Autobranche wegen Sicherheitsrisiken unter Druck
China stoppt versenkbare Türgriffe
- Die Türgriffe hatten bei Unfällen für Probleme gesorgt.
- Foto: Johannes Neudecker/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
PEKING (dpa/ak) – In China, dem größten Automarkt der Welt, steht eine Designidee vor dem Aus, die lange als Symbol moderner Elektromobilität galt. Türgriffe, die bündig in der Karosserie liegen und erst bei Bedarf ausfahren, werden ab 2027 verboten. Das zuständige Ministerium für Industrie und Informationstechnologie begründet den Schritt mit Sicherheitsbedenken und einer zu komplizierten Bedienung.
Die Entscheidung trifft eine Technik, die vor allem durch Tesla weltweit bekannt wurde und längst auch bei vielen chinesischen Herstellern zum Standard gehört. Doch künftig müssen Autotüren wieder von innen und außen mechanisch zu öffnen sein. Die Behörden verweisen auf Fälle, in denen versenkbare Griffe nach Unfällen versagt haben sollen. Helfer hätten demnach Schwierigkeiten gehabt, verunglückte Insassen aus ihren Fahrzeugen zu befreien. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua spricht von einem klaren Ziel: Risiken minimieren und die Handhabung vereinfachen.
Die neuen Vorgaben gelten für alle Fahrzeuge, die ab dem 1. Januar 2027 in China verkauft werden. Modelle, die bereits zugelassen sind und kurz vor dem Marktstart stehen, erhalten eine Übergangsfrist bis 2029. Unberührt bleibt lediglich die Kofferraumklappe, deren Mechanismus nicht unter die Neuregelung fällt.
Welche Modelle konkret betroffen sind, lässt die Behörde offen. Klar ist jedoch, dass der Eingriff weitreichend sein dürfte. Nach Angaben der „China Daily“ verfügten im April 2025 rund 60 Prozent der hundert meistverkauften Elektro- und Hybridfahrzeuge über versenkbare Türgriffe. Für die Hersteller bedeutet das nun zusätzliche Arbeit: Sie müssen bestehende Designs überarbeiten und auf klassische Lösungen zurückgreifen. Ein deutscher Autobauer in China schätzt die Kosten dennoch als überschaubar ein, da die Zulieferer für herkömmliche Griffe weiterhin verfügbar seien. Schwieriger wird es für neu entwickelte Systeme, die nun nicht mehr eingesetzt werden dürfen.
Mit dem Verbot setzt China ein deutliches Signal. Als globaler Schwergewicht im Automarkt könnte das Land einen Trend umkehren, der jahrelang als Inbegriff futuristischer Fahrzeuggestaltung galt. Für die Branche beginnt damit eine Phase der Anpassung – und möglicherweise auch der Rückbesinnung auf Bewährtes.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.