Zwischen Freiheit und Fürsorge
Jugendliche wünschen sich sichere Plattformen statt strikter Verbote
- Jugendliche fordern tendenziell statt Verboten eher besseren Schutz auf digitalen Plattformen.(Symbolbild)
- Foto: Elisa Schu/dpa
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Köln (dpa/ak) – In der Diskussion um Altersgrenzen für soziale Medien melden sich nun diejenigen zu Wort, die am stärksten betroffen wären. Eine neue Unicef-Studie zeigt, dass Jugendliche in Deutschland Risiken und Chancen digitaler Plattformen klar benennen – und eher Schutzmechanismen als pauschale Verbote fordern.
Für die Untersuchung ließ Unicef vom Sinus-Institut 1.072 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren online befragen. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für diese Altersgruppe. Ein vollständiges Social-Media-Verbot bis 16 Jahre stößt demnach nur bei einem kleineren Teil auf Zustimmung: 10 Prozent halten es für sehr sinnvoll, 15 Prozent für eher sinnvoll. Rund die Hälfte bewertet ein solches Verbot dagegen als nur teilweise oder gar nicht sinnvoll. Wird die Grenze auf unter 14 Jahre gesetzt, steigt die Akzeptanz deutlich – 30 Prozent fänden ein solches Verbot sehr sinnvoll, 24 Prozent eher sinnvoll. Gleichzeitig sind sich 88 Prozent sicher, dass Jugendliche Wege finden würden, Altersbeschränkungen zu umgehen.
Beim Blick auf Vor- und Nachteile sozialer Medien zeigt sich ein gemischtes Bild. 38 Prozent sehen die Vorteile überwiegen, 46 Prozent erkennen ein Gleichgewicht, 16 Prozent betonen die negativen Seiten. Besonders wichtig ist den Jugendlichen der soziale Kontakt: 82 Prozent nutzen Plattformen, um mit Freundinnen, Freunden oder anderen Menschen in Verbindung zu bleiben. Viele empfinden soziale Medien zudem als Inspirationsquelle. Zugleich berichten 74 Prozent, dass sie dort leicht das Zeitgefühl verlieren. Als größte Risiken nennen sie Mobbing, Hass und Beleidigungen, endloses Scrollen sowie Falschinformationen.
Beim Thema Schutzmaßnahmen äußern die Jugendlichen klare Erwartungen. Eine große Mehrheit spricht sich für bessere Inhaltsfilter und die schnelle Löschung ungeeigneter Beiträge aus. Standardmäßig aktivierte Sicherheitseinstellungen wie private Profile oder eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten befürworten 80 Prozent. 42 Prozent sehen die Hauptverantwortung bei den Plattformen selbst, ein Viertel plädiert für eine gemeinsame Aufgabe von Anbietern, Politik und Jugendlichen. Nur 15 Prozent erwarten den entscheidenden Impuls vom Staat.
Für Unicef-Deutschland-Geschäftsführer Christian Schneider zeigt die Studie, dass Jugendliche die Risiken des digitalen Raums sehr genau einschätzen. Sie wünschten sich keine Verbote, sondern verlässliche Schutzmechanismen und altersgerechte digitale Umgebungen. Die Plattformen müssten dafür sorgen, dass automatische Sicherheitseinstellungen, konsequente Moderation und wirksame Schutzinstrumente zum Standard werden.
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