Auf dem Weg zur Kirchenspaltung?
Papst Leo bremst Reformbewegung aus
- Reinhard Marx hat die förmliche Segnung homosexueller Paare in seinen Bistümern offiziell erlaubt
- Foto: Tobias Hase/dpa (Archivbild)
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Rom (dpa/vs) - Wegen seiner Kritik an Donald Trump bekommt Leo XIV. in Deutschland gerade viel Zuspruch. Doch das könnte sich schlagartig ändern. Denn jetzt hat er deutlich gemacht, dass er beim Thema Homosexualität seine konservative Linie beibehält. Dabei zeigt sich, dass die Risse zwischen der offiziellen Lehre des Papstes und der Praxis in Teilen der Katholischen Kirche Deutschlands immer tiefer werden.
Von Christoph Sator, dpa
Papst Leo XIV. drückt bei der Segnung homosexueller Paare durch die katholische Kirche in Deutschland auf die Bremse. Mit Blick auf die Deutsche Bischofskonferenz und verschiedene Bistümer stellte das Oberhaupt der katholischen Weltkirche klar, dass der Vatikan mit einer weitergehenden Liberalisierung «nicht einverstanden» sei. Leo äußerte sich auf dem Rückflug von einer langen Afrika-Reise. Insbesondere dort lehnen große Teile der Kirche jede Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ab.
Der Papst reagierte auf das Vorgehen des früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der in seinem Bistum München und Freising die förmliche Segnung homosexueller Paare offiziell erlaubt hat. Grundlage dafür ist eine Empfehlung der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Ende 2023 hatte der inzwischen verstorbene Papst Franziskus Segnungen mit Einschränkungen zugelassen.
Leo nennt Worte des Vorgängers «berühmt-berüchtigt»
Dessen Nachfolger erklärte im Flugzeug nun, der Vatikan sei mit förmlichen Segnungen von homosexuellen Paaren «nicht einverstanden über das hinaus, was von Papst Franziskus erlaubt wurde, als er gesagt hat, dass alle den Segen erhalten können». Dann fügte Leo hinzu: «Franziskus' berühmt-berüchtigte Formulierung "tutti, tutti, tutti" ("alle, alle, alle") ist Ausdruck der Überzeugung der katholischen Kirche, dass alle willkommen sind und eingeladen, Jesus zu folgen.»
Mehrere Bistümer in Deutschland legen das anders aus. Der Münchner Marx, der über einen guten Zugang zu Papst Leo verfügt, gehört zu diesem progressiven Lager. Auch in Limburg, Trier und Rottenburg-Stuttgart können sich homosexuelle Paare segnen lassen. In konservativeren Bistümern wie Köln, Regensburg und Passau wird die Handreichung der Bischofskonferenz hingegen nicht angewandt.
Leo: Moral für Kirche ist mehr als Sexualmoral
Auch bisher schon hatte ein Teil der katholischen Priester in Deutschland schwule oder lesbische Paare gesegnet. Damit bewegten sie sich jedoch in einer kirchenrechtlichen Grauzone. Das ist jetzt anders. Eine kirchliche Hochzeit ist hingegen auch in Deutschland weiterhin tabu. Die Ehe ist in der katholischen Kirche allein Mann und Frau vorbehalten.
Leo sagte auf dem Heimflug vor mitreisenden Journalisten: «Wir haben eine Tendenz zu denken, dass die Kirche, wenn sie von Moral spricht, nur von Sexualmoral spricht. In Wirklichkeit, glaube ich, gibt es viel größere und wichtigere Themen wie Justiz, Gleichberechtigung, Freiheit von Mann und Frau, Freiheit der Religion.»
Leo war im Mai vergangenen Jahres zum Nachfolger des Argentiniers Franziskus gewählt worden - er ist der erste Pontifex der Kirchengeschichte aus den USA. Durch seine Kritik an US-Präsident Donald Trump sammelte er in den vergangenen Wochen in Deutschland viele Pluspunkte. Mit seinen Äußerungen zu Segnungen homosexueller Paare bleibt er jedoch bei einer konservativen Linie.
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