Übertritt in Bayern
Regionale Unterschiede befeuern alte Debatte neu
- Der entscheidende Satz: In welche Schule darf das Kind in der fünften Klasse gehen? (Archivbild)
- Foto: Matthias Balk/dpa
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München (dpa/lby/ak) – In Bayern erhalten die Viertklässler an diesem Montag ihre Übertrittszeugnisse – ein Dokument, das maßgeblich darüber entscheidet, ob der weitere Weg über Gymnasium, Realschule oder Mittelschule führt. Grundlage ist der Notendurchschnitt in Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. Seit Jahren kritisieren Bildungsforscher diese frühe Weichenstellung, die im bundesweiten Vergleich besonders strikt ausfällt. Neue regionale Daten haben die Diskussion nun erneut entfacht.
Zwar wechseln im Freistaat seit Langem rund 40 Prozent der Kinder nach der Grundschule auf ein Gymnasium, etwa 28 Prozent auf eine Realschule und ähnlich viele auf die Mittelschule. Doch die Unterschiede zwischen den Regionen sind erheblich. Für das kommende Schuljahr liegt die Gymnasialquote in Oberbayern bei fast 45 Prozent, in Niederbayern dagegen bei nicht einmal 32 Prozent. Auch bei den Realschulen reicht die Spannbreite von etwa 32 Prozent in Schwaben und Niederbayern bis zu knapp 26 Prozent in Oberbayern und Oberfranken.
Eine Analyse des Bayerischen Rundfunks zeigt, wie stark die Differenzen auf Landkreisebene ausfallen: Im Landkreis München wechseln fast 56 Prozent der Viertklässler aufs Gymnasium, im Landkreis Regen nur 25 Prozent. Warum das so ist, kann das Kultusministerium nicht eindeutig erklären. Genannt werden unterschiedliche Erwartungen der Eltern, regionale Bildungs- und Arbeitsmarktstrukturen, der Bildungshintergrund der Familien sowie die Erreichbarkeit der Schulen.
Kritik kommt unter anderem vom Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern. Die frühe Aufteilung benachteilige Kinder, die ohnehin schlechtere Startbedingungen hätten. Noten seien kein objektives Maß für Leistungsfähigkeit, heißt es dort. Die Grünen wollen deshalb am Mittwoch einen Gesetzentwurf einbringen, der Gemeinschaftsschulen auch in Bayern ermöglichen soll. Längeres gemeinsames Lernen sei entscheidend für mehr Chancengerechtigkeit, argumentiert Bildungspolitikerin Gabriele Triebel. Auch die SPD fordert Veränderungen. Das „Grundschulabitur“ müsse abgeschafft werden, so Simone Strohmayr.
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