Unfälle mit E‑Bikes nehmen zu
Studie zeigt hohes Risiko für ältere Männer – Helm oft entscheidend
- E-Bikes kommen immer häufiger zum Einsatz. (Archivbild)
- Foto: Leonie Asendorpf/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
München – Mit dem Boom der E‑Bikes wächst auch die Zahl der schweren Unfälle. Besonders betroffen sind ältere Männer, wie eine Untersuchung des Klinikums der Technischen Universität München zeigt. Das Team um Michael Zyskowski, Oberarzt der Unfallchirurgie, hat 103 Fälle aus den Jahren 2017 bis 2023 ausgewertet und dabei deutliche Muster erkannt.
Mehr als ein Drittel der verunglückten Fahrer musste stationär aufgenommen werden. Elf von ihnen – rund zehn Prozent – landeten auf der Intensivstation, fast alle mit schweren Kopfverletzungen. Das Durchschnittsalter dieser Patienten lag bei 77 Jahren, und keiner trug einen Helm. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Injury“ veröffentlicht.
Zyskowski spricht deshalb eine klare Empfehlung aus. Ein Helm sei die einfachste Möglichkeit, schwere Kopfverletzungen zu verhindern. Viele der Betroffenen seien im Alltag unterwegs gewesen, etwa beim Einkaufen. Das hänge auch mit der Lage des Klinikums in der Münchner Innenstadt zusammen; Häuser in alpennahen Regionen würden vermutlich andere Unfallmuster sehen.
Gerade für ältere Menschen eröffnen E‑Bikes neue Mobilitätsspielräume. Wer Herz‑ oder Kreislaufprobleme hat, kann dank Motorunterstützung längere Strecken bewältigen. Gleichzeitig birgt genau diese Unterstützung Risiken. Fahrer spüren körperliche Erschöpfung oft später, etwa wenn der Blutzuckerspiegel sinkt. Hinzu kommt das höhere Gewicht der Räder, meist um die 20 Kilogramm, das in kritischen Situationen schwerer zu kontrollieren ist.
Zyskowski beschreibt eine „Kaskade“, die bei vielen älteren Patienten zu beobachten sei. Wer ohne Helm stürzt und sich nicht abfangen kann, erleidet eher Kopfverletzungen. Viele nehmen zudem Blutverdünner ein, was Blutungen verstärken kann. In der Studie traf das auf knapp die Hälfte der Intensivpatienten zu.
Auffällig ist auch der zeitliche Verlauf: Fast die Hälfte aller untersuchten Unfälle ereignete sich allein im Jahr 2023 – ein Anstieg um das Anderthalbfache gegenüber dem Vorjahr. Nach Einschätzung der Ärzte setzt sich dieser Trend fort. Mit den ersten warmen Tagen rund um Ostern rechnen sie erneut mit mehr Verkehr auf den Radwegen – und damit mit mehr Arbeit in der Unfallchirurgie.
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