Rückzug aus der Fraktionsspitze
Jens Spahn stolpert über eine private Entscheidung
- Jens Spahn hat angekündigt, sein Amt als Unionsfraktionschef aufzugeben. (Archivbild)
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BERLIN (Michael Fischer/Lena Klimpel/dpa/ak) – Jens Spahn galt in der Unionsfraktion lange als einer, der selbst heftige Turbulenzen übersteht. Richterwahl, Maskenaffäre, Rentenstreit – all das hat ihn nicht aus der Bahn geworfen. Nun beendet eine private Entscheidung seine Amtszeit als Fraktionsvorsitzender nach nur 14 Monaten. Spahn erklärte am Freitag, seine Familie stehe für ihn an erster Stelle. Mit diesem Satz trat der 46‑Jährige zurück und löste eine Debatte aus, die seine Partei seit Tagen beschäftigt.
Auslöser ist die Entscheidung von Spahn und seinem Mann Daniel Funke, mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern zu werden. In Deutschland ist diese Form der Familiengründung verboten, die Union lehnt eine Legalisierung strikt ab – Spahn selbst hatte sich ebenfalls dagegen ausgesprochen. Kritiker warfen ihm vor, privat Wege zu nutzen, die er politisch anderen verwehrt habe. Der Druck wuchs, in der Fraktion ebenso wie im CDU‑Präsidium. Am Montag drängte Parteichef Friedrich Merz ihn schließlich zum Rückzug.
Dabei schien Spahn politisch gerade erst angekommen. Nach einem schwierigen Start hatte er die Fraktion stabilisiert und sich neben Merz und Innenminister Alexander Dobrindt als zentrale Kraft der Union etabliert. In der Reformphase der schwarz‑roten Koalition agierte er als stiller Organisator, der Mehrheiten sicherte und Konflikte intern hielt. Manche sahen in ihm sogar einen möglichen Kanzlerkandidaten.
Seine Bilanz ist von Krisen geprägt, die er überstand. Die gescheiterte Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius‑Gersdorf zur Verfassungsrichterin im Juli 2025 traf ihn hart, ebenso die anhaltende Debatte über Maskenkäufe aus seiner Zeit als Gesundheitsminister. Im Herbst musste er die Junge Union einfangen, die gegen das Rentengesetz von SPD‑Ministerin Bärbel Bas rebellierte. Spahn sprach mit jedem Abgeordneten persönlich, notfalls mit deutlichem Druck. Bei seiner Wiederwahl im Mai erhielt er zwar nur 86,5 Prozent – fünf Punkte weniger als zu Beginn –, doch er blieb im Amt.
Spahn sitzt seit 2002 im Bundestag, damals als jüngster Unionsabgeordneter. Er war Gesundheitsminister unter Angela Merkel und nach dem Wahlsieg der Union 2025 als Wirtschaftsminister im Gespräch, bevor Merz ihn zum Fraktionschef machte. Nun steht er vor den Trümmern einer Karriere, die noch weit hätte führen können. Dass seine private Entscheidung politische Folgen haben würde, hat er offenbar unterschätzt. In der Union fand sich niemand, der ihn verteidigte.
Ob Spahn politisch zurückkehrt, ist offen. Nach dem Verlust an Glaubwürdigkeit erscheint ein Comeback in hoher Position jedoch unwahrscheinlich.
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