Panzer, Munition & Gewehre
Das tut sich in Deutschlands Waffenbranche

Das Modell des amerikanischen Tarnkappenbombers F35 - in Weeze soll künftig dessen Rumpfmittelteil gefertigt werden. | Foto: David Young/dpa
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  • Das Modell des amerikanischen Tarnkappenbombers F35 - in Weeze soll künftig dessen Rumpfmittelteil gefertigt werden.
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Von Wolf von Dewitz, dpa

Düsseldorf (dpa) - Rheinmetall hat in Weeze (NRW) eine rund 100 Millionen Euro teure Fabrik gebaut, um dort wichtige Bauteile für den Tarnkappenbomber F35 zu fertigen. Konzernboss Armin Papperger und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) feiern den Bauabschluss heute vor Ort. Das Beispiel zeigt: Angesichts steigender staatlicher Ausgaben für ihr Militär boomt Deutschlands Rüstungsbranche, große Firmen investieren stark in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten. Ein Überblick über das rasante Branchenwachstum mit ausgewählten Beispielen.

Rheinmetall (Panzer, Artillerie, Flugabwehr, Munition)

Das Flugabwehr-Geschütz Skyranger von Rheinmetall bei der Berliner Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) im Jahr 2024. Die Waffenschmiede boomt. | Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Deutschlands größter Rüstungskonzern hatte Ende März einen «Backlog» von 62,6 Milliarden Euro. Hierzu gehören der Auftragsbestand, Rahmenverträge und Erwartungen aus anderen Geschäftsbeziehungen. Ende 2021 - also vor Beginn des Ukraine-Krieges - war es mit 24,5 Milliarden Euro nicht mal die Hälfte. Auch Umsatz und Gewinn gehen steil nach oben, die Mitarbeiterzahl soll binnen zwei Jahren um ein Viertel auf 40.000 steigen. Der Börsenkurs ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 etwa um das 18-fache gestiegen.

Einzig das schwächelnde Geschäft als Autozulieferer trübt die Stimmung. Ein Teil der Kfz-Belegschaft soll künftig in den Rüstungsbereich wechseln. Seinen größten Standort im niedersächsischen Unterlüß erweitert Rheinmetall für rund 300 Millionen Euro um eine neue Munitionsfabrik. Das Rumpfmittelteil für die F35 wird in Weeze (NRW) gefertigt. Der Konzern gehört zu den wichtigsten Waffenlieferanten der Ukraine, bezahlt wird dies teilweise von der Bundesregierung.

Hensoldt (Sensoren und Radare)

Es geht steil nach oben für den Radarhersteller Hensoldt. | Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Es geht steil nach oben für den Radarhersteller Hensoldt.
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Der Ukraine-Krieg zeigt, wie wichtig die elektronische Kampfführung ist. Dieser Trend kommt Hensoldt aus Taufkirchen bei München zugute, einem Anbieter von Sensoren und Radarsystemen. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um etwa die Hälfte auf rund 2,2 Milliarden Euro. In diesem Jahr möchte die Firma mit ihren rund 9.000 Beschäftigten mindestens 2,5 Milliarden Euro erlösen und 2030 sechs Milliarden. Radare von Hensoldt kommen im Ukraine-Krieg zum Einsatz, um die Bevölkerung vor russischen Luftangriffen zu schützen, und sie stecken im Kampfjet Eurofighter.

Der Bund hält eine Sperrminorität von gut 25 Prozent an dem Konzern, der einst zu Airbus gehörte. In den vergangenen drei Jahren investierte Hensoldt eine Milliarde Euro, dies etwa für einen neuen Optronik-Standort in Oberkochen. Die Firma fertigt auch Periskope für gepanzerte Fahrzeuge und U-Boot-Sehrohre.

Thyssenkrupp Marine Systems, kurz TKMS (U-Boote)

Blick auf die Kieler Werft von TKMS mit einem im Bau befindlichen U-Boot. | Foto: Marcus Brandt/dpa
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Die Kieler Tochterfirma des Essener Industriekonzerns Thyssenkrupp ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für nicht-nuklear betriebene U-Boote und bis Anfang der 2040er ausgelastet. Im Dezember hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages den Bau von vier weiteren U-Booten der Klasse 212CD für die Deutsche Marine bewilligt. Damit sind zehn solcher Boote beauftragt - sechs für Deutschland, vier für Norwegen. Kürzlich bekam TKMS zudem einen 800-Millionen-Euro-Auftrag des Bundes zur Modernisierung von sechs U-Booten der Marine.

