Fränkische Schausteller bei der großen Kundgebung in Berlin
Das war Gänsehaut-Feeling pur!

Präsident des Süddeutschen Schaustellerverbandes Lorenz Kalb mit MdB Sebastian Brehm.
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  • Präsident des Süddeutschen Schaustellerverbandes Lorenz Kalb mit MdB Sebastian Brehm.
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NÜRNBERG/BERLIN (nf/pm) - Die Fränkischen Schausteller haben an der bundesweiten Kundgebung der Branche in Berlin teilgenommen. Die Forderung: ,,Wir wollen wieder arbeiten und unsere Gäste, Freunde und Kunden erfreuen!" Für Robert Förster, dessen Pommes die Nürnberger Volksfestbesucher so schätzen, war die Kundgebung in Berlin ,,Gänsehautfeeling pur". Insgesamt waren rund 10.000 Schausteller mit 1.024 Fahrzeugen/Zügen bei der Demo dabei – aus Nürnberg 250 Teilnehmer. Farbenprächtig: die 150 Fahnenträger der Verbände. 

Korso der Schausteller auf dem Weg zur Großkundgebung.
  • Korso der Schausteller auf dem Weg zur Großkundgebung.
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Lorenz Kalb, bekanntester Nürnberger Schausteller und Präsident des Süddeutschen Schaustellerverbandes, zählt (noch ganz unter Hochspannung) auf: „Ausnahmezustand in Berlin!  Der Autokorso der deutschen Schausteller vom zentralen Festplatz bis zum Brandenburger Tor – acht Kilometer vorbei am Wirtschafts- und Finanzministerium und am Potsdamer Platz hat Eindruck hinterlassen. Gespanne vom Achterbahnbesitzer bis zum Marionettentheater, alles was der Beruf hergibt, war da. Ab 13 Uhr begann die Kundgebung am Brandenburger Tor. 20 verschiedene Sprecher – aus Franken war u.a. Dorothee Bär (Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung) gekommen – machten den Schaustellern Mut. Die hoffen jetzt auf Taten."

Der Süddeutsche Schausteller Verband, in Absprache mit dem Deutschen Schausteller Bund schildert die Situation: „Seit Weihnachten haben wir keine Einnahmen mehr. Viele von uns stehen vor dem Abgrund, unsere Existenzen stehen auf dem Spiel“, so dessen Präsident Albert Ritter. „Wir wissen nicht mehr weiter.“
Verband und der Dachverband kämpfen seit Monaten darum, die Branche zu retten. Auch die Nürnberger Stadtspitze versucht, die süddeutschen Schausteller zu unterstützen. Doch all diese Maßnahmen sind leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein; vor allem, weil nur wenige davon profitieren können. Der Großteil der Kollegen, vor allem die Großanlagen, Fahrgeschäfte, Spiel- und Schießbuden, haben in Bayern immer noch Berufsverbot. „Anfangs, als für alle die gleichen Regeln galten, war das noch verständlich, dass Schausteller nicht spielen durften. Gesundheit ist schließlich das Wichtigste, natürlich auch für uns und für unsere Gäste. Aber jetzt: schauen Sie sich um! Gastronomie, Tiergarten, Schwimmbäder, Kinos… alles hat wieder geöffnet! Sicher, die laufen auch nicht mit voller Kraft, aber sie dürfen wenigstens wieder ihrem Beruf nachgehen“, formuliert Lorenz Kalb, Vorsitzender des Südd. Schaustellerverbandes.
„Und wir? Wir haben immer noch quasi Berufsverbot! Finanziell sind wir am Ende, ein geeigneter Rettungsschirm ist noch in weiter Ferne, und, was fast am Schlimmsten ist: wir sind zur Untätigkeit verurteilt!“ So lautete auch das Motto von Berlin 2020: „Uns fehlt das Lachen der Kinder, die Freude der Menschen. Und uns fehlt die Perspektive! Wie geht es weiter? Wir brauchen einen Lichtschimmer am Horizont!“

Statements der betroffenen Schausteller:

