Statement von Dr. Kirsten Toennis
UPDATE 28: Krimi um Timmy: Böser Streit ums Absetzen des Wals

Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden zum Schutz des Tieres nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, gesagt.  | Foto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa
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  • Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden zum Schutz des Tieres nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, gesagt.
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Vor 60 Jahren verirrte sich ein Belugawal in den Rhein
Rettung des Buckewals: Chronologie der Ereignisse im Überblick

UPDATE 28: 4. Mai

  • Das Schiff Fortuna B hat den mehrfach gestrandeten Buckelwal tagelang in Richtung Nordsee gezogen. 
  • Jetzt ist das Schiff nach Freilassung des Tiers in den Hafen von Cuxhaven eingelaufen.

Cuxhaven (dpa/nf) - Eines der beiden Schiffe, die den mehrfach vor der deutschen Küste gestrandeten Wal in die Nordsee brachten, ist am Sonntagabend in Cuxhaven eingelaufen. Nach Informationen eines dpa-Reporters vor Ort machte der Schlepper Fortuna B kurz vor Mitternacht im Hafen fest. Die Polizei war vor Ort.

Der Wal war am Samstag etwa 70 Kilometer von der nördlichsten Stadt Dänemarks, Skagen, entfernt abgesetzt worden. Angaben zum Zustand des Tiers zu diesem Zeitpunkt und zum genauen Ablauf der Freisetzung wurden nicht bekannt, auch öffentlich zugängliche Bilder oder Videos gab es nicht.

Das andere große Schiff des Transport-Konvois war die Robin Hood. Sie befand sich am späten Sonntagabend nach Daten des Schiffs-Ortungsdienstes Vesselfinder in der Nähe der Westküste Dänemarks.

Kritik und unterschiedliche Angaben zur Freisetzung des Wals

Einige Mitglieder der Initiative hatten am Samstag kritisiert, die Schiffsbesatzung sei bei der Freisetzung des Wals grob vorgegangen. Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs Robin Hood sprach in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, allerdings von einem Erfolg. Die Freisetzung sei in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt, hieß es.

Der am freigesetzten Buckelwal befestigte Sender schicke keine Ortsdaten, aber Vitalzeichen des Tiers - an dieser Aussage der privaten Initiative hinter dem Transport mehren sich die Zweifel von Experten. Zwar sei das konkrete Modell nicht bekannt, ein GPS- oder Satellitentracker liefere aber üblicherweise keine Vitalzeichen im medizinischen Sinne, hieß es vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). «Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen.»

Getestet worden sei der Tracker vor dem Freisetzen nicht noch mal, hatte Tönnies auch gesagt. Aus Expertensicht ist das sowohl unüblich als auch unverständlich. «Eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz wäre aus fachlicher Sicht üblich und zu erwarten gewesen», hieß es vom ITAW. «Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das Rettungsteam», meint der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. Es habe schon genug Anlässe gegeben, an der Professionalität des Teams zu zweifeln - dies wäre der folgenschwerste. «Man muss hier wirklich von Fahrlässigkeit sprechen.»

Die Allgemeinheit soll das Schicksal des Wals ohnehin nicht verfolgen können: Die Informationen würden nur den Teammitgliedern und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Initiative schon im Vorfeld der Freisetzung erklärt. Es sei «sehr seltsam und unprofessionell», solche Informationen nicht öffentlich zugänglich zu machen, meint der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus.

Dazu ein Statement von Tierärztin Dr. Kirsten Toennis, das ein anderes Bild zeichnet:

UPDATE 27: 3. MAI

  • Ärger, Zank und Streit um den Wal-Transport von der Ost- in die Nordsee nimmt Fahrt auf.
  • Das Tier ist im Meer - doch in welchem Zustand, ist unklar. 
  • Öffentliche Daten zu seinem Weg gibt es nicht. 
  • Was ist schiefgelaufen?
  • Versuchen Kritiker den Ablauf schlecht zu reden?
  • Was ist mit den Walfangflotten?

Berlin (dpa/nf) - Der mehrfach an Ostsee-Küsten gestrandete Buckelwal wurde am Wochenende ins Meer gesetzt. Wo er sich aufhält, ist unklar: Der GPS-Sender liefere anders als geplant keine Ortsdaten, sagte Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative hinter dem Transport.

Damit bliebe unbekannt, ob und in welche Richtung das Tier schwimmt. Es gebe zumindest vom Sender übertragene Vitalzeichen, demnach lebe der Wal, meinte Walter-Mommert. Die Informationen ließen sich zunächst nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace sagte zu den Angaben, ein GPS-Tracker erfasse und übermittle keine Vitaldaten.

Sollte das geschwächte Tier ertrinken, würde ein GPS-Sender ohnehin keine Ortsdaten mehr liefern: Solche Sender funken ihren Standort üblicherweise nur dann, wenn sich das jeweilige Tier an der Wasseroberfläche aufhält. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.

Im Todesfall würde der Kadaver trotz der beim Verwesen entstehenden Gase wahrscheinlich nicht an die Wasseroberfläche hochtreiben, weil der Wasserdruck das in tieferen Gewässern verhindert. Sollte das Tier zuvor wieder in Küstennähe geschwommen sein, könnte es dort angespült werden.

Streit um das Absetzen des Wals

Beide großen Schiffe des Transport-Konvois - «Fortuna B» und «Robin Hood» - befanden sich am Sonntag nicht mehr im Skagerrak, wo der Wal tags zuvor etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt abgesetzt wurde. Angaben zum Zustand des Tiers zu diesem Zeitpunkt und zum genauen Ablauf der Freisetzung wurden nicht bekannt, auch öffentlich zugängliche Bilder oder Videos gab es nicht.

Warum? Das fragen sich seither viele Menschen, die das Drama um den Wal seit Wochen mitverfolgen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus erklärte in einem Statement beim Livestream-Anbieter News5, mit der Initiative sei vereinbart gewesen, dass ein Videosystem auf der Barge installiert wird, damit beauftragte Tierärzte den Wal weiter beobachten können - das sei aber nicht erfolgt.

Mitglieder des Teams der privaten Initiative verwiesen für Angaben zur Freisetzung auf ihre Geldgeber, Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, die sich merklich wütend zeigten: In einem Statement distanzierten sich beide «ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten». Die Initiative sei an der Freisetzung nicht beteiligt gewesen und habe diese auch nicht aktiv begleitet. Vielmehr hätten Crewmitglieder der gebuchten Schiffe den Wal abgesetzt. Auch Tierärtzin Dr. Kirsten Toennis fand wieder einmal deutliche Worte. 


In den Rachen der Walfänger?

Der Buckelwal Timmy wurde am 2. Mai 2026 im Skagerrak freigelassen, einem Seegebiet zwischen der dänischen und norwegischen Küste. Die Freilassung erfolgte in der Nähe der Südspitze Norwegens, etwa 200 km östlich des eigentlichen Ziels, um den Wal in eine stärkere Strömung in Richtung Atlantik zu bringen. Und wo agiert eigentlich die norwegische Walfangflotte: Die Region Skagerrak, in der Timmy freigelassen wurde, ist auf jeden Fall ein stark befahrenes Gebiet. Norwegen ist eines der wenigen Länder, die kommerziellen Walfang betreiben. Die Jagd auf Zwergwale findet jedoch hauptsächlich im Nordatlantik statt, insbesondere im Europäischen Nordmeer, in der Barentssee und an der Küste Spitzbergens, nicht primär im Skagerrak. Obwohl Timmy in norwegischen Gewässern freigelassen wurde, ist das Gebiet der Freilassung nicht als aktives Hauptjagdgebiet der norwegischen Walfangflotte bekannt. Dennoch gab es im Vorfeld Bedenken, da die norwegische Regierung das Töten von Walen in ihren Gewässern nicht grundsätzlich ausschließt, was Sorgen bezüglich der Sicherheit des Wals aufwarf.

Abweichende Angaben zum Geschehen

Vom Team der Initiative war demnach lediglich Jeffrey Foster vom Whale Sanctuary Project in den USA an Bord des Lastkahns, als der Wal ins Wasser kam. Foster, der unter anderem an der gescheiterten Auswilderung des Orcas «Keiko» («Free Willy») beteiligt war, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, seine Teammitglieder seien an dem Morgen nicht noch einmal auf die Barge gelassen worden. Darum habe der Gesundheitszustand des Wals nicht - wie eigentlich vorgesehen - noch einmal überprüft werden können.

Was mit dem zwölf Meter langen, stark geschwächten Buckelwal konkret gemacht wurde, um ihn von Bord zu bekommen, und wie schwer er womöglich verletzt war, blieb unklar. Am Vortag hatte es Aufnahmen gegeben, die den Wal mit einem Seil an der Fluke zeigten - dass er so herausgezogen werden sollte und tags darauf auch wurde, ließ sich nicht mit unabhängiger Quelle bestätigen.

Ein solches Vorgehen wäre gegen jeden Sachverstand, sagte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. «Es ist die Regel Nummer eins bei gestrandeten Walen, sie niemals, wirklich niemals in irgendeiner Weise an der Fluke zu ziehen.» Die Schwanzflosse sei nur über Bindegewebe und Muskulatur mit dem Rest des Körpers verbunden, daher drohten schnell schwere Verletzungen.

Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs «Robin Hood» teilte in einem Schreiben mit, die Freisetzung sei erfolgreich und in Abstimmung mit Foster erfolgt, unter Berücksichtigung insbesondere der Schiffssicherheit und des Wohls des Wals. Das Tier sei zuvor durch den Seegang wiederholt gegen die Wände der Barge gestoßen. Auch von «vielen riskanten Manövern» während des Transports ist die Rede.

Tier blieb trotz Geschaukel im Lastkahn

In der Region hatte es über viele Stunden starken Wellengang gegeben, der Wal war im Lastkahn stark hin und her geschaukelt. Obwohl das Absperrnetz am Ende bereits am Freitagnachmittag entfernt wurde, war das Tier in der Barge geblieben, den verfügbaren Drohnenbildern zufolge überwiegend in einer Ecke liegend. «Auf mich hat das den Eindruck gemacht, als wäre der Wal nach wie vor so entkräftet, dass er einfach zu starken Reaktionen gar nicht mehr in der Lage war», erklärte Ritter.

