Retourenflut im Onlinehandel
Neuer Höchststand in Deutschland erwartet
- Die kostenlosen Rücksendungen einzelner Kunden wirken sich zulasten der Artikelpreise für alle Kunden aus. (Archivbild)
- Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
BAMNERG/KÖLN (dpa/ak) – Die Zahl der Rücksendungen im deutschen Onlinehandel steigt weiter an und dürfte in diesem Jahr einen neuen Rekord erreichen. Nach Berechnungen des Retourenexperten Björn Asdecker von der Universität Bamberg werden 2026 voraussichtlich rund 560 Millionen Pakete an Händler zurückgeschickt. Im Vorjahr lag die Zahl bei 550 Millionen.
Asdecker führt die Entwicklung auf das anhaltende Wachstum des Onlinehandels und eine konstant hohe Retourenquote zurück. Nahezu jedes vierte Paket geht demnach wieder an den Absender. Ein zusätzlicher Treiber sei das veränderte Einkaufsverhalten: Immer mehr Menschen bestellen über Smartphone‑Apps. Dort werde schneller gekauft, sagte Asdecker, oft ohne sich vorab umfassend zu informieren.
Besonders betroffen ist die Modebranche. Mehr als 80 Prozent der retournierten Pakete und rund 90 Prozent der Artikel stammen aus diesem Segment. Viele Händler bieten weiterhin kostenlose Rücksendungen an – ein Service, der sich für sie zunehmend als Belastung erweist. Etwa ein Fünftel der Unternehmen hat pro Retoure Kosten von mehr als zehn Euro. Der Rücktransport macht laut einer Untersuchung des Handelsforschungsinstituts EHI rund zwei Drittel dieser Ausgaben aus. Häufig werden die Kosten über höhere Artikelpreise ausgeglichen, was letztlich alle Kunden betrifft.
Um die wachsende Flut an Rücksendungen besser zu bewältigen, testen Händler neue technische Ansätze. Knapp jeder zehnte befragte Betrieb experimentiert laut EHI inzwischen mit KI‑gestützten Lösungen, die helfen sollen, Retouren zu analysieren und Muster zu erkennen. Noch handelt es sich meist um Pilotprojekte, doch die Branche setzt zunehmend darauf, dass digitale Werkzeuge langfristig Entlastung bringen.
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