Lorenz Kalb (Heidis Treff)
,,Die letzten Wochen und Monate waren oft geprägt von Ohnmachtsgefühlen und Verzweiflung. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, haben uns täglich in verschiedenen Foren abgestimmt und diskutiert, mit unseren Mitgliedern, innerhalb der Vorstandschaft, mit den anderen deutschen Verbänden und mit unserem Dachverband. Wir haben hunderte, wenn nicht tausende von Briefen an die Bundes- und Landespolitik adressiert, wir haben mit unserem Bayer. Ministerpräsidenten wiederholt persönlich gesprochen, und haben ihm und der Nürnberger Stadtspitze ein detailliertausgearbeitetes Konzept vorgelegt, das von allen Seiten hochgelobt wurde. Alles hat bisher nichts genützt. Daher wurde letzte Woche beschlossen, dass wir nun unsere Forderungen heute in Berlin bei dieser Kundgebung lautstark formulieren müssen. Alleine unsere Delegation ist mit rund 250 Personen angereist. Schauen Sie sich um: ist das nicht ein beeindruckendes Zeichen von Solidarität? So waren die Schausteller schon immer! Wir hoffen jetzt, dass die Politik endlich aufwacht und die richtigen Maßnahmen ergreift. Wir brauchen einen eigenen Rettungsschirm und wir wollen vor allem wieder spielen! Unsere Kollegen*innen verzweifeln sonst und ich habe Angst, dass unsere 1200 Jahre alte deutsche Volksfesttradition stirbt. Das darf nicht sein! Wir brauchen eine Perspektive, und zwar jetzt!"

Rudi Bergmann (Bergmanns Kindertraum)
,,Ich bin mit nach Berlin gefahren, weil es heute darum geht, Solidarität zu zeigen und dem Schaustellergewerbe ein Gesicht zu geben. Ich bin zwar in einem Alter, wo ich schon eher ans Aufhören denke, aber es geht ja um das Gewerbe insgesamt und um unsere Kinder, die auch noch im Schaustellerberuf tätig sein wollen. Wir wollten zeigen, dass da Menschen und Familien dahinterstehen, deren Existenz gefährdet ist. Familien, die in vielen Generationen schon als Schausteller tätig sind. Wir Schausteller waren schon immer eine starke Gemeinschaft, das zeigt sich besonders in Krisenzeiten. Und ich bin beeindruckt, welches Signal wir alle gemeinsam heute setzen konnten! Ich hoffe sehr, dass die Politik uns endlich hört und endlich versteht, wie es uns geht. Und daraus die Konsequenzen zieht! Dafür wird es endlich Zeit! Die Innenstädte sind voll, fast alle Branchen dürfen wieder aufmachen, nur die Schausteller sind immer noch abgehängt. Das kann uns keiner mehr erklären. Wir wollen wieder arbeiten dürfen und den Menschen Freude bringen! Und wir müssen unsere Volksfest-Tradition am Leben halten! Ein Biergarten ist sicher ersetzbar, ein Karussell aber leider nicht…"

Robert Förster (XXL Pommes):
,,Schauen Sie sich an, was hier für ein Zusammenhalt sichtbar wird! Ich bin selbst geflasht! So waren Schausteller schon immer: in Krisenzeiten sieht man, wie sie gemeinsam kämpfen! Die Redner haben mich beeindruckt – aber jetzt bin ich gespannt, was entschieden wird. Ich hoffe, dass wir nun endlich wahrgenommen werden und auch unsere Branche in Bayern endlich die verdiente Unterstützung erfährt! Wir brauchen Signale, dass wir wieder arbeiten dürfen, natürlich unter Einhaltung besonderer vorsichts- und Gesundheitsmaßnahmen.“

Johannes Braun (Autoskooter, Kinderfahrgeschäft, Schießbude, Wiener Melange Mandelwagen):
,,Ich habe eine große Familie zu ernähren, ich reise mit vier Geschäften! Ich habe das Glück, dass ich momentan wenigstens in der Nähe meines Heimatortes ein bisschen Geld verdienen kann, aber das reicht langfristig hinten und vorne nicht aus. Wir brauchen wieder Beschäftigung, wir wollen wieder Menschen glücklich machen! Darum bin ich heute mit nach Berlin gefahren. Ich bin mit meiner Zugmaschine in der Parade an den Ministerien vorbeigefahren, um unsere Forderungen sichtbar zu machen. Das war schon ein besonderes Gefühl! Aber wir brauchen einen Rettungsschirm für unser Gewerbe und wir müssen unsere Feste wieder durchführen dürfen – natürlich nach Corona-Regeln, das ist ja ganz klar. Und wir müssen wieder arbeiten, uns fehlen unsere Gäste sehr!"

Tayra Kunstmann (Willis Mandeln):
,,Als Vertreterin der Schaustellerjugend in Nürnberg war es mir natürlich ein Anliegen, zur Demo mitzufahren und meine Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Ich habe ja mein Leben noch vor mir… ich lebe für den Schaustellerberuf, in den ich hineingeboren bin, etwas Anderes kann ich mir schwer vorstellen! Umso wichtiger ist es, dass wir uns Gehör verschaffen, dass uns die Politik endlich die Unterstützung gibt, die wir so dringend brauchen! Ich will meinen Beruf wieder ausüben und ich habe große Angst davor, dass wir die Lage finanziell am Ende nicht überleben. Ich hoffe, das kann verhindert werden. Und es ist mir eine Ehre, dass ich meinen Verband und meine Kollegen*innen heute unterstützen konnte!"

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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