Auf Drohnenbildern des Livestream-Anbieters News5 war am Samstagmorgen kurz ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen - ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich nicht gesichert sagen. Der Buckelwal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt worden, sagte Thilo Maack von Greenpeace.

Werden wir sein Schicksal je erfahren?

Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag war er in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) hatte betont: «Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.»

Ohne Ortsdaten des GPS-Senders droht das Schicksal des Wals nun aber ungeklärt zu bleiben, womöglich für immer.

UPDATE: 2. MAI

Berlin (dpa/nf) - Der aus einer flachen Ostsee-Bucht an der Insel Poel geborgene Buckelwal ist nach Angaben aus dem Team der verantwortlichen Privatinitiative und nach Bildern des Livestream-Anbieters News5 in der Nordsee freigesetzt worden. Der Wal sei gegen 9.00 Uhr nicht mehr im Lastkahn gewesen, sagte ein Teammitglied. Wal Timmy ist selbständig aus der Barge geschwommen. Er ist bereits getaucht, atmet. 

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Grenze zwischen Nordsee und Atlantik

  • Die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantiks mit zwei Hauptverbindungen: Im Südwesten bildet die Straße von Dover (Pas de Calais) den Übergang zum Ärmelkanal und weiter zum offenen Atlantik.
  1. Im Norden verläuft die Grenze auf Höhe des 61./62. Breitengrades zwischen den Shetland-Inseln und Norwegen.
  • Grenzbereiche der Nordsee:Südwesten (zum Atlantik): Die engste Stelle zwischen Dover (England) und Calais (Frankreich) verbindet die Nordsee mit dem Ärmelkanal und dem Atlantischen Ozean.
  • Norden (zum Nordatlantik/Norwegische See): Eine Linie zwischen den Orkney/Shetland-Inseln und der norwegischen Küste trennt die Nordsee vom offenen Atlantik.
  1. Osten (zur Ostsee): Die Verbindung erfolgt über das Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen.

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  • Der Buckelwal ist in der Nordsee freigesetzt worden. Als gerettet gilt das geschwächte Tier damit nicht. Die Dänen haben bereits mitgeteilt, was passiert, sollte es an ihrer Küste erneut stranden.

Berlin (dpa) - Der aus einer flachen Ostsee-Bucht an der Insel Poel geborgene Buckelwal ist nach Angaben aus dem Team der verantwortlichen Privatinitiative und nach Bildern des Livestream-Anbieters News5 in der Nordsee freigesetzt worden. Der Wal sei gegen 9.00 Uhr nicht mehr im Lastkahn gewesen, sagte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Initiative und beim Transport mit dabei, der Deutschen Presse-Agentur. Der Konvoi befand sich am Morgen etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerak.

Auf News5-Drohnenaufnahmen war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen - ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich nicht gesichert sagen.

Ob es Senderdaten gebe, sei bisher unklar, sagte Schwarck. Es gab zudem keine Angaben dazu, in welchem Zustand sich das Tier befand und wie genau es von Bord schwamm oder bugsiert wurde.

Der Lastkahn mit dem mehrfach an deutschen Ostsee-Küsten gestrandeten Buckelwal hatte am Freitag nach tagelanger Reise die Nordsee schon fast erreicht - drehte jedoch etwa 20 Kilometer vom nördlichsten Punkt Dänemarks entfernt ab. An diesem Punkt nahe der Stadt Skagen fließen Kattegat und Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird.

Im Bereich dieses Übergangs hatte es über Stunden hohen Wellengang gegeben. In ruhigerem Wasser - wieder ein Stück zurück in der Ostsee - wurde am Nachmittag das Absperrnetz an der Rückseite des Lastkahns entfernt. Der Wasserstand in der Barge sei zunächst nicht verändert worden, hieß es aus dem Team der Initiative. Trotz des nun offenen Ausgangs hatte der Wal den Lastkahn über viele Stunden nicht verlassen.

Vor dem Freisetzen soll noch ein GPS-Sender angebracht worden sein, mit dem sich der künftige Standort des Wals erkennen ließe. Ob das gelang und der Sender Daten liefert, war zunächst unklar.

Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Am Dienstag war er vor der Insel Poel in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.

Kann er normal tauchen und fressen?

Als gerettet gilt der Wal auch nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: «Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.»

Senderdaten nicht öffentlich zugänglich

Nach Einschätzung unter anderem von WDC und Internationaler Walfangkommission (IWC) hat der Wal kaum langfristige Überlebenschancen. Ohne funktionierenden Sender droht allerdings unbemerkt zu bleiben, würde das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden.

Die Allgemeinheit wird seinen Weg ohnehin nicht verfolgen können: Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, gesagt.

Könnte das Tier wieder stranden?

Nach Meinung von Experten könnte das geschwächte Tier wieder gezielt zur Küste schwimmen. «In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen», hatte das Deutsche Meeresmuseum erklärt.

Das dänische Umweltministerium teilte in diesem Zusammenhang mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien «ein natürlich vorkommendes Phänomen» und Wale sollten generell «nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört» werden.

Eine langfristig erfolgreiche Rettung wiederum ließe sich vermutlich daran festmachen, dass der Wal in den nächsten Jahren in seinen nördlichen Nahrungsgründen, südlichen Paarungsgebieten oder auch dazwischen, während seiner Wanderungen, gesichtet und mittels Foto-ID eindeutig identifiziert werde, hieß es von WDC. «Das wäre ein klares Indiz dafür, dass er seinem natürlichen Verhalten nachkommt.»

Anfang März erstmals gesichtet

Der rund zwölf Meter lange Wal war am 3. März im Hafen von Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) gesehen worden. Helfer entfernen Teile von Fischernetz von ihm. Am 23. März wurde er weiter westlich auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein) entdeckt. Tagelange Rettungsversuche liefen, unter anderem gruben Bagger eine Rinne. Der Influencer Robert Marc Lehmann ging zum Wal, filmte sich via Selfiestick selbst.

In der Nacht zum 27. März verschwand der Wal aus dem Strandbereich - schwamm aber schon am 28. März erneut ins Flachwasser: auf eine Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch. Am 29. März ging es bei steigendem Wasserstand kurz weiter, wenige Meter weiter verharrte der Wal in der Wismarbucht wieder.

Experten versuchten, ihn mit Lärm zum Wegschwimmen zu bringen. Am 30. März zog das Tier tatsächlich wieder los - allerdings nur, um am 31. März schon wieder eine Flachwasserzone aufzusuchen, diesmal im Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht vor der Insel Poel. Nach einem Experten-Gutachten sollte das geschwächte Tier nun in Ruhe gelassen werden.

Landesumweltminister Backhaus duldete die Aktion

Mitte April gab Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus überraschend bekannt, dass das Transportkonzept einer privaten Initiative geduldet werde. Finanziert wird das Vorhaben von der aus dem Pferdesport bekannten Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. Beide waren in der Vergangenheit nicht öffentlich durch Engagement für den Tierschutz aufgefallen.

Fachleute deutscher Institutionen wie dem Deutschen Meeresmuseum wurden nicht beteiligt, dafür etwa ein peruanischer Schriftsteller und Kleintierärztinnen. Immer wieder konnte man den Eindruck gewinnen, der – nicht beteiligte – Minister zähle auch zum Team: Informationen zum weiteren Vorgehen kamen oft nicht von der Initiative selbst, sondern von Backhaus.

Im Zuge der Vorbereitungen für den geplanten Transport bis in die Nordsee oder gar den Atlantik gab es wieder viel Trubel direkt am Wal – der nach rund drei Wochen Liegezeit frühmorgens wegschwamm. Von Booten aus versuchten Teammitglieder der Initiative, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Es gab viel Hin und Her, nach zwei Stunden schwamm das Tier erneut in eine Flachwasserzone – zum nun schon mindestens fünften Mal. Aus dem Team hieß es später, der Wal sei zeitweise in völlige Panik geraten.

Gezielt in flache Gewässer?

An seinem neuen Platz lag das Tier – ungeachtet neuen Getöses unter anderem von einer Arbeitsplattform aus – weitgehend bewegungslos. Tierschutzorganisationen, Walforscher und Institutionen wie das Meeresmuseum behielten ihre Einschätzung bei: Ruhe wäre für den geschwächten Wal das Beste.

«Es ist durchaus denkbar, dass sich der Wal zum Ausruhen oder sogar zum Sterben in das niedrige Gewässer begeben hat», hieß es von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation. Es ist bei vielen Wildtieren ein typisches Verhalten, sich bei Verletzungen zurückzuziehen und einen ruhigen Platz zu suchen.

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UPDATE 24: 2. Mai

  • Der Konvoi zur Freisetzung des mehrmals an der deutschen Ostseeküste gestrandeten Buckelwals befindet sich am Morgen auf Kurs im Skagerrak genannten Teil der Nordsee.
  • Widrige Wetterbedingungen verhinderten am Freitagmorgen den Plan, den an deutschen Küsten gestrandeten Buckelwal in die Nordsee zu bringen. 
  • Inzwischen ist der Konvoi wieder auf Kurs - bestenfalls bis in den Atlantik

Kopenhagen (dpa/nf) - Der Schiffskonvoi zur Freisetzung des mehrmals an der deutschen Ostseeküste gestrandeten Buckelwals ist am frühen Samstagmorgen auf Kurs in der Nordsee. Der Schlepper, die sogenannte Barge mit dem Wal sowie das Begleitschiff fuhren weiterhin nördlich der nördlichsten Spitze Dänemarks in Richtung Norwegen, wie beim Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zu beobachten war.

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Konvoi unterwegs: Grenze zwischen  Nordsee und Atlantik

Die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantiks mit zwei Hauptverbindungen: Im Südwesten bildet die Straße von Dover (Pas de Calais) den Übergang zum Ärmelkanal und weiter zum offenen Atlantik.
Im Norden verläuft die Grenze auf Höhe des 61./62. Breitengrades zwischen den Shetland-Inseln und Norwegen.

Grenzbereiche der Nordsee:Südwesten (zum Atlantik): Die engste Stelle zwischen Dover (England) und Calais (Frankreich) verbindet die Nordsee mit dem Ärmelkanal und dem Atlantischen Ozean.

Norden (zum Nordatlantik/Norwegische See): Eine Linie zwischen den Orkney/Shetland-Inseln und der norwegischen Küste trennt die Nordsee vom offenen Atlantik.

Osten (zur Ostsee): Die Verbindung erfolgt über das Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen.

