Ermittler berichten
Gesundheitswesen ist Paradies für Kriminelle

Das Gesundheitswesen ist ein Milliardengeschäft - und ein Paradies für Kriminelle. (Symbolbild) | Foto: Peter Kneffel/dpa
  • Das Gesundheitswesen ist ein Milliardengeschäft - und ein Paradies für Kriminelle. (Symbolbild)
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Nürnberg – Das Gesundheitswesen gilt als milliardenschwerer Markt – und zugleich als ein besonders anfälliges Feld für kriminelle Aktivitäten. Nach Einschätzung von Oberstaatsanwalt Torsten Haase, kommissarischer Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Kriminalität im Gesundheitswesen, ist es mitunter erschreckend einfach, sich auf betrügerische Weise Vorteile zu verschaffen. „Leider ist es teilweise nicht allzu schwer, im Gesundheitswesen zu betrügen“, sagte Haase gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Die in Nürnberg ansässige Spezialeinheit wurde vor fünf Jahren gegründet und bündelt in Bayern die Ermittlungsarbeit gegen kriminelle Machenschaften im medizinischen Bereich. Ein besonders prägnantes Beispiel für systematischen Betrug seien die Corona-Testzentren. Dort hätten Täter das Abrechnungssystem gezielt ausgenutzt, indem sie Schnelltests abrechneten, die nie durchgeführt wurden. Noch immer sind 76 Verfahren aus dieser Zeit anhängig, allein im laufenden Jahr 2025 kamen bereits 45 neue hinzu. Die Prüfungen der zuständigen Behörden seien noch nicht abgeschlossen.

Die Ermittlungsgruppe besteht aus 14 Oberstaatsanwälten und Staatsanwälten, zwei IT-Spezialisten sowie mehreren Fachkräften für Abrechnungswesen und Buchhaltung. Laut Haase erfordern die Verfahren ein hohes Maß an Fachwissen, da die kriminellen Strukturen oft komplex und professionell organisiert seien.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums gehen dem Gesundheitssystem jährlich Milliardenbeträge durch Betrug und Korruption verloren. Neben Ärzten geraten auch Pflegedienste ins Visier der Ermittler. Immer wieder würden Leistungen abgerechnet, die tatsächlich nie erbracht wurden. Haase betont, dass es bei der Arbeit der Zentralstelle nicht um einzelne fehlerhafte Abrechnungen gehe, sondern um systematischen und organisierten Betrug.

Im Jahr 2024 erhob die Nürnberger Einheit 50 Anklagen. Im laufenden Jahr sind es bereits 45, davon zwölf vor dem Landgericht. Die Zahlen zeigen, wie groß das Ausmaß der kriminellen Aktivitäten im Gesundheitswesen ist – und wie wichtig spezialisierte Ermittlungsarbeit bleibt.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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