Heiße Geräte, wenig Schatten
Warum viele Spielplätze dringend umgebaut werden müssen
- Wenn die Sonne im Zenit steht, können Rutschen unangenehm heiß werden.
- Foto: Malin Wunderlich/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
NÜRNBERG (Irena Güttel/dpa/ak) – An Sommertagen zeigt sich auf vielen städtischen Spielplätzen das gleiche Bild: Rutschen, Schaukeln und Klettergerüste heizen sich auf, die Luft steht, und Schatten ist rar. Für Kinder, die in dicht bebauten Vierteln kaum andere Orte zum Toben haben, wird der Aufenthalt schnell unangenehm. Fachleute sehen darin ein wachsendes Problem, das mit der Klimakrise an Dringlichkeit gewinnt.
Anne-Charlotta Dehler vom Deutschen Kinderhilfswerk spricht von einem deutlichen Bewusstsein für Hitzeschutz, doch verbindliche Vorgaben gebe es nicht. Sicherheit und Barrierefreiheit seien geregelt, konkrete Standards für kühlere Spielplätze dagegen nicht. Rolf Schwarz, Professor für kindliche Bewegungsentwicklung, beschreibt die Lage ähnlich. Es fehle nicht an Wissen, sondern an Umsetzung. Vor allem kleinere Kommunen hätten Mühe, Klimaanpassung mitzudenken, zumal Bau und Pflege dadurch teurer würden.
Wie schwierig das sein kann, zeigte sich im vergangenen Jahr in München. Dort wurde ein neuer Spielplatz auf der Theresienwiese eröffnet, Teil einer 3,2‑Millionen‑Euro‑Umgestaltung. Kurz darauf sorgte eine sieben Meter hohe Edelstahlrutsche für Schlagzeilen, weil sie sich trotz Ost-Ausrichtung stark erhitzte. Die Stadt verweist auf die Ausrichtung und empfiehlt Eltern, zur Mittagszeit schattigere Bereiche aufzusuchen. Dass solche Situationen vielerorts auftreten, liegt nach Einschätzung von Dehler vor allem an fehlenden Bäumen und Pflanzen, die über Verdunstung kühlen könnten.
- Hohe Bäume spenden Schatten und kühlen über Verdunstung die Umgebung.
- Foto: Malin Wunderlich/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
Schwarz nennt eine Reihe von Maßnahmen, die Abhilfe schaffen können: natürliche Bodenbeläge statt Kunststoff, Spielhütten im Schatten, nach Norden gerichtete Rutschen, Wasserspiele oder Sprühnebel. Einige Städte haben begonnen, solche Elemente einzuplanen. München und Nürnberg wollen verstärkt Bäume und Sträucher setzen, Berlin prüft im Rahmen seines Hitzeaktionsplans besonders belastete Quartiere. Vieles davon ist langfristig angelegt – und nicht überall umsetzbar. Nürnbergs Zweiter Bürgermeister Andreas Krieglstein betont, dass vollständige Beschattung nicht sinnvoll sei, weil im Winter sonnige Bereiche gebraucht würden. Zudem dürften Spielgeräte aus Sicherheitsgründen nicht direkt neben Bäumen stehen, und Wasserspiele seien teuer und pflegeintensiv.
- Kleine Wasserläufe - Bächle genannt - sorgen in der Freiburger Altstadt für Abkühlung - und laden zum Spielen ein.
- Foto: picture alliance / Patrick Seeger/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
Trotz dieser Grenzen sieht Schwarz im Hitzeschutz eine Chance für die Stadtentwicklung. Gut platzierte Spielplätze könnten Frischluftschneisen unterstützen und Hitze aus dicht bebauten Bereichen abführen. Dafür brauche es jedoch ein Gesamtkonzept, das auch die Wasserversorgung neuer Bäume berücksichtigt. Zisternen, die Regenwasser sammeln und aufbereiten, könnten sowohl Bewässerung als auch Spielbrunnen speisen.
Bleibt die Frage, wie Kinder überhaupt zu kühleren Orten gelangen sollen, wenn der Weg dorthin durch aufgeheizte Straßen führt. Schwarz plädiert für grüne Bänder, die sich wie Sterne durch Städte ziehen und kurze Wege zu schattigen Bereichen ermöglichen. Freiburg zeige mit seinen Bächle, wie Wasserläufe im öffentlichen Raum selbst zum Spielplatz werden können. Für viele Kommunen dürfte das ein weiter Weg sein – doch angesichts steigender Temperaturen ein notwendiger.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.