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Die Freisetzung des Wals sollte an einem öffentlich nicht bekannten Ort in der Nordsee erfolgen. Zum Einbruch der Dunkelheit am Freitagabend befand sich das Tier noch in der Barge – einem Lastkahn ohne eigenen Antrieb, der von dem Schlepper gezogen wird.

Der Konvoi hatte am Freitagmorgen unmittelbar am Übergang zwischen Ost- und Nordsee wegen des hohen Wellengangs den Kurs ändern müssen und war zunächst zurück Richtung Süden gefahren. Das Absperrnetz an der Barge wurde in diesem Zeitraum entfernt, freigesetzt wurde der Wal jedoch nicht. Am Nachmittag konnte der Kurs Richtung Norden wieder aufgenommen werden, in den folgenden Stunden passierten die Schiffe den Übergang von Ost- zu Nordsee auf der Höhe der dänischen Stadt Skagen.

Mitglieder der verantwortlichen privaten Initiative hatten am Freitagmittag bekräftigt, dass jeder Kilometer Richtung Nordsee zähle. Der rund zwölf Meter lange Buckelwal hatte vier Wochen vor der Insel Poel bei Wismar gelegen. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen versuchte die private Initiative seit Mitte April, den Wal zu bergen, um ihn lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen.

Am vergangenen Dienstag war es gelungen, den wochenlang an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal in die Barge zu bugsieren. Dieses mit Wasser gefüllte Lastschiff wird von dem Mehrzweckschiff «Fortuna B» gezogen.

UPDATE 23: 1. Mai

  • Nach tagelanger Fahrt entlang der dänischen Küste ist der Lastkahn mit dem Buckelwal fast in der Nordsee angekommen. 
  • Erst dort soll das Tier eigentlich abgeladen werden. 
  • Doch es gibt Probleme.

Kopenhagen (dpa) - Der Lastkahn mit dem mehrfach an deutschen Küsten gestrandeten Buckelwal hat am Morgen nach tagelanger Reise fast die Nordsee erreicht. Etwa 11 Seemeilen (rund 20 Kilometer) vom nördlichsten Punkt Dänemarks entfernt drehte das Schiff dann aber zunächst ab, wie beim Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zu beobachten war. Grund seien die schwierigen Wetterbedingungen, sagte Martin Bocklage, Kapitän des Begleitschiffs «Robin Hood», dem Sender NDR.

Am nördlichsten Punkt Dänemarks, nahe der Stadt Skagen, fließen Kattegat und Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird.

Nach Angaben von Teammitgliedern der privaten Initiative für den Transport wird am Vormittag beraten, wie es weitergehen soll. Zu den Möglichkeiten zählt demnach, an ruhigerer Stelle auf besseres Wetter zu warten - oder aber, den Wal direkt an Ort und Stelle und doch nicht erst in der Nordsee freizusetzen. Bei dem hohen Wellengang sei das Verletzungsrisiko für den Wal in der sogenannten Barge groß, hieß es.

Am Dienstag war der wochenlang an der Ostseeküste im Flachwasser liegende Wal in den Lastkahn bugsiert worden. In dem mit Wasser gefüllten Stahlbecken, der vom Schlepper «Fortuna B» gezogen wird, war das zwölf Meter lange, geschwächte Tier in den vergangenen Tagen in Richtung Nordsee geschippert worden. Nach Plänen der privaten Initiative, die für den Transport verantwortlich ist, soll der Wal in tiefem Wasser ausgesetzt werden. Wo genau, stand den Angaben zufolge zunächst nicht fest.

In Dänemark rettet man gestrandete Wale nicht

Sollte das Tier nach der Aktion abermals stranden, würden ihm die dänischen Behörden nicht helfen: Das dänische Umweltministerium teilte mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien «ein natürlich vorkommendes Phänomen» und Wale sollten generell «nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört» werden.

Der rund zwölf Meter lange Buckelwal hatte vier Wochen vor der Insel Poel bei Wismar gelegen. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen versuchte die private Initiative seit Mitte April, den Wal zu bergen, um ihn lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen.

UPDATE 22: 1. Mai

  • Der zur Nordsee geschipperte Wal soll ins tiefe Wasser gebracht werden - wenn er nicht zu schwach ist. 
  • Für diesen Fall hat die Privatinitiative einen Plan B ins Spiel gebracht. 
  • Was bedeutet das?

Berlin (dpa) - Die private Initiative zum Transport des wochenlang gestrandeten Buckelwals hat einen Plan B für den Fall ins Spiel gebracht, dass das Tier doch zu schwach sein sollte, um demnächst freigelassen zu werden. Es gebe Auffangstationen zum Aufpäppeln von Walen, hatte die Rechtsanwältin der privaten Rettungsinitiative, Constanze von der Meden, gesagt. Doch wäre das ein realistischer Plan?

Zwar gebe es in Europa verschiedene Auffangstationen für Kleinwale, erklärte die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Aber: «Auffangstationen, die Kapazitäten für die Aufnahme eines Wals dieser Größe, geschweige denn Erfahrungen mit dem "Aufpäppeln" von Buckelwalen hat, sind uns weder in Europa noch weltweit bekannt.» Allgemein würden Großwale nicht unter menschliche Obhut gebracht.

Zwei Drittel der Zeit im Flachwasser

Der Wal war am Dienstag vor der Ostsee-Insel Poel in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen.

WDC sei generell der Ansicht, dass Wale und Delfine ein Recht auf Freiheit hätten, hieß es von der Organisation weiter. Aber: «Wir unterstützen Auffangstationen für wildlebende Wale und Delfine, die in freier Natur allein nicht mehr überlebensfähig sind, ausdrücklich nicht.» Die Erfahrung zeige, dass eine anschließende Auswilderung in den meisten bekannten Fällen nicht möglich sei - den Tieren werde ein Leben in Gefangenschaft auferlegt. «In Gefangenschaft leiden Wale und Delfine erwiesenermaßen psychisch wie physisch.» Ohnehin sei davon auszugehen, dass der geschwächte Buckelwal auch in einer Auffangstation keine langfristigen Überlebenschancen hätte.

Gibt es rechtliche Risiken?

WDC bereite derzeit große Sorge, wie die Zuständigkeit für den Buckelwal außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer geregelt sei, hieß es weiter. «Wer entscheidet nun, ob der Transport weiterhin zulässig ist?» Zu den relevanten Organisationen, die in internationalen Gewässern involviert werden könnten, gehöre die Internationale Walfangkommission (IWC) - und die habe sich bereits gegen den Transport ausgesprochen. «Die Missachtung ihrer Empfehlungen kann politisch und rechtlich problematisch sein.»

Auch die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten verpflichte Staaten, Gefährdungen zu minimieren - und gelte auch für Großwale im europäischen Raum, wie WDC betont. Letztlich greife auch die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, die absichtliche Störungen vor allem geschwächter Tiere verbiete und Meeressäuger unter strengen Schutz stelle

UPDATE 21: 30. April

  • Das Schiff mit dem vor Mecklenburg-Vorpommern geborgenen Meeressäuger ist noch in der Ostsee, zwischen Dänemark und Schweden unterwegs. 
  • Für Freitag ist starker Wind angekündigt.

Kopenhagen (dpa) - Das Transportschiff mit dem Poeler Buckelwal an Bord ist noch relativ weit von der Nordsee entfernt. Zur Mittagszeit war es laut dem Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zwischen Dänemark und Schweden unterwegs, etwas nördlich des dänischen Grenaa und somit etwa 140 Kilometer Luftlinie von Skagen entfernt, wo die Ostsee auf die Nordsee trifft.

In einer Art stählernem Aquarium wird der Poeler Buckelwal Richtung Nordsee geschleppt | Foto: .Philip Dulian/dpa
  • In einer Art stählernem Aquarium wird der Poeler Buckelwal Richtung Nordsee geschleppt
  • Foto: .Philip Dulian/dpa
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Am Dienstag war es gelungen, den wochenlang an der Ostseeküste im Fachwasser liegenden Buckelwal in eine sogenannte Barge zu bugsieren. In diesem mit Wasser gefüllten Lastkahn, der vom Schlepper «Fortuna B» gezogen wird, ist das Tier auf dem Weg in Richtung Nordsee. Nach Plänen der privaten Initiative, die für den Transport verantwortlich ist, soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann dort ausgesetzt werden.

Zwei Meter hohe Wellen angekündigt

Laut dem dänischen meteorologischen Institut soll am Freitag im Skagerrak starker Wind wehen, mit Wellenhöhen bis zu zwei Metern. Am Wochenende soll der Wind demnach etwas schwächer werden.

Der rund zwölf Meter lange Wal hatte vier Wochen vor der Insel Poel gelegen. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen versuchte die private Initiative seit Mitte April, den Wal zu bergen, um ihn lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen.

UPDATE 20: 30. April

  • Auf seiner Reise in die Nordsee ist das Boot mit dem Buckelwal mittlerweile vor Dänemarks Ostküste angelangt
  • In dem skandinavischen Land würde man einem gestrandeten Meeressäuger nicht helfen

Kopenhagen (dpa) - Das Transportschiff mit dem vor der Küste von Mecklenburg-Vorpommern geborgenen Wal ist weiter in Richtung Nordsee unterwegs. Am frühen Morgen fuhr der Schlepperverband vor der dänischen Küste in Richtung der Westküste Schwedens. Laut dem Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder war das Schiff gegen 04.45 Uhr etwa 3 Seemeilen (rund 5,5 Kilometer) südwestlich der dänischen Insel Sejero unterwegs.

Der Schlepperverband mit dem Wal befindet sich mittlerweile vor Dänemark. | Foto: Philip Dulian/dpa
  • Der Schlepperverband mit dem Wal befindet sich mittlerweile vor Dänemark.
  • Foto: Philip Dulian/dpa
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Am Dienstag war es gelungen, den wochenlang an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal in eine sogenannte Barge zu bugsieren. In diesem mit Wasser gefüllten Lastschiff, das von dem Mehrzweckschiff «Fortuna B» gezogen wird, ist das Tier auf dem Weg in Richtung Nordsee. Nach Plänen der privaten Initiative, die für die Bergung verantwortlich ist, soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann dort ausgesetzt werden.

Das dänische Umweltministerium teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere in Dänemark prinzipiell nicht rette. Strandungen seien demnach «ein natürlich vorkommendes Phänomen» und Wale sollten generell «nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört» werden. Zu dem konkreten Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals äußerte sich das Ministerium nicht.

