Weniger Haselnüsse aus Italien
Nutella & Co. bald teurer?

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ROM (dpa/mue) - Die Ernte von Haselnüssen ist in Italien für dieses Jahr durch. Und jetzt schon steht fest: Das Ergebnis ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Was bedeutet das für Verbraucher?

Nach Einschätzung der großen Landwirtschaftsverbände wurden nur noch etwa 70.000 Tonnen eingebracht - halb so viel wie im Durchschnitt voriger Jahre. Das dürfte auch Auswirkungen auf die Frühstückstische in Deutschland haben: Haselnüsse (auf Italienisch: nocciole) sind eine der wichtigsten Zutaten für Brotaufstriche wie Nutella. Die Expertin Ursula Schockemöhle von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft sagt: «Für die Industrie wird die Produktion von Haselnuss-Erzeugnissen auf alle Fälle teurer. Das wird sich voraussichtlich auch in den Verbraucherpreisen niederschlagen». Wird das Glas Nutella im Supermarkt künftig also noch mehr kosten?

Nutella, Nusspli und Ritter Sport jetzt schon deutlich teurer

Dabei sind Haselnuss-Produkte nach einer Auswertung der Vergleichs-App Smhaggle in den letzten Jahren ohnehin schon deutlich teurer geworden: Für 450 Gramm Nutella müssen inzwischen 3,79 Euro gezahlt werden – 27 Prozent mehr als 2022. Erst im Mai stieg der Preis wieder um 30 Cent. Die Konkurrenz von Nusspli verteuerte sich sogar um 37 Prozent, und auch für Nuss-Schokolade muss man jetzt schon tiefer in die Tasche greifen: Die Tafel Ritter Sport Voll-Nuss kostet aktuell 2,29 Euro - eine Steigerung um 65 Prozent.

Als Gründe für die schlechte Ernte in Italien gelten vor allem der Klimawandel mit einem milden Winter, starkem Regen im Frühling und Dürre im Sommer sowie ein Schädling: die Haselnusswanze (Phylus coryli). Der Branchenverband Confagricoltura stellt fest: «Die nationale Haselnussproduktion ist in freiem Fall.» Auch Italiens Bauernverband CIA spricht von einem «weiteren schwarzen Jahr» - dem dritten in Folge. Vergangenes Jahr waren es noch 85.000 Tonnen, 2023 immerhin noch 102.000 Tonnen. Schätzungen zufolge hängen in Italien mehr als 30.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt davon ab.

China als neuer Lieferant?

Ferrero selbst schweigt sich darüber aus, ob das alles Auswirkungen auf den Ladenpreis von Nutella haben wird. «Wir geben keine Auskunft zur Preisgestaltung», heißt es dort nur. In der Regel werden in der Lebensmittelbranche höhere Rohstoff-Preise jedoch an die Kunden weitergegeben, wenn auch mit etwas Verzögerung. Ursula Schockemöhle erwartet bei Nutella kleinere Aufschläge als bei unverarbeiteten Haselnusskernen. Das liegt auch daran, dass der Branchenführer verhältnismäßig wenig Nüsse verwendet: In Nutella sind es laut Etikett 13 Prozent. Andere Hersteller verweisen darauf, dass bei ihnen der Aufstrich aus deutlich mehr Haselnüssen besteht. Bei der ostdeutschen Traditionsmarke Nudossi beträgt der Anteil demnach 36 Prozent, bei der italienischen Edelmarke Baratti & Milano sind es sogar 51 Prozent.

Möglich wäre nach Expertenmeinung, dass sich die Hersteller künftig ihre Nüsse in anderen Ländern besorgen. «Für den Einzelhandel in Deutschland sind die für türkische und italienische Haselnüsse aufgerufenen Preise zu hoch», so Schockemöhle. Möglich seien Importe aus den USA, wo die Ernte gut ausgefallen sei. Zudem sei denkbar, dass bald auch China als Lieferland in Erscheinung tritt: Walnüsse aus der Volksrepublik gibt es im deutschen Discounthandel bereits.

Autor:

Uwe Müller aus Nürnberg

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