Zecken früher aktiv, Risiken bleiben
Spinnentiere werden wieder zur Gefahr

Der Gemeine Holzbock ist die häufigste Zeckenart in Deutschland und auch die, die hauptsächlich FSME und Borreliose auf den Menschen übertragt. (Archivbild) | Foto: Patrick Pleul/dpa
  • Der Gemeine Holzbock ist die häufigste Zeckenart in Deutschland und auch die, die hauptsächlich FSME und Borreliose auf den Menschen übertragt. (Archivbild)
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München (Irena Güttel/dpa/ak) – Mit den ersten warmen Tagen rücken auch die Zecken wieder in den Fokus. Fachleute warnen, dass die kleinen Spinnentiere inzwischen fast das ganze Jahr über aktiv sind – und Krankheiten wie FSME oder Lyme-Borreliose übertragen können. Besonders jetzt im Frühjahr steigt die Gefahr, sich beim Spaziergang, bei der Gartenarbeit oder beim Picknick eine Zecke einzufangen.

Nach Einschätzung des Münchner Zeckenforschers Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr genügt es, wenn die Temperaturen nachts nicht mehr unter null Grad fallen und tagsüber über fünf bis sieben Grad liegen. Dann werden Zecken aktiv. Schnee sei praktisch die einzige Phase, in der man sicher vor ihnen sei. Die Hauptsaison beginne mit den wärmeren Frühlingstagen und hoher Luftfeuchtigkeit. Im Hochsommer dagegen lasse die Aktivität deutlich nach.

In Deutschland dominiert der Gemeine Holzbock. Er überträgt sowohl FSME als auch Borreliose und ist damit die wichtigste Art für den Menschen. Die Auwaldzecke folgt auf Platz zwei, befällt Menschen aber seltener. Doblers Team sammelt regelmäßig Zecken in Bayern ein. Bereits Mitte März fanden die Forschenden zahlreiche Holzbock-Exemplare – in besonders milden Jahren sogar schon im Februar.

Zecken benötigen in allen Entwicklungsstadien Blut. Larven stechen Menschen zwar selten, doch Nymphen und erwachsene Tiere sind für die meisten Infektionen verantwortlich. Bei den adulten Zecken sind es ausschließlich die Weibchen, die Blut saugen. Sie sind etwa einen halben Zentimeter groß und rotbraun gefärbt, während die kleineren Männchen schwarz bleiben. Nymphen messen weniger als einen Millimeter.

Als Überlebenskünstler gelten Zecken nicht ohne Grund. Bernsteinfunde deuten darauf hin, dass sie bereits vor über 300 Millionen Jahren existierten und möglicherweise schon Dinosaurier gestochen haben. Der Holzbock kann ein bis zwei Jahre ohne Blutmahlzeit auskommen. Zudem enthält sein Speichel Stoffe, die Schmerzen dämpfen, die Blutgerinnung hemmen und die Immunreaktion schwächen. So bleiben Zeckenstiche oft unbemerkt.

FSME-Viren und Borreliose-Bakterien gelangen in die Zecke, wenn sie an infizierten Kleintieren saugt. Beim Menschen können sie Krankheiten auslösen, weil er für die Erreger ein Fehlwirt ist. Laut Robert-Koch-Institut wurden in diesem Jahr bislang 918 Borreliose- und 11 FSME-Fälle registriert. FSME-positive Zecken treten nur in kleinen, eng begrenzten Gebieten auf, die manchmal kaum größer sind als ein Fußballfeld. Eine Übertragung über Rohmilch infizierter Tiere ist möglich, kommt in Deutschland aber selten vor.

Wer sich schützen will, sollte lange, helle Kleidung tragen und die Hosenbeine in die Socken stecken. Zeckenabweisende Mittel können zusätzlich helfen. Nach Aufenthalten im Freien raten Experten zu einer gründlichen Kontrolle des Körpers. Zecken stechen nicht sofort, sondern wandern oft zwei bis vier Stunden umher, bevor sie sich festsetzen. Wird eine Zecke frühzeitig entfernt, lässt sich vor allem die Übertragung von Borreliose verhindern – denn die Bakterien gelangen erst nach etwa 24 Stunden in die Haut.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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