Der rund zwölf Meter lange und etwa zwölf Tonnen schwere Meeressäuger hatte vier Wochen in der Bucht der Insel Poel festgesteckt. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler versucht die private Initiative seit Mitte April, den gestrandeten Wal zu bergen und lebend in die Nordsee oder in den Atlantik zu bringen.

UPDATE 19: 29. April

  • Der Wal ist auf dem Weg zur Nordsee - und viele Menschen jubeln. 
  • Die Reaktion mag verständlich sein. 
  • Doch sehr wahrscheinlich wird das geschwächte Tier nun im offenen Meer sterben, sagen Experten. 
  • Vielleicht wird Timmy - wie er genannt wird - aber auch einfach alle überraschen...

Berlin (dpa) - In eine Art stählernes Aquarium gesperrt wird der Poeler Buckelwal nach Wochen in Flachwasser Richtung Nordsee geschleppt. Dort soll er vom Kahn schwimmen – wo genau, stand nach Angaben der Privatinitiative hinter dem Transport zunächst nicht fest. Vor der Abfahrt konnte der Eindruck entstehen, die gesamte Aktion könne mit dem Verladen des Wals schon als geglückt gelten. Doch stimmt das? Ein Überblick über die Lage:

Ende gut, alles gut?

Jubel, Umarmungen, Tränen: Nachdem der Wal am Donnerstag erfolgreich in die Barge getrieben war, konnte man den Eindruck gewinnen, die Aktion sei nun mit vollem Erfolg abgeschlossen. «Der Versuch ist gelungen», sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus auch am Mittwoch noch einmal. Tatsächlich war das Verladen aber nur ein Zwischenschritt: Noch muss der Wal den tagelangen Transport um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak überstehen – und vor allem muss er langfristig überleben.

Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, sagte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile.

Aus Gewässern vor Großbritannien und Kanada sei bekannt, dass Bartenwale, die Netzreste in ihren Barten haben, die Nahrungsaufnahme vollständig verweigern, hieß es vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. «In diesen Gebieten strandeten auch Bartenwale, die große Mengen an Netzresten im Magen hatten, was die Nahrungsaufnahme ebenfalls verhinderte.»

Was vermuten Experten zum Ausgang?

Der Poeler Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen seither lag er zu rund zwei Dritteln der Zeit in Flachwasserzonen.

«In verschiedenen Regionen der Welt ist dokumentiert, dass Großwale bei ausgeprägter Erschöpfung vermehrt flache Küstengewässer mit weichem Untergrund aufsuchen», erklärte das Deutsche Meeresmuseum. Als der Wal sich noch frei in den Gewässern von Mecklenburg-Vorpommern bewegt hat, suchte er bereits ausschließlich Küsten- und Flachwassergewässer auf.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betont: «Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.»

Nach WDC-Einschätzung hat der Wal keine langfristigen Überlebenschancen. Das Tier werde nach dem Freisetzen kaum überleben, hieß es auch von der Internationalen Walfangkommission (IWC).

Wo soll der Wal freigesetzt werden?

Letzter Stand war nach Angaben aus dem Team der Privatinitiative, dass der Wal in der Nordsee ins Wasser gelassen werden soll - wo genau, stehe noch nicht fest. Experten sehen große Risiken für das Tier: «Es ist sehr geschwächt und findet im offenen Meer keine Möglichkeit, sich abzulegen», hieß es vom Meeresmuseum. Es bestehe die Gefahr, dass es ertrinke.

Auch die WDC-Experten sind der Ansicht, dass mit dem Hinaustreiben die wirklich heikle Phase bevorsteht. «Uns ist nicht bekannt, wie die Freilassung und Wiedereingliederung des Wals in seinen eigentlichen Lebensraum genau geplant ist», hieß es. «Ohne weitere Informationen dazu wirkt es aktuell so – und hier verwenden wir ein Bild, um es zu veranschaulichen – als würde man jemanden, der sich wochenlang im Hospiz befand, nun vor die Tür setzen und sich selbst überlassen.» Es sei zu hoffen, dass die private Initiative für die Freisetzung ein Konzept entwickelt hat.

Nach der Rückreise vom Äquator zögen die Buckelwale, zu deren Population der Poeler Wal gehöre, in die kalten Gewässer des Nordatlantiks. «Wenn er in der Nordsee freigelassen wird, steht ihm somit noch eine Weiterreise in den Atlantik bevor, die er eigenständig schaffen muss», erklärte WDC. Insbesondere die Nordsee berge viele Gefahren wie Lärm, Fischerei und Schiffsverkehr. «Aber auch im Atlantik sind Wale und Delfine nicht sicher vor menschlichen Aktivitäten.»

Wie geht es dem Tier aktuell?

«Pudelwohl» fühle der Wal sich in der Barge, verlautbarte Backhaus, nachdem das geschwächte Tier erfolgreich in das Stahlbecken getrieben war. So manchem Experten dürften ob dieser Bemerkung die Haare zu Berge gestanden haben.

Der Gesundheitszustand des Wals sei grundsätzlich schon nicht gut, sagte Meeresbiologe Ritter. «Das sagen alle, auch die Befürworter der Rettungsaktion.» Es gebe eine lange, traumatische Vorgeschichte. Das Tier habe sich in Netzen verfangen, sei wochenlang herumgeirrt und habe fünf Selbststrandungen hinter sich. «Das sind deutliche Zeichen, dass der Wal alles andere als fit ist.»

Das beobachtete Verhalten des Tieres sei insgesamt stark passiv, hieß es auch vom Meeresmuseum. «Im Vergleich dazu zeigen gesunde Bartenwale, insbesondere Buckelwale, ein deutlich aktiveres Bewegungs- und Verhaltensrepertoire, einschließlich dynamischer Schwimm- und Sprungbewegungen.»

Nach dem anhaltenden Trubel direkt am Wal in den vergangenen zwei Wochen könnte der Transport das Tier noch einmal mehr stressen, ist Ritter überzeugt. «Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke», sagte er. Am Vormittag fuhr der Schlepper mit dem Stahlbecken zum Beispiel durch den vielbefahrenen Fehmarnbelt. Wale und Delfine lebten in einer Welt des Schalls. «Die sind da extrem empfindlich.» Der mehrtägige Transport sei so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten, sagte er.

Von WDC hieß es: «Viele Wildtiere entwickeln unter solchen Bedingungen eine Fangmyopathie – ein stressbedingter Muskelabbau, der durch extreme Anstrengung, Angst, Einfang oder Transport entsteht.»

UPDATE 18: 29. April

  • Der Buckelwal, der wochenlang an der Ostseeküste festsaß, wird weiter Richtung Nordsee gebracht: Jetzt übernimmt ein neues Schiff den Schleppverband.

Wismar/Fehmarn (dpa) - Auf seiner Reise Richtung Nordsee wird der Lastkahn mit dem gestrandeten Buckelwal an Bord nun von einem anderen Schiff weitergezogen. Die «Fortuna B» hat am Morgen vor 7.00 Uhr als Schleppfahrzeug übernommen, wie ein Mitglied der privaten Initiative, das an Bord ist, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Am Dienstagabend hatte zunächst der Schlepper «Robin Hood» die Barge – also eine Art schwimmendes Becken – mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel übernommen. Anschließend fuhr er samt dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee. Begleitet wurde er von dem Mehrzweckschiff «Fortuna B», das nun die Schleppaufgabe übernimmt.

Route um Dänemark

Laut dem Schiffs-Ortungsdienst VesselFinder befand sich der Verband gegen 8.00 Uhr östlich vor Fehmarn am Morgen. Nach Plänen der privaten Initiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann freigelassen werden.

Offen ist nach Expertenansicht, ob der Wal den Transport überstehen wird und ob er in der Nordsee oder im Atlantik wieder in Freiheit leben kann. Wissenschaftler vermuten, dass er vor seiner Strandung immer wieder flaches Wasser aufgesucht hatte, weil er geschwächt war und sich ausruhen wollte.

UPDATE 17: 28. April

  • Während Helfer jubeln, warnen Experten vor Risiken: Der Buckelwal hat es in den Lastkahn geschafft. 
  • Doch die beschwerliche Reise steht ihm noch bevor.

Wismar (dpa) - Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal ist in dem für seinen Transport vorgesehenen Lastkahn angekommen. Das Tier bewegte sich durch eine zuvor ausgebaggerte Rinne in die sogenannte Barge, nachdem Helfer ihn zuvor mit Gurten in diese Richtung gezogen hatten, wie auf Livestreams zu sehen war. Unter den Helfern brach Jubel aus.



«Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen», sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Hafen von Kirchdorf. «Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen». Er habe sich dann aber zusammengerissen. Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint.

Die Barge ist eine Art transportables Schwimmbecken, in dem normalerweise Schiffe transportiert werden. Darauf soll der Wal nun auf einer mehrtägigen Reise Richtung Nordsee transportiert werden.

Überraschende Bewegung Richtung Barge

Nachdem die Bergungsaktion lange schleppend verlief und mehr als ein Dutzend Helfer an den Gurten zerrten, die dem rund zwölf Tonnen schweren Tier zuvor umgelegt worden waren, ging auf einmal alles ganz schnell und das Tier bewegte sich zügig in Richtung des Kahns.

In der sogenannten Barge soll der Meeressäuger, der seit rund vier Wochen in einer flachen Bucht vor der Insel Poel lag, in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee transportiert werden.

Grünes Licht für Aktion mit Gurten

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte zuvor grünes Licht für das Konzept mit den Gurten gegeben. Er sagte am Morgen mit Blick auf einen möglichen Erfolg: «Für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.» Er gab allerdings zu bedenken, das es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktion etwa auf das Anlegen des Gurtsystems nicht absehbar sei. Die Tierärzte der privaten Initiative sehen den Buckelwal als transportfähig an, wie der Minister erklärte.

Unabhängige Fachleute warnten vor dem mehrtägigen Transport: Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte vielmehr größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden. «Von weiteren Manipulationen am Wal» sei abzusehen. «Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden», erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

UPDATE 16: 28. April

  • Helfer besteigen Boote, um zum gestrandeten Wal hinauszufahren. 
  • Die Behörden haben grünes Licht für den Transport des Wals gegeben.
  • Doch nichts sei berechenbar, sagt Minister Backhaus.

