Hoffnung auf Entspannung
Kakaopreis halbiert – Schokolade bleibt teuer

Viele Menschen in Deutschland naschen gern Schokolade - nicht nur abends auf der Couch. (Archivbild) | Foto: Hendrik Schmidt/dpa
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KIEL/UTRECHT (dpa/ak) – Die Preise für Rohkakao sind zuletzt deutlich gefallen. Noch im Frühjahr 2023 lag der Tagespreis laut internationaler Kakaoorganisation (ICCO) bei unter 3.000 Euro pro Tonne, stieg dann auf über 10.000 Euro und fiel Mitte Oktober wieder auf unter 5.000 Euro. Doch die Hoffnung, dass sich dieser Rückgang bald in den Supermarktregalen bemerkbar macht, scheint sich nicht zu erfüllen.

Der extreme Preisanstieg im vergangenen Jahr war laut Finn Ole Semrau vom Kiel Institut für Weltwirtschaft vor allem auf Ernteausfälle in Westafrika zurückzuführen. Pflanzenkrankheiten und Extremwetter sorgten für Verunsicherung, die an den Terminbörsen zu Spekulationen und Rekordpreisen führte. Hersteller wie Mondelez reagierten mit Preiserhöhungen und kleineren Verpackungseinheiten – die Milka-Tafel schrumpfte von 100 auf 90 Gramm.

Nun, da die Preise wieder sinken, stellt sich die Frage: Wird Schokolade wieder günstiger? Die Antwort fällt ernüchternd aus. Zwar erwartet Rohstoffanalyst Oran van Dort von der Rabobank einen Überschuss in der aktuellen Erntesaison, was den Preisrückgang erklärt. Doch die Unternehmen verweisen auf weiterhin hohe Kosten für Energie, Personal und Transport. Eine Sprecherin von Ritter Sport stellt klar: Eine Preissenkung sei nicht zu erwarten.

Auch Lindt & Sprüngli sieht derzeit keinen Spielraum für günstigere Preise. Barry Callebaut, einer der größten Schokoladenhersteller weltweit, rechnet erst bis Ende 2026 mit einer spürbaren Entspannung. Selbst wenn die Rohstoffpreise sinken, heißt das nicht automatisch, dass die Verbraucher davon profitieren. Semrau betont, dass Preisrückgänge bei Rohstoffen in der Praxis selten vollständig weitergegeben werden.

Der Lebensmitteleinzelhandel spielt dabei eine zentrale Rolle. Laut dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie legen nicht die Hersteller, sondern die Händler die Endpreise fest. Philipp Hennerkes vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels widerspricht dem Vorwurf, der Handel würde die Preise willkürlich festlegen. Sinkende Rohstoffkosten würden in den Preisverhandlungen berücksichtigt.

Die Nachfrage nach Schokolade ist zuletzt spürbar zurückgegangen. Laut YouGov kauften die Deutschen im August rund 20 Prozent weniger Tafeln. Der Hersteller Gubor kündigte sogar die Schließung seines Werks in Cadolzburg an – wegen mangelnder Auslastung.

Vor Weihnachten müssen sich Verbraucher auf höhere Preise einstellen. Laut einer Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle kosten Schoko-Weihnachtsmänner bis zu 25 Prozent mehr als im Vorjahr, in Einzelfällen sogar 67 Prozent. Dominosteine und Lebkuchenherzen sind ebenfalls deutlich teurer. Der Süßwarenhersteller Lambertz erklärt, dass die Produktion bereits im Sommer beginnt – zu einem Zeitpunkt, als die Rohstoffpreise noch hoch waren.

Langfristig bleibt der Kakaomarkt volatil. Experten wie van Dort halten eine Überproduktion für möglich, da viele Anbauregionen auf die hohen Preise mit zusätzlichen Pflanzungen reagiert haben. Doch strukturelle Probleme wie geringe Produktivität und klimatische Risiken bestehen weiterhin. Etwa 70 Prozent der weltweiten Kakaoernte stammen von Kleinbauern in Westafrika, was den Markt anfällig für Schocks macht. Die Produktion in Ländern wie Ecuador, Brasilien und Nigeria wächst zwar, doch eine stabile Preisentwicklung ist nicht in Sicht.

In Deutschland bleibt Schokolade ein beliebtes Genussmittel. 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 9,5 Kilo. Am liebsten greifen die Deutschen zu Vollmilchschokolade. Doch die Preise sind deutlich gestiegen: Eine Tafel kostete im September laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 75 Prozent mehr als noch 2020 – deutlich mehr als der allgemeine Anstieg bei Lebensmitteln und Getränken. Die süße Versuchung bleibt also vorerst ein teures Vergnügen.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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