Olympia auf der Wiesn
Von Ludwigs Vision bis zur heutigen Bewerbung
- Markus Söder und Dominik Krause feiern Münchens Nominierung als deutscher Olympia-Bewerber auf dem Oktoberfest.
- Foto: Sven Hoppe/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
MÜNCHEN (Sabine Dobel/dpa/ak) – Auf dem Oktoberfest, zwischen Fahrgeschrei und Festzeltmusik, haben Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dominik Krause den jüngsten Schritt Richtung Olympische Sommerspiele gefeiert. Die Kür Münchens zur deutschen Bewerberstadt für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 begingen sie im „Olympia Looping“ – ein symbolischer Ort, denn die Verbindung zwischen Wiesn und Olympia reicht weit zurück.
Schon vor rund 200 Jahren dachte König Ludwig I. darüber nach, „Olympien“ auf der Theresienwiese auszurichten. Begeistert von der hellenistischen Kultur schwebte ihm ein Fest im Stil der antiken Spiele vor. Volkskundler wie Florian Dering und Ursula Eymold verweisen darauf, dass die Idee einer Wiederbelebung der Spiele damit schon Jahrzehnte vor Athen 1896 präsent war.
Die Wiesn selbst entstand 1810 aus der Hochzeit des Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen. Anfangs prägten Tierschauen und Agrarausstellungen das Fest, doch sportliche Elemente gehörten früh dazu. Pferderennen waren ein Höhepunkt, später kamen Turnvorführungen, Kunstradfahren und athletische Wettbewerbe hinzu. 1835 organisierte Turnlehrer Josef Gruber Spiele mit Ringen, Speerwerfen und einem griechischen Wettkampf zu Pferde – deutlich inspiriert vom antiken Ideal.
Bis ins frühe 20. Jahrhundert blieb die Wiesn ein Ort, an dem Sport und Volksfest eng zusammengehörten. Besonders das Schießen entwickelte sich zu einer festen Größe. Noch heute werden im Schützenzelt hochkarätige Wettbewerbe ausgetragen. Während nebenan Maßkrüge klirren, stehen im Schießstand Schützen aus Bayern, Südtirol, Österreich und anderen Ländern konzentriert an den 80 Ständen. Der Geschäftsführer des Bayerischen Sportschützenbundes, Alexander Heidel, spricht von einem der größten Preisschießen weltweit. Früher hieß es „Freischießen“ – wer am besten traf, wurde von der Steuer befreit.
Auch das Armbrustschießen hat Tradition. Rund 200 Teilnehmer reisen jährlich zur Deutschen Meisterschaft ins Armbrustschützenzelt. Bis in die 1950er Jahre wurde im Freien geschossen, auf einen 30 Meter hohen Vogelbaum. Erst ein fehlgeleiteter Bolzen, der angeblich im Hof der Wiesn-Polizeiwache landete, führte zur Aufgabe dieser Praxis.
Mit den Jahrzehnten rückte der Sport zunehmend in den Hintergrund. Das Hippodrom, einst Reithalle für Dressuren und Hengstschauen, wurde bis Anfang der 1980er Jahre genutzt, bevor es zum Prominententreff ohne Pferde wurde. Je internationaler das Fest, desto stärker verschwanden die sportlichen Elemente.
Geblieben sind nur wenige Relikte – etwa das traditionelle Schießen oder der „Hau den Lukas“. Und doch zeigt die aktuelle Olympia-Bewerbung, dass die alte Verbindung zwischen München, der Wiesn und dem sportlichen Geist nicht ganz verloren ist. Ludwigs Vision eines großen Sportfestes blieb unerfüllt, doch die Idee lebt weiter – nun mit Blick auf die Sommerspiele des 21. Jahrhunderts.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.