Wismar (dpa) - Der Bergungsversuch des gestrandeten Buckelwals in der Ostsee ist angelaufen. Helfer haben am Vormittag im Hafen von Kirchdorf auf Poel Boote bestiegen und sind zum Wal hinausgefahren, der seit vier Wochen in einer flachen Bucht der Insel vor Wismar feststeckt. Sie begannen, dem Tier Gurte anzulegen, um ihn durch eine ausgebaggerte Rinne zu einem bereitliegenden Lastkahn zu führen, wie in Livestreams zu erkennen war. Der Wal ließ die Prozedur zunächst ruhig über sich ergehen.

Ein Lastkahn, geschoben von dem Schubschiff «Hans» fährt auf dem Nord-Ostsee-Kanal. | Foto: Bodo Marks/dpa
  • Ein Lastkahn, geschoben von dem Schubschiff «Hans» fährt auf dem Nord-Ostsee-Kanal.
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Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gab sich optimistisch. «Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben», sagte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: «Wir wollen heute fertig werden.»

Grünes Licht für Gurte

Die Behörden gaben Backhaus zufolge grünes Licht, den rund zwölf Tonnen schweren Meeressäuger mit Hilfe von Gurten durch eine rund 100 Meter lange, in den letzten Tagen ausgebaggerte Rinne zu dem mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Wenn das gelingt, soll der Buckelwal auf der Barge wie in einem riesigen Aquarium in die Nordsee gebracht werden. Auf Bargen werden sonst unter anderem Schiffe transportiert.

Es sei der «Tag der Entscheidung», hatte Backhaus zuvor betont. «Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück.» Mit Blick auf einen möglichen Erfolg fügte er hinzu: «Für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.»

Backhaus gab jedoch zu bedenken, das es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktion etwa auf das Anlegen des Gurtsystems nicht absehbar sei. Die Tierärzte der privaten Initiative sehen den Buckelwal als transportfähig an, wie der Minister erklärte. Der Gesundheitszustand sei der Einschätzung zufolge gut, die Atmung tief und ohne Geräusche.

Unabhängige Experten raten ab

Wal-Experten kommen hingegen zu einem anderen Schluss und raten von der Aktion ab: Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte vielmehr größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden. «Von weiteren Manipulationen am Wal» sei abzusehen. «Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden», erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.

UPDATE 15: 28. April

  • Ein Wal vor der Insel Poel soll mit einem neuen Rettungskonzept geborgen werden.
  •  Umweltminister Backhaus spricht vom Tag der Entscheidung

Wismar (dpa) - Gelingt die Bergung des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals? Für Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ist heute der «Tag der Entscheidung». Derzeit stünde man noch vor der Entscheidung, ob man das veränderte Rettungskonzept, dass Gurte vorsähe, um den Wal in einen Lastkahn zu ziehen, zulasse, sagte Backhaus am Hafen von Poel.

«Wenn es hilft, diesem Tier aus dieser Situation zu helfen und das gering invasiv ist, dann prüfen wir das», so der Minister. Am Morgen fand eine Lagebesprechung am Ort des Geschehens statt. «Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück (...) für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.»

Die Landesregierung gab zudem grünes Licht dafür, dass Gurte genutzt werden dürfen, um den rund zwölf Tonnen schweren Wal durch eine gebaggerte Rinne zum mit Wasser gefüllten Transportkahn zu führen.

Wal seit vier Wochen in der Bucht

Der rund zwölf Meter lange Meeressäuger steckt seit dem 31. März in der Bucht fest. Schon zuvor hatte das Tier sich mehrmals in flachem Wasser nahe der Küste festgesetzt, sich zwischenzeitlich aber wieder freischwimmen können. Die Tierärzte der Initiative hätten am Morgen dargelegt, dass der Gesundheitszustand des Wals gut sei, sagte Backhaus. Die Atmung sei tief und ohne Geräusche.

UPDATE 14: 27. April

  • Der Lastkahn für den Transport des Buckelwals vor Poel nähert sich seinem Einsatzort – allerdings mit überschaubarer Geschwindigkeit. 
  • So soll es danach weitergehen.

Wismar (dpa/nf) - Der für den Transport des vor der Insel Poel liegenden Buckelwals vorgesehene Lastkahn wird am Nachmittag in Wismar erwartet. Im dortigen Seehafen soll er nach Aussage des beteiligten Tauchunternehmers Fred Babbel für die Aufnahme des Wals vorbereitet werden. Laut Schiffsortungsdiensten hatte der Schlepper «Robin Hood», der die sogenannte Barge zieht, am Morgen Fehmarn passiert. Die Geschwindigkeit des Verbands ist nach früheren Aussagen Babbels wegen der Barge begrenzt.

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Die Körperlänge eines Buckelwals liegt meist zwischen 12 und 15 Metern. Maximal können sie bis zu 17-18 Meter lang werden. Das Gewicht beträgt in der Regel etwa 25 bis 30 Tonnen (25.000 bis 30.000 kg).  Vergleich: Ein Buckelwal entspricht in der Länge etwa einem großen Reisebus oder zwei hintereinander stehenden Bussen.

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Nach bisherigen Angaben soll der Wal am Dienstag in die Barge aufgenommen und dann samt Wasser lebend Richtung Nordsee transportiert werden. Vom Schubboot «Hans» geschoben war die Barge in der Nacht zu Montag in Kiel angekommen. Zuvor hatte sie aus der Elbe kommend den Nord-Ostsee-Kanal passiert. In der Ostsee hatte der Schlepper «Robin Hood» den Lastkahn übernommen.

So soll der Wal verladen werden

Der technische Leiter der privaten Initiative für den Transport des Tiers, Felix Bohnsack, hatte kürzlich das Konzept für den Transport erklärt: Eine solche Barge werde sonst etwa zum Abtransport von Schiffen verwendet. «Die Barge misst insgesamt 50 Meter in Länge, 13 Meter in Breite.» Sie habe eine Ladekapazität von 400 Tonnen. Durch Wassertanks in den Seiten könne man die Barge absenken und anheben. Im Innenraum biete sie in der Länge etwa 47 Meter und in der Breite etwa 11 Meter Platz. «Die Barge hat insgesamt einen Ladetiefgang von vier Metern.»

Sie soll durch eine zuvor geschaffen Rinne mit der Ladeöffnung an den Wal herangeführt werden. Unter den Wal soll demnach eine durch ein Netz gehaltene Plane geführt werden. «Es bildet sich erst ein U um den Wal herum, so dass er quasi erstmal nach rechts und links sich nicht wirklich mehr drehen kann. Und dann ziehen wir die Front einmal hoch, damit sich so eine Art Lippe bildet.» Das solle den Wal daran hindern, nach vorne wegzuschwimmen.

Dreieinhalb Tage bis nach Nord-Dänemark

Er soll dann rückwärts in die Barge eingeladen oder «reingefloatet» werden, wie Bohnsack sagte – «und das kontrolliert mit der Netzplane.» Er solle dann später wieder vorwärts herausschwimmen können. Die Ladeöffnung soll offenbleiben und nur mit einem speziellen Netz gesichert werden. Dieses sei sehr engmaschig, damit sich das Tier nicht verletze, so Bohnsack. Zum einen müsse gewährleistet sein, dass das Tier im Notfall schnell freigelassen werden kann. «Und es ist dahingehend auch wichtig, dass immer ein konstanter, gesunder Wasseraustausch für das Tier da ist, dass es nicht im selben Wasser schwebt, mit dem wir es hier eingeladen haben», erklärte Bohnsack.

Von einem Schiff gezogen soll die Barge samt Wal Fehmarn passieren und bis nach Skagen zum Eingang der Nordsee gebracht werden. Dafür seien dreieinhalb Tage geplant. «Dann werden wir schlussendlich den Zustand des Tieres nochmal bewerten, schauen, wie die Reise überstanden wurde.» Bohnsack selbst werde das Tier auf der Reise begleiten. Laut Plan sollten aber auch Veterinäre beziehungsweise Wal-Experten mitfahren.

UPDATE 13: 27. April

  • Diese Woche soll das Tier in einer Art Stahlbecken auf Reise gehen – so zumindest der Plan.

Höhenhorn/Kirchdorf (dpa) - Vor fast einem Monat ist der Buckelwal vor der Insel Poel bei Wismar gestrandet. Diese Woche soll Schiffstechnik den Abtransport des lebendigen Tiers ermöglichen. Ein Lastkahn, der den großen Meeressäuger samt Wasser aufnehmen soll, erreichte auf seinem Weg in die Wismarbucht bis zum späten Sonntagnachmittag aus der Elbe kommend den Nord-Ostsee-Kanal. Vom Schubboot «Hans» geschoben kam die sogenannte Barge in der Nacht zu Montag in Kiel an.

Nach einigen weiteren technischen Vorbereitungen an dem Lastkahn, einer sogenannten Barge, die in Wismar erfolgen sollen, war der eigentliche Abtransport des Wals zuletzt frühestens für Dienstag geplant.

Große Hoffnung bei Ansteigen des Pegels

Seit dem Start der Rettungsbemühungen der privaten Initiative Mitte April kam es wiederholt zu Verzögerungen und Planänderungen – unter anderem, weil der Wal sich vor einer Woche nach einem Ansteigen des Pegels selbst in Bewegung gesetzt hatte, später aber wieder festsaß.

Seitdem hat das Team der privaten Initiative dafür gesorgt, dass das Tier auch bei niedrigeren Wasserständen tiefer im Wasser liegt, und eine Rinne bis zur tieferen Fahrrinne gebaggert, gesaugt und gespült.

Durch die mehr als 100 Meter lange Rinne soll der Wal in den absenkbaren Kahn gelotst werden. Das stählerne Becken soll dann von einem Schlepper gezogen in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee starten.

Politiker auf Tuchfühlung

Am Sonntag wurde erneut an der Rinne gearbeitet und der Zustand des Wals kontrolliert. Dabei war auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ins Wasser und auf Tuchfühlung gegangen. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagte er am Sonntag. «Ich hoffe, dass diese Mission dann irgendwann, möglichst bald, zu Ende ist, und zwar mit Erfolg.»

Der laut Backhaus rund vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden: Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf; später saß er weiter westlich vor Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein) fest. In den mehr als 50 Tagen seither lag er zu deutlich mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen. Experten vermuten, dass er sie gezielt immer wieder aufgesucht haben könnte, weil er schwer erkrankt Ruhe suchte.

