Närrischer Andrang in Stockach
Söder-Prozess sorgt für Rekordinteresse beim Narrengericht
- Der bayerische Ministerpräsident soll vor das Narrengericht. (Archivbild)
- Foto: Philipp von Ditfurth/dpaPhilipp von Ditfurth/dpa
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STOCKACH (dpa/ak) – In Stockach hat der traditionelle Fastnachtsprozess in diesem Jahr eine Nachfrage ausgelöst, wie man sie sonst eher von großen Popstars kennt. Kaum war der Online-Verkauf freigeschaltet, waren sämtliche Karten für das Hohe Grobgünstige Narrengericht vergriffen – und das innerhalb weniger Augenblicke. Narrenrichter Jürgen Koterzyna brachte die Stimmung auf den Punkt: Es habe sich angefühlt „wie bei einem Taylor‑Swift‑Konzert“. Die Resonanz auf den diesjährigen Beklagten, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, sei überwältigend.
Das Narrengericht, das auf eine rund 675‑jährige Tradition zurückblickt, zählt zu den Höhepunkten der schwäbisch‑alemannischen Fastnacht. Vor dem närrischen Tribunal müssen sich die geladenen Persönlichkeiten gegen humorvoll zugespitzte Anklagepunkte behaupten. Auf der Anklagebank saßen in der Vergangenheit bereits prominente Gäste, darunter auch Angela Merkel.
Dass die Karten in diesem Jahr so schnell vergriffen waren, liegt nach Einschätzung der Organisatoren nicht allein an Söders Auftritt. Das Jubiläum des Narrengerichts habe zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugt. Für die ehrenamtlich engagierten Narren sei der Andrang ein großes Kompliment, betont Koterzyna. Mit Söder steht erst zum zweiten Mal nach Franz Josef Strauß im Jahr 1979 ein amtierender bayerischer Regierungschef vor dem närrischen Gericht.
Der Prozess findet traditionell am „Schmotzigen Dunschtig“, dem Donnerstag vor Rosenmontag, statt. Insgesamt standen 1.200 Karten zur Verfügung, je nach Kategorie zwischen 15 und 32 Euro. Viele Interessenten gingen leer aus, was die Organisatoren bedauern. Als Trost bleibt jedoch die Möglichkeit, die Veranstaltung am selben Abend ab 20.15 Uhr im SWR zu verfolgen oder später in der Mediathek anzusehen.
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