Das Auftragsbuch beträgt nach TKMS-Angaben rund 18 Milliarden Euro. Die Werft bewirbt sich auch auf den Bau von U-Booten für Kanada. Der Rüstungskonzern mit insgesamt 8.500 Mitarbeitenden verfügt neben seiner Hauptwerft in Kiel unter anderem auch über eine 2022 übernommene Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern.

DND (Panzerfäuste)

Eine Panzerfaust von DND bei der Nürnberger Messe für Sicherheitstechnologie, Enforce Tac. | Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Eine Panzerfaust von DND bei der Nürnberger Messe für Sicherheitstechnologie, Enforce Tac.
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Die Dynamit Nobel Defence GmbH bleibt in der Öffentlichkeit weitgehend in Deckung. Bekannt ist, dass DND der Ukraine bis April 2025 insgesamt 16.917 «Matador»-Panzerfäuste zur Verfügung stellte und dafür von der Bundesregierung bezahlt wurde. Für die Firma mit mehr als 300 Mitarbeitern ist der Ukraine-Krieg ein enormer Wachstumsschub. In einer Pflichtmitteilung vom März 2023 schrieb das Unternehmen, dass sich der Umsatz im Jahr 2022 - also dem Jahr des Kriegsbeginns - auf circa 140 Millionen Euro belief und damit auf mehr als das Doppelte von 2021 (58 Millionen Euro). Die Dynamit Nobel Defence GmbH gehört zum israelischen Rüstungskonzern Rafael.

Heckler & Koch (Sturmgewehre, Maschinengewehre, Granatwerfer, Pistolen)

Sturmgewehre von Heckler & Koch. | Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Sturmgewehre von Heckler & Koch.
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Keine zehn Jahre ist es her, da war Heckler & Koch tief in den roten Zahlen und der Schuldenberg enorm hoch. Die Lage war so angespannt, dass die Belegschaft sich sogar zu unbezahlter Mehrarbeit bereit erklärte. Das ist Schnee von vorgestern, inzwischen eilt die profitable Waffenschmiede von einem Firmenhöchstwert zum nächsten. Im Stammwerk in Oberndorf im Nordschwarzwald wird kräftig investiert, etwa in ein neues Schießzentrum. In den kommenden Jahren sollen die Investitionen noch verstärkt werden. Nicht nur die Bundeswehr wird mit neuen Waffen ausstaffiert, sondern auch baltische Staaten und Norwegen - also Nachbarstaaten von Russland. Seit Anfang 2022 stieg die Zahl der Mitarbeiter um gut ein Fünftel auf circa 1.300.

MBDA Deutschland (Lenk- und Marschflugkörper)

Ein Taurus-Marschflugkörper im Showroom des Rüstungsunternehmens MBDA. | Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Ein Taurus-Marschflugkörper im Showroom des Rüstungsunternehmens MBDA.
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Die Deutschlandtochter des europäischen Rüstungskonzerns MBDA ist ebenfalls stark auf Wachstumskurs. Vor Beginn des Ukraine-Krieges hatte sie rund 1.100 Mitarbeiter, inzwischen sind es circa 300 mehr. Ende dieses Jahres soll die Zahl auf mehr als 1.700 steigen. MBDA investiert in eine neue Produktion im bayerischen Schrobenhausen, um Lenkflugkörper für das US-Flugabwehrsystem Patriot herzustellen - dafür bekam der Konzern einen Auftrag für die Bundeswehr und Nato-Partner. An seinem Deutschlandstandort stellt MBDA zudem Lenkflugkörper für den Eurofighter her, hierzu bekam die Firma unlängst einen größeren Auftrag. Außerdem fertigt MBDA die Taurus-Marschflugkörper.

Helsing und Quantum Systems (Drohnen)

Ein Modell der HX-2-Drohne von Helsing, daneben der Mitgründer und Co-Firmenchef Gundbert Scherf. | Foto: Jens Kalaene/dpa
  • Ein Modell der HX-2-Drohne von Helsing, daneben der Mitgründer und Co-Firmenchef Gundbert Scherf.
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Drohnenhersteller sind hoch im Kurs, auch unter Investoren sind sie gefragt - den Firmen wird großes Wachstumspotenzial attestiert. Das Rüstungsunternehmen Helsing aus München sammelte kürzlich weitere 600 Millionen Euro von Investoren ein. Helsing baut bereits die Kamikaze-Drohne HX-2, die von der Ukraine eingesetzt wird und von der Bundeswehr getestet werden soll. Das Unternehmen hat jüngst auch ein Unterwassersystem vorgestellt sowie eine Künstliche Intelligenz, die ein Kampfflugzeug in komplexen Luftkampfszenarien führen soll. Quantum Systems aus dem bayerischen Gilching wiederum fertigt Überwachungsdrohnen.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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