UPDATE 12: 24. April

  • Der gestrandete Buckelwal vor Poel soll nun mit einer Art Lastkahn transportiert werden. 
  • Die finale Zusage des Ministeriums dafür stand zunächst noch aus.

Kirchdorf (dpa) - Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns hat bisher noch kein Go für den neuen Plan der Privatinitiative für einen Transport des vor Poel gestrandeten Wals gegeben. Die Prüfung des Konzeptes laufe und dann werde sich zeigen, ob es heute noch einen Beschluss geben könne, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) gegen Mittag.

Mehrere Fragen des Ministeriums habe das Team der Initiative zuletzt nachbearbeiten müssen - nun warte man auf Antwort, sagte Karin Walter-Mommert, die die Aktion mit finanziert. «Unsere Vorbereitungen laufen im Hintergrund weiter.»

Der neue Plan sieht vor, dass eine mehr als hundert Meter lange Rinne zwischen dem im Flachwasserbereich liegenden Wal und der tieferen Fahrrinne geschaffen wird. Das Tier soll dann mit einer Art Lastkahn bis in den Atlantik transportiert werden, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde. «Ich bin heute Morgen bei ihm gewesen, direkt an ihm dran», sagte Backhaus dem ZDF. «Er atmet, er hat eine gute Herzfrequenz.»

Schwimmrinne wird gebaggert

Soweit zunächst bekannt war, sollte die Rinne schon am Samstag fertig sein. Am Sonntag oder Montag soll dem mit den Baggerarbeiten beauftragte Unternehmer Fred Babbel zufolge mit der Bergung des zwölf Meter langen Tiers begonnen werden. Derzeit liegt der Wal in einer künstlich geschaffenen Kuhle - was ihn vor seinem Eigengewicht schützt, ihn aber auch am Wegschwimmen hindern würde, so er dazu noch in der Lage ist.

Nach drei Wochen an derselben Stelle war der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus versuchten Teammitglieder der Initiative, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das Tier aber. Aus dem Team hieß es, der Wal sei zeitweise in völlige Panik geraten. Nun soll der neue Plan greifen.

Walter Gunz will Aktion nicht stoppen

Geldgeber Walter Gunz will das Vorhaben weiter mit finanzieren. «Wie bleiben dabei und gehen den Weg bis zum Ende», sagte der Mediamarkt-Gründer. Er halte den neuen Plan für besser als die ursprünglichen und inzwischen verworfenen Ponton-Pläne. «Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, in den nächsten zwei bis drei Tagen das alles über die Bühne zu bringen.»

Zur Summe, die für die Aktion bisher aufgewendet wurde, wolle er sich nicht äußern, sagte Gunz. Die Initiative wird von ihm und Karin Walter-Mommert, die im Pferdesport aktiv ist, finanziert. Die Arbeiten der Gruppe laufen seit dem 16. April.

UPDATE 11: 23. April

  • Mit dem bisherigen Transportvorhaben wird es nichts, nun soll nach Idee der privaten Rettungsinitiative ein Lastkahn zum Einsatz kommen.

Kirchdorf (dpa) - Die private Initiative zur Rettung des vor der Ostsee-Insel Poel liegenden Buckelwals hat eine neue technische Variante im Blick. Wie ein Mitglied der Initiative mitteilte, soll das zwölf Tonnen schwere Tier nun mit einer sogenannten Barge transportiert werden.

Dabei handelt es sich um einen etwa 15 Meter breiten, absenkbaren Lastkahn, der nicht selbstständig fährt, sondern von Schleppern gezogen wird. Die Barge sei auf dem Weg aus dem Hamburger Raum, hieß es weiter. Wann genau sie eintreffe, sei nicht klar. Geplant sei zuvor noch ein Stopp in einer Werft in Wismar. Beim Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern wollte man sich vor einer Lagebesprechung nicht zu den Details äußeren.

Die Anfahrt brauche Zeit, da die Barge nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten, etwa neun Kilometern in der Stunde, unterwegs sei und durch den Nord-Ostsee-Kanal müsse, hieß es von der Initiative.

110 Meter lange Rinne soll zum Fahrwasser gebaggert werden

Der Chef des von der Initiative beauftragten Baggerunternehmens, Fred Babbel, kündigte an, dass vom jetzigen Liegeplatz des Wals eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne zum Fahrwasser freigebaggert werden soll: «Das müssten wir in gut zwei Tagen schaffen.» Ein weiterer Bagger, der bei der Strandung vor Timmendorfer Strand im Einsatz war, solle «heute oder morgen früh» eintreffen.

Details, wann und wie das Tier durch die Rinne gelangen soll, nannte Babbel nicht, sagte aber: «Wir können ihn freilassen oder auf anderem Weg transportieren.» Das weitere Vorgehen nach dem Baggern der Rinne sei noch in der Abstimmung.

Am Morgen waren wieder Helfer beim Wal, der noch immer in der frei gespülten Kuhle am Ende der Kirchsee liegt. «Wir waren die ganze Nacht vor Ort. Er war nicht so aktiv», sagte ein Teammitglied der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Wahres Tierwohl kann schmerzhafte Entscheidungen bedeuten

Seitdem der Meeressäuger vor Poel liegt, gibt es viel Trubel und Lärm um das geschwächte Wildtier und es lässt sich nur erahnen, wie viel Stress und Angst es durchlebt. «Wie unsere Forschung zeigt, können sich die Folgen für genau die Tiere, die wir schützen wollen, verschlechtern, wenn wissenschaftliche Empfehlungen zugunsten der öffentlichen Meinung außer Acht gelassen werden», schreibt Karen Stockin von der Massey University in Neuseeland im Wissenschaftsmedium «The Conversation».

Wahre Fürsorge bedeute im Wildtierschutz manchmal auch die schmerzhafte Entscheidung zur Zurückhaltung, wenn die Wissenschaft keine Hoffnung auf Genesung sieht. «Große, charismatische Tiere wie Wale rufen starke emotionale Reaktionen hervor», erklärte Stockin. «Sie sind intelligent, ausdrucksstark und wirken sichtlich hilflos, wenn sie gestrandet sind.» Für viele Menschen erscheine es moralisch inakzeptabel, nicht einzugreifen, wobei Untätigkeit oft als Vernachlässigung empfunden werde.

Wir können sie nicht durch Handauflegen beruhigen

Die Wal-Expertin Frances Gulland sagte dem «Spiegel», es sei sehr schwierig, das Verhalten von Walen gezielt zu beeinflussen. «Wir können nicht mit ihnen kommunizieren, wir können sie nicht durch Handauflegen beruhigen.»

Die Tierärztin mit Spezialisierung auf Meeressäuger war 2007 an Rettungsaktionen für zwei Buckelwale - Mutter und Kalb - im Sacramento River beteiligt. «Wir haben vieles ausprobiert: Walrufe, Alarmtöne, Metallgeräusche, Motoren, sogar Wasser aus Feuerwehrschläuchen», sagte sie. Nichts davon habe verlässlich dazu geführt, dass die Tiere in die gewünschte Richtung schwammen. «Als wir nichts mehr taten, schwammen sie ins Meer.»

Boom bei Büchern: "Die Schnecke und der Buckelwal" an der Spitze

Unterdessen boomt der Verkauf von Büchern rund um das Thema Wal. So ist die Nachfrage im Zeitraum von der ersten Sichtung Anfang März bis zur Strandung in der Wismarer Bucht am 23. März deutlich gestiegen, wie das Marktforschungsunternehmen Media Control auf Anfrage der dpa sagte. «Die Schnecke und der Buckelwal» von Julia Donaldson und Axel Scheffler führt die Top 3 der verkauften Bücher an.

UPDATE 10: 23. April

  • Der am Ende der Kirchsee an der Insel Poel liegende Buckelwal hängt weiter fest. 
  • Die Nacht in der kleinen Kuhle hat er aber überstanden. 
  • Am Morgen zeigte er allerdings nur wenig Aktivität.

Kirchdorf (dpa) - Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal liegt weiter in der Kuhle am Ende der Kirchsee. Die Wasserschutzpolizei hat das Tier in der Nacht rund um die Uhr beobachtet. «Wir waren die ganze Nacht vor Ort. Er war nicht so aktiv», sagte ein Sprecher am Morgen der Deutschen Presse-Agentur.

Gegen 6.30 Uhr war auf den Livestreams zu erkennen, dass der Meeressäuger sich gelegentlich leicht bewegt und buckelt. Auch sein Atem war aufgrund der kleinen Wasserfontäne regelmäßig zu erkennen.

Das Rettungskonzept für den Wal soll aktuell erneuert werden. Die private Hilfsinitiative arbeitet Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zufolge unter Hochdruck an einer Überarbeitung des Plans. Weitere Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden.

UPDATE 9: 22. April

  • Nach einem gescheiterten Versuch, das Tier in offenes Wasser zu lotsen, geht es vorerst darum, das Leiden des zum fünften Mal gestrandeten Wals zu mindern. 

Kirchdorf (dpa) - Die Rettungsbemühungen für den vor der Ostsee-Insel Poel liegenden Buckelwal konzentrieren sich aktuell darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen.

Nach Aussage des zum Team gehörenden Schriftstellers Sergio Bambaren war der Wal nach seinem kurzzeitigen Freikommen am Montag in Schräglage gestrandet. Das sei gefährlich, weil das Gewicht überwiegend auf einer Seite laste und so innere Schäden verursachen könne. Danach habe das Team daran gearbeitet, den Wal wieder in eine gerade Lage zu bringen.

Tier sei am Montag in Panik geraten

Bambaren sagte zudem, dass der zwölf Meter lange Wal bei der Geleitaktion am Montag zeitweise in völlige Panik geraten sei. Das Tier war nach drei Wochen Liegezeit plötzlich wieder losgeschwommen. Von Booten aus wurde versucht, es in Richtung Ostsee zu treiben. Nach etwa zwei Stunden stoppte der vermutlich erschöpfte Wal und verharrt seither wieder.

Verschiedene noch beteiligte oder bereits gegangene Teammitglieder beschuldigen sich gegenseitig, bei der Aktion am Montag falsch gehandelt zu haben.

