness sprach von einem „Sturm, der das Land in nie dagewesener Weise treffen könnte“. Auch das Rote Kreuz warnt vor „möglicherweise beispiellosen Folgen“ für die 2,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner.
Am Montagabend lag das Zentrum des Sturms rund 245 Kilometer südwestlich von Kingston. Laut jamaikanischem Wetterdienst wird „Melissa“ voraussichtlich zwischen Westmoreland und Saint Elizabeth auf Land treffen und sich dann von der Südküste bis zur Nordküste über die Insel bewegen. Die Meteorologen des US-Hurrikanzentrums NHC rechnen mit Sturmfluten von bis zu vier Metern Höhe, katastrophalen Überschwemmungen und zahlreichen Erdrutschen.
Bereits in den Tagen vor dem Eintreffen des Sturms kam es zu tragischen Zwischenfällen. Drei Menschen starben bei Vorbereitungsarbeiten, als sie beim Fällen von Bäumen verunglückten. In Haiti und der Dominikanischen Republik forderten heftige Regenfälle mindestens vier Todesopfer. Mehr als 50.000 Haushalte auf Jamaika sind derzeit ohne Strom, nachdem umgestürzte Bäume Leitungen beschädigt hatten. Der Flughafen von Kingston wurde vorsorglich geschlossen.
Die Regierung hat Evakuierungen für besonders gefährdete Ortschaften angeordnet und ruft die Bevölkerung auf, sich strikt an die Anweisungen der Behörden zu halten. Auch in Kuba und auf den Bahamas laufen Vorbereitungen für die Aufnahme von Tausenden Menschen aus gefährdeten Regionen. Für Jamaika, mehrere östliche Provinzen Kubas sowie Teile der Bahamas gilt eine offizielle Hurrikan-Warnung. Die Turks- und Caicosinseln stehen unter Vorwarnung.
Besondere Sorge bereitet die langsame Zuggeschwindigkeit des Sturms. Mit nur vier Kilometern pro Stunde bewegt sich „Melissa“ über das Meer – ein Tempo, das laut der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung in Genf besonders zerstörerisch wirkt, da es Regionen über Stunden hinweg mit Starkregen belastet.
Nach der Passage über Jamaika soll der Sturm am Dienstag den Südosten Kubas erreichen und am Mittwoch auf die Bahamas treffen. Die Hurrikansaison im Atlantik dauert noch bis zum 30. November. Experten sehen in der zunehmenden Erderwärmung einen Faktor für die Häufung und Intensität solcher Extremwetterereignisse. Jamaika steht nun vor einer Bewährungsprobe, deren Ausgang noch niemand abschätzen kann.
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