Industrie drängt auf Reformkurs
So steht es um die Deutsche Wirtschaft
- Auf der Hannover Messe zeigen ab Montag mehr als 3.000 Aussteller ihre Neuheiten.
- Foto: Julian Stratenschulte/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
Hannover (dpa/ak) – Zum Auftakt der Hannover Messe haben führende Industrieverbände deutliche Forderungen an die Bundesregierung gerichtet. Der Maschinenbauverband VDMA und der Elektro- und Digitalindustrieverband ZVEI warnen vor einer dauerhaften Schwächung des Standorts, sollten Politik und EU nicht rasch gegensteuern. VDMA-Präsident Bertram Kawlath sprach von einem Reformstau, der endlich gelöst werden müsse. ZVEI-Chef Gunther Kegel forderte strukturelle Veränderungen statt immer neuer Krisenrunden.
Die Branche sieht sich seit Monaten unter Druck. Steigende Energiepreise, anhaltende Lieferkettenprobleme und eine höhere Inflation belasten die Unternehmen. Mit dem Iran-Krieg und neuen US-Zöllen habe sich die Lage weiter verschärft, sagte Kawlath. Die Grenzen der Belastbarkeit seien erreicht, der Standort zu teuer und zu unflexibel. Er fordert unter anderem niedrigere Unternehmenssteuern, gedeckelte Sozialbeiträge und flexiblere Arbeitszeitregeln. Auch das Rentenalter müsse sich an der steigenden Lebenserwartung orientieren.
Dabei hatte sich die Stimmung in der Industrie bis Ende 2025 zunächst aufgehellt. Im ersten Quartal 2026 kippte sie jedoch erneut. Trotz der Unsicherheiten rechnet der VDMA für dieses Jahr mit einem leichten Produktionsplus von einem Prozent. Die Elektro- und Digitalindustrie erwartet sogar zwei Prozent Wachstum – vorausgesetzt, die Lage im Iran stabilisiert sich bis zur Jahresmitte.
Zuversicht schöpft die Branche aus den geplanten Milliardeninvestitionen in die Verteidigung. Maschinen- und Anlagenbauer könnten als Ausrüster dazu beitragen, die Rüstungsproduktion auszuweiten. Der Anteil dieses Geschäfts liege derzeit bei zwei bis fünf Prozent und könne sich in wenigen Jahren verdoppeln. Rückenwind erhoffen sich die Unternehmen zudem von Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz und humanoiden Robotern. Die Industrie stehe an der Schwelle eines neuen technologischen Schubs, so ZVEI-Präsident Kegel.
Mehr als 3.000 Aussteller aus Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie Energiewirtschaft präsentieren bis Freitag ihre Neuheiten. Schwerpunkte sind KI in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals ist auch der Bereich Rüstung mit einem eigenen Themenblock vertreten. Neben großen Technologiekonzernen wie Microsoft, SAP und Siemens zeigen zahlreiche Mittelständler und Start-ups ihre Lösungen. Im vergangenen Jahr kamen 127.000 Besucher zur Messe.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.