Antrag gegen Rettung vor Gericht eingegangen

Unterdessen ist beim Verwaltungsgericht Schwerin ein Antrag gegen den laufenden Rettungsversuch eingegangen. Der am Montag eingegangene Antrag stamme von einer Bürgerinitiative, sagte ein Sprecher des Gerichts. Der Antrag richte sich gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern «mit dem Ziel, die durchgeführten oder veranlassten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Rettung einzustellen» oder hilfsweise erst nach einem speziellen Gutachten durchzuführen.

NABU fordert Lehren aus dem Geschehen vor Poel

Der Naturschutzbund (Nabu) verfolgt die Aktionen der Privatinitiative am Buckelwal vor Poel mit Sorge. «Zu geschwächt und krank scheint der Buckelwal, zu lang sein Leiden, zu auffällig die wiederholten Strandungen», heißt es in einer Mitteilung der Naturschutzorganisation, die forderte, für die Zukunft Lehren zu ziehen: «Nur wenn wir gemeinsam Meeresschutzgebiete wirksam machen, die Fischerei nachhaltiger und die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft abstellen, hat die Ostsee eine Zukunft, und mit ihr die Wale, Robben und Seevögel an unseren Küsten.»

UPDATE 8: 22. April

  • Helfer auf SUP-Board, weiße Tücher und ein Spülbagger: Die Helfer am gestrandeten Buckelwals vor Poel haben die Arbeit wieder aufgenommen. 
  • Was genau heute noch passieren soll, war allerdings unklar.

Wismar (dpa) - Am Vormittag hat es erneut Aktivitäten am gestrandeten Buckelwal in der Bucht vor der kleinen Ostsee-Insel Poel gegeben. Ein Helfer näherte sich dem tonnenschweren Tier auf einem SUP-Board und bedeckte es mit weißen Tüchern. Zudem ist der Spülbagger wieder im Einsatz. Welche weiteren Schritte das Team der privaten Rettungsinitiative plant, blieb zunächst unklar.

Zum Teil mit bloßen Händen bespritzen Helfer den Wal mit Wasser. | Foto: Jens Büttner/dpa
  • Zum Teil mit bloßen Händen bespritzen Helfer den Wal mit Wasser.
  • Foto: Jens Büttner/dpa
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Das Tier hatte sich auch in der Nacht nicht von der Stelle bewegt. Er liege weiterhin in der Ausfahrt zur Wismarbucht, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Auf Live-Streams im Internet war zu sehen, wie sich der Rücken des rund zwölf Meter langen Tiers bewegt und der Wal atmet.

Niedrigwasser bleibt Problem

Nachdem Helfer am Dienstag damit beschäftigt waren, Schlick unter dem rund zwölf Tonnen schweren Tier wegzusaugen, lag es am Abend tiefer im Wasser. Das lindert seine Not, weil der Wal in zu flachem Wasser von seinem eigenen Gewicht erdrückt werden könnte.

Das Niedrigwasser bleibt ein Problem. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie teilte am Morgen mit, dass der Wasserstand aktuell 20 Zentimeter unter dem normalen Niveau liege. Gegen 12.00 Uhr sollte er um etwa 15 Zentimeter steigen und gegen Abend wieder um rund 15 Zentimeter sinken. Da der Wal nun in einer künstlich gespülten Kuhle liegt, dürfte es für ihn schwerer werden, sich eigenständig wegzubewegen.

Wal mit Sender ausgestattet

Der Wal war - nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte - am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt. Inzwischen wurde laut Backhaus ein Sender an dem Tier angebracht - falls es sich also doch befreien und davonschwimmen sollte, könnte sein Weg verfolgt werden.

UPDATE 7: 21. April

  • Angestrengt arbeiten Menschen am erneut festsitzenden Buckelwal vor Poel. In Trockenanzügen im Wasser, mit Spül- und Saugtechnik. 
  • Der Wasserstand erschwert die Lage.

Wismar (dpa) - Viel Bewegung rings um den erneut vor der Insel Poel festsitzenden Buckelwal - nur das Tier selbst hat seine Position im flachen Wasser nicht wieder verlassen. Am Vormittag arbeitete zeitweise ein mehrköpfiges Team hüfthoch im Wasser stehend direkt am Wal, wie in Live-Streams zu sehen war. Immer wieder hielt ein Helfer eine Art Rohr an einem Schlauch beim Wal ins Wasser, offenbar als Teil des Versuches, ihn freizuspülen.

Es werde Saug- und Spülgerät eingesetzt, um den Wal zu entlasten, hatte Umweltminister Till Backhaus (SPD) zuvor nach einer Lagebesprechung im Hafen von Kirchdorf erklärt. Wegen des gesunkenen Wasserstands ragte das Tier weiter aus dem Wasser und sein Gewicht drückte stärker auf seine inneren Organe.

Aus Kreisen der privaten Initiative, die hinter dem Rettungsversuch steht, hieß es, durch den Einsatz von Saugrobotern sei eine Kuhle geschaffen worden. Eine Seite des Wals werde blockiert. Ziel sei es, das Tier später in tiefere Gewässer zu leiten, «raus aus dem Nadelöhr».

Arbeitsplattform beim Wal

Am frühen Nachmittag war auf Live-Streams zu sehen, wie die vor Ort eingesetzte schwimmende Arbeitsplattform mit einem Bagger dichter an den Wal heranfuhr. Von der Plattform führte ein dicker Schlauch ins Wasser beim Wal, während auf der anderen Seite Wasser und augenscheinlich auch Schlick herausgespült wurde.

Der Wal war - nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte - am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das womöglich schwer erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in den Rest der Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.

Wal soll Nahrung angeboten werden

Nach Aussage von Backhaus sollte dem rund zwölf Meter langen Meeressäuger auch Nahrung angeboten werden. Dabei handle es sich um Hering und Shrimps. Der Wal sei natürlich in einem kritischen Zustand, sei aber dennoch vital und habe eine Chance.

Die Lage des Buckelwals hat sich nach Einschätzung des Berliner Walforschers und Meeresbiologen Fabian Ritter seit Montag eher verschlechtert. «Der ragt tatsächlich deutlich weiter aus dem Wasser. Das ist keine gute Sache», sagte Ritter der Deutschen Presse-Agentur.

UPDATE 6: 21. April

  • Nur kurz war der Wal geschwommen, dann lag er wieder. 
  • Nach der nun schon fünften Strandung gibt es interne Differenzen und personelle Konsequenzen bei der privaten Initiative zur Rettung des Wals.

Wismar (dpa) - Nach dem gescheiterten Versuch vom Vortag gibt es erneut Aktivität am Buckelwal vor Poel. Es werde Saug- und Spülgerät eingesetzt, um den Wal zu entlasten, erklärte Umweltminister Till Backhaus (SPD) nach einer Lagebesprechung im Hafen von Kirchdorf. Von der Initiative selbst gab es zunächst keine Angaben. Wegen des gesunkenen Wasserstands ragt das Tier weiter aus dem Wasser und sein Gewicht drückt stärker auf seine inneren Organe.

Unterdessen verließen nach der gescheiterten Hilfsaktion vom Vortag mehrere Teammitglieder die private Initiative oder fallen vorerst aus. Christiane Freifrau von Gregory, die als Pressesprecherin auftrat, tritt zurück. Sie mache den Weg frei, da eine konstruktive und professionelle Zusammenarbeit unter den derzeitigen Rahmenbedingungen «für uns» nicht mehr möglich sei.

Die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert wurde am Montag mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, wie Backhaus sagte. Auch eine weitere Tierärztin fällt demnach aus. «Ich habe natürlich auch mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin abgereist ist», sagte Backhaus am Morgen. Zuvor hatten Medien berichtet, dass Jenna Wallace wegen Differenzen im Team abgereist sei.


Gescheiterter Versuch am Montag


Der Wal war - nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte - am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das womöglich schwer erschöpfte Tier aber. Seither liegt der Wal an der gleichen Stelle nahe des tieferen Fahrwassers.

Der Wasserstand in der Wismarbucht ist seit dem Vortag deutlich gesunken. Er lag nach Angaben des Wasserstandsvorhersagedienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Morgen rund 50 Zentimeter niedriger als zur gleichen Uhrzeit gestern. Gegen 10: 00 Uhr sollte der Wasserstand sein Maximum erreichen und dann im Tagesverlauf um 30 Zentimeter fallen.

Aktionen am Wal

Am Vormittag nahmen Mitglieder der privaten Initiative ihre Arbeiten am Wal wieder auf. In den Livestreams ist zu sehen, wie Menschen in Neoprenanzügen durch das flache Wasser zu dem Meeressäuger waten. Mit Hilfe von Paddeln und mit bloßen Händen bespritzen sie das Tier mit Wasser. Später fährt ein Schiff mit schwerem Gerät in die Nähe, die Spülversuche starten.

Auch solle dem rund zwölf Meter langen Meeressäuger Nahrung angeboten werden, hieß es von Bachhaus. Dabei handle es sich um Hering und Shrimps. Der Wal sei natürlich in einem kritischen Zustand, sei aber dennoch vital und habe eine Chance.

Erste Sichtungen bereits vor rund sieben Wochen

Erste Sichtungen des Wals hatte es Anfang März gegeben. Am 3. März tauchte der Buckelwal im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Gegen Abend schwamm er wieder Richtung Ostsee. In den Tagen darauf wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesehen. Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.

Am 23. März strandete der Wal das erste Mal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Umfangreiche Rettungsversuche starteten, das Tier schwamm schließlich selbst los. Wenige Tage später strandete es auf einer Sandbank in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand schwamm der Wal in der Nacht kurzzeitig weiter, lag kurz darauf in der Wismarbucht wieder auf, schwamm erneut weiter. Seit 31. März saß er dann erneut fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht. Am Montag folgte die fünfte Strandung.

UPDATE 5: 20. April

  • Der Weg aus dem Kirchsee ist teilweise sehr flach

Wismar (dpa) - Am Morgen war von Booten aus versucht worden, den Wal auf Kurs Richtung offene Ostsee zu bringen. Immer wieder kehrte das Tier um und schwamm weiter in die Kirchsee genannte Bucht mit dem Ort Kirchdorf am Ende hinein.

Nach Einschätzung der Naturschutzorganisation Greenpeace bedeutet die Situation für den Buckelwal eine hohe Stressbelastung. «Das ist natürlich ein Megastress für das Tier», sagte ein Organisationssprecher. Der Wal habe die letzten Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei nun Motorenlärm von den Booten ausgesetzt.

