Altstadtfreunde Nürnberg ++ Hintere Ledergasse 43
Bewegte Gechichte des barocken Gerberhauses in Nürnberg

Aufwendige Sanierung: Hintere Ledergasse 43.
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  • Aufwendige Sanierung: Hintere Ledergasse 43.
  • Foto: Karl-Heinz Enderle
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NÜRNBERG (khe) - Die Altstadtfreunde weihen am Wochenende (25./26. September) das Gerberhaus Hintere Ledergasse 43 ein. In fünfjähriger Bauzeit haben sie die einsturzgefährdete, zum Abbruch freigegebene Bruchbude in ein attraktives Wohnhaus verwandelt. Sieben Wohnungen und eine Gewerbeeinheit sind in dem barocken Haus entstanden. Der Verein hat damit die Gesamtsanierung seines 20. Altstadthauses abgeschlossen. Am 25./26 September kann es besichtigt werden.

Das Haus im Rotgerberviertel musste 2002 wegen Einsturzgefahr geräumt werden. Noch im gleichen Jahr erwarben es die Altstadtfreunde und sicherten den Bestand durch den Einbau einer Notabstützung. Danach herrschte hier lange Stillstand, weil dringendere Projekte vorgezogen werden mussten. Lediglich umfangreiche archäologische Grabungen wurden in den Jahren 2006/2007 durchgeführt.

Hoffnungslose Fälle

Nachdem die Altstadtfreunde zwischen 2008 und 2011 die denkmalgerechte Sanierung von sechs Häusern abgeschlossen hatten, war erst einmal Sparen angesagt, denn vom Volumen her ist das Anwesen – neben dem Pellerhof – das größte Objekt, an das sich die Altstadtfreunde je herangewagt haben. Da es aufgrund seiner Schäden nicht wirtschaftlich zu sanieren war, konnten hier nur die Altstadtfreunde eintreten, „zuständig für die hoffnungslosen Fälle“ (ehemaliger Nürnberger OB Ulrich Maly).

Großbrand 1645

Das Anwesen entstand, nachdem ein großer Teil des Gerberviertels bei einem Großbrand 1645 eingeäschert wurde. In Vorderer und Hinterer Ledergasse wurden dabei 32 Häuser zerstört. Nach dem Brand erfolgte auf dem Ostteil des Grundstücks zunächst 1651 ein zwei Fenster breiter Neubau, der 1669 aufgestockt wurde. Erst 1697 (Kartusche an der Fassade) wurde das ganze Grundstück vom Rotgerber Hans Georg Göpner überbaut. Es entstand eine Fassade mit zwei Trockenböden in den oberen Geschossen, die optisch wie Galerien wirkten. Im Jahr 1851 wurde dieses Erscheinungsbild aufgegeben und gegen eine schmucklose Backsteinfassade ausgetauscht.

In jüdischem Besitz

1885 kaufte der jüdische Geflügelhändler Samuel Geiringer das Anwesen, um hier einen Mast- und Verkaufsbetrieb einzurichten. Die Tierhaltung und -schlachtung machte bauliche Veränderungen im Hof erforderlich. Ab 1912 war Julius, Sohn des Samuel Geiringer, Eigentümer des Hauses. 1942 wurde er zum „Verkauf“ genötigt. Danach wurde er zusammen mit seiner Frau Emma und seiner Schwester Jeanette Neurath ins Konzentrationslager Izbica deportiert und ermordet. Nach dem Krieg wurde das Haus an einen Verwandten, Paul Geiringer, restituiert, der es 1954 verkaufte.

Schönster Hof

Auf die schon von Dr. Mulzer erträumte Wiederherstellung der Gerbergalerien im 2. und
3. OG wurde straßenseitig verzichtet. Die Altstadtfreunde erzielten mit dem Landesamt und der Unteren Denkmalbehörde eine Einigung, dass die seit 1851 bestehende Ziegelwand erhalten bleibt. Die hofseitig teilweise noch vorhandenen Holzkonstruktionen konnten dagegen geöffnet werden, sodass vier Wohnungen auf der Südseite über offene Galerien verfügen. Der barocke Gerberhof ist nun der größte und schönste Hof der Altstadtfreunde.

Teure Sanierung

Die Sanierung verschlang über 4 Millionen Euro. Etwa 1,5 Millionen Euro kamen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, von der Bayerischen Landesstiftung und von der Städtebauförderung. Nun wartet das Gebäude auf seine Mieter. Am Samstag, 25. und am Sonntag, 26. September bieten die Altstadtfreunde jeweils von 9-16 Uhr Führungen an. Es gilt die 3G-Regel und Maskenpflicht. Registrierung vor dem Haus.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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