Es gab Vermutungen von Wal-Beobachtern zum Hin- und Herschwimmen am Morgen, dass das Tier so geschwächt sein könnte, dass es versucht, in Küstennähe zu bleiben. Eine andere Erklärungsmöglichkeit wäre demnach, dass der Wal so desorientiert ist, dass er den Weg zurück ins offene Meer nicht allein findet.

Der morgendliche Aufbruch des Wals durchkreuzte die eigentlichen Pläne einer privaten Initiative. Vorgesehen war, dass unter den Wal eine zwischen Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigte Plane geführt wird. Damit sollte er aus dem flachen Bereich geborgen und Richtung Nordsee gebracht werden. Die Pontons sollten dazu von einem Schlepper gezogen werden. Die Netzplane für das Tier war nach Behördenangaben bereits im Wasser.

Am Sonntag sahen sich Vertreter der Rettungsinitiative auf Poel noch auf sehr gutem Weg - schlossen aber auch nicht aus, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger noch aus eigener Kraft freischwimmt. In diesem Fall greife «Plan B». «Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können», sagte Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative.

Damit gerät auch der Plan der privaten Rettungsinitiative ins Wanken.
 | Foto: Stefan Sauer/dpa
  • Damit gerät auch der Plan der privaten Rettungsinitiative ins Wanken.
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Ein Finanzier der Aktion, der Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, zeigte sich bereits am Sonntag pessimistischer, ob sich der Wal im Fall der Fälle leiten lässt. Nach dem Losschwimmen des Wals am Montagmorgen sagt er der dpa, «und jetzt ist das aus der Bahn gelaufen alles.» Mehr könne er derzeit nicht sagen. «Jetzt kann man nur hoffen, dass die Begleitung gelingt.»

Minister Till Backhaus sagte am Morgen auf Poel erneut, er begleite den Wal bis zum Ende. «Ob lebend oder auch tot. Und das mache ich jetzt auch.» Die Initiative sei aktiv und man dulde alle Maßnahmen, die notwendig seien, das Tier zu begleiten.

Erste Sichtungen bereits vor rund sieben Wochen

Erste Sichtungen des Wals hatte es Anfang März gegeben. Am 3. März tauchte der Buckelwal im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Gegen Abend schwamm er wieder Richtung Ostsee. In den Tagen darauf wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesehen. Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.

Am 23. März strandete der Wal das erste Mal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Umfangreiche Rettungsversuche starteten, das Tier schwamm schließlich selbst los. Wenige Tage später strandete es auf einer Sandbank in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand schwamm der Wal in der Nacht kurzzeitig weiter, lag kurz darauf in der Wismarbucht wieder auf, schwamm erneut weiter. Seit 31. März saß er dann erneut fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht.

UPDATE 4: 20. April

  • Kaum losgeschwommen, könnte der Wal wieder festzusitzen. 
  • Der Weg aus dem Kirchsee ist teilweise sehr flach.

Wismar (dpa) - Rund zwei Stunden, nachdem der Buckelwal vor Poel bei steigenden Wasserständen losgeschwommen ist, stoppte er offenbar. Auf Livestreams ist zu sehen, wie das Tier nahe von Fahrwassertonnen zu liegen scheint. Die Begleitboote, die ihn zuvor Richtung offene Ostsee getrieben hatten, hielten zumeist Abstand.

Der Meeressäuger war am Morgen losgeschwommen. Er wechselte mehrfach die Richtung - mit Kirchdorf am Ende der Bucht auf der einen und dem Weg in die Ostsee auf der anderen Seite. Letztlich schwamm er geleitet von den Booten anhaltend in die richtige Richtung - bis zum Stopp am Ende der Kirchsee genannten Bucht.

Ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums sagte, nach seinem Wissen ist auch der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach. Der Wal müsste demnach einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief. Ansonsten sei die Bucht etwa zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Deutlich tiefer ist seinen Angaben nach das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht. Dieses sei mindestens mehr als neun Meter tief. Durch die Wismarbucht müsste der Wal schwimmen, um in die Ostsee zu gelangen.
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UPATE 3: 

  • Der Wal-Rettungsversuch läuft seit Donnerstag. 
  • Der Wal wird heute allerdings noch nicht die Bucht verlassen – zumindest nicht mithilfe der privaten Initiative

Kirchdorf (dpa) - Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal wird zunächst weiter in der Bucht vor der Insel Poel ausharren müssen. «Heute wird er nicht mehr transportiert, das können wir sagen», sagte die an dem privaten Rettungsversuch beteiligte Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag im Hafen von Kirchdorf.

Über den konkreten Zeitplan der Aktion des Wals wollte die Medizinerin aus Föhr zunächst nichts sagen. Hintergrund sei, dass das Team von außen nicht unter Druck stehen wolle. Intern gebe es durchaus einen Zeitplan. «Wir sind jetzt gut dabei», sagte Bahr-van Gemmert.

Das Team gebe jetzt alles für den Wal. Sie gestand aber auch ein: «Wir wären gerne noch schneller.» Die Tierärztin und die anderen Experten im Team seien davon überzeugt, dass die Rettungsaktion die beste Lösung ist für den Wal. Es bestehe «eine reelle Chance (..), dass er das gut schafft».

Seit drei Tagen laufen die Arbeiten einer privaten Initiative, die das Tier lebend zurück ins offene Meer transportieren möchte. Das Tier liegt seit 19 Tagen in der Wismarbucht.

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Schwerin/Wismar (dpa) - Bei der privaten Rettungsaktion für den vor der Insel Poel liegenden Buckelwal hat Tag 2 begonnen. Sechs Helfer fuhren kurz nach 8.00 Uhr auf Booten im Morgennebel zu dem Tier und überprüften seinen Zustand. Sie erneuerten ein nasses Tuch auf dem Rücken des Wals.

Im Laufe des Tages soll versucht werden, das tonnenschwere Tier mit Luftkissen anzuheben. Weil der Buckelwal aber seit mehr als zwei Wochen auf dem Grund festliegt, muss zunächst Meeresboden unter ihm weggespült werden.

Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert werden. Wenn alles gut geht, kann ein Schlepper damit beginnen, die empfindliche Fracht in die tiefere Ostsee und dann durch Kattegat und Skagerrak in die Nordsee und schließlich in den Atlantik zu ziehen. Dort könnte das Tier im besten Fall in die Freiheit entlassen werden.

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UPDATE:
Nach Wochen im Flachwasser schwimmt der Buckelwal plötzlich los, doch sein Weg in die Ostsee bleibt ungewiss. Die Rettungsinitiative muss improvisieren - und der Wal liegt zunächst wieder.

Schwerin/Wismar (dpa) - Die Rettungsaktion für den gestrandeten Wal vor der kleinen Ostsee-Insel Poel hat begonnen. Sechs Helfer haben sich im hüfttiefen Wasser zu dem Buckelwal begeben. Unter anderem spritzten sie mit den Händen Wasser auf den Wal.

Der private Rettungsversuch für den gestrandeten Wal vor Poel beginnt mit einer Annäherung von Helfern. | Foto: Philip Dulian/dpa
  • Der private Rettungsversuch für den gestrandeten Wal vor Poel beginnt mit einer Annäherung von Helfern.
  • Foto: Philip Dulian/dpa
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Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hatten am Mittwoch eine private Rettungsmission genehmigt. Danach soll versucht werde, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden.

Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die Pontons ziehen.

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Schwerin/Wismar (dpa) - Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister gibt grünes Licht für den Rettungsversuch einer privaten Initiative für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal. Das Konzept sehe eine Bergung des lebenden Tieres und einen Transport in die Nordsee und gegebenenfalls bis in den Atlantik vor, sagte Till Backhaus (SPD) bei einer Pressekonferenz in Schwerin.

Der Buckelwal war auch am Mittwoch deutlich zu hören. | Foto: Bernd Wüstneck/dpa
  • Der Buckelwal war auch am Mittwoch deutlich zu hören.
  • Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Die Behörden hätten das entsprechende Konzept geprüft und ihm zugestimmt. Nach Aussage von Backhaus soll das Tier per Luftkissen angehoben werden. Der Wal solle dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und transportiert werden.

Die Maßnahmen sollten zügig starten. Die Verantwortung liege bei den Initiatoren. «Wir dulden dieses Vorhaben», sagte Backhaus. Bei den Initiatoren handelt es sich laut Backhaus unter anderem um den Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. Die Initiatoren würden in Kürze weitere Details mitteilen.

Der kranke und geschwächte Wal liegt seit dem 31. März vor der Ostsee-Insel Poel. Bislang hatten Experten erklärt, dem Buckelwal könne nicht sinnvoll geholfen werden, und es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen. Das Tier war bereits mehrfach gestrandet.

Werden wir das weitere Schicksal verfolgen können?

Zunächst wurde der Wal mit einem Sender ausgestattet, der unter Wasser nicht funktioniert. Die Privatinitiative gab an, mit einem neuen GPS-Sender nachzubessern. Ohne funktionierenden Sender droht unbemerkt zu bleiben, würde das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden.

Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden aber nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Schweriner Umweltministerium zur Verfügung gestellt, sagte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden. Es solle vermieden werden, dass Menschen losführen und nach dem Wal schauten.

Eine langfristige vollständige Dokumentation sei für die Einschätzung der gesamten Maßnahme essenziell, hieß es vom Meeresmuseum. «Insbesondere die öffentliche Verfügbarkeit der Trackerdaten in Echtzeit sowie Live-Videomaterial vom Wal während des Transports und während der Freilassung sind grundlegend für eine transparente Vorgehensweise und um wertvolle Erfahrungen für zukünftige Bergungen sammeln zu können.» Auch das IWC Strandings Expert Panel der Internationalen Walfangkommission betonte die Wichtigkeit solcher Daten, unter anderem um die Intervention im Nachhinein aufzuarbeiten.

Eine langfristig erfolgreiche Rettung ließe sich vermutlich daran festmachen, dass der Wal in den nächsten Jahren in seinen nördlichen Nahrungsgründen, südlichen Paarungsgebieten oder auch dazwischen, während seiner Wanderungen, gesichtet und mittels Foto-ID eindeutig identifiziert werde, hieß es von WDC. «Das wäre ein klares Indiz dafür, dass er seinem natürlichen Verhalten nachkommt.»

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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