Verbraucherschützer sehen Benachteiligung
Rabatte per App sind umstritten
- Lidl ködert Kunden in seiner App mit zusätzlichen Rabattaktionen.
- Foto: Philip Dulian/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
BRANDENBURG AN DER HAVEL (dpa/ak) – Rabatt‑Apps gehören für viele Menschen längst zum Einkauf dazu. Drei von vier Befragten in Deutschland nutzen sie, oft sogar wöchentlich. Doch der Verbraucherzentrale Bundesverband hält die Programme für problematisch und hat den Discounter Lidl wegen seiner „Lidl Plus“-App verklagt. Am Dienstag befasst sich das Brandenburgische Oberlandesgericht mit dem Fall, eine Entscheidung ist noch offen.
Die Verbraucherschützer kritisieren, dass ältere, behinderte oder jüngere Menschen benachteiligt würden, weil sie entsprechende Geräte oder Apps nicht nutzen könnten. Ähnliche Klagen gegen Netto und Penny scheiterten zunächst mangels Belegen, wurden aber zur Revision zugelassen. Nun muss sich auch der Bundesgerichtshof mit dem Thema befassen.
Tatsächlich bieten die Apps eine breite Palette an Vorteilen: Sonderangebote, Treueprogramme, zusätzliche Rabatte und Coupons, die an bestimmte Einkaufssummen gekoppelt sind. Dennoch fällt die tatsächliche Ersparnis laut einer Analyse des Vergleichsportals Smhaggle gering aus. Im Schnitt liegt sie bei rund einem Prozent über alle Händler hinweg – auch weil viele Menschen bei mehreren Ketten einkaufen.
Nicht alle Unternehmen setzen auf App‑Rabatte. Aldi Nord und Aldi Süd verzichten vollständig darauf und werben mit einem einheitlichen Preis für alle. Handelsexperte Stephan Rüschen hält diesen Ansatz für konsequent, da viele Kundinnen und Kunden Bonusprogramme als zu kompliziert empfinden. Eine spätere Einführung würde aus seiner Sicht die Glaubwürdigkeit des Discounters gefährden.
Lidl reagierte mit humorvollen Videoclips auf die Aldi‑Kampagne und betont, dass sich auch ohne App sparen lasse – mit App jedoch mehr. Branchenkenner sehen beide Wege als möglich, da die Kundschaft unterschiedliche Vorlieben hat. Für Händler sind die Programme ein Tauschgeschäft: exklusive Vorteile gegen Daten, die helfen, Kaufverhalten zu analysieren und Angebote gezielt zu platzieren.
Gleichzeitig zeigen Studien eine gewisse Sättigung. Viele Menschen möchten nicht zahlreiche Apps verwalten und wechseln häufig zwischen verschiedenen Programmen, um den besten Preis zu erzielen. Laut IFH Köln haben Nutzer im Schnitt 4,2 Händler‑Apps installiert, die Bindung an einzelne Programme bleibt daher begrenzt.
Die Bewertung der Apps fällt gemischt aus. Zwar geben 93 Prozent der Nutzer an, damit Geld zu sparen, und viele schätzen die Übersicht über aktuelle Angebote. Doch mehr als die Hälfte hält es für unfair, dass Rabatte nur registrierten Nutzern offenstehen. Datenschutzbedenken, hoher Aufwand und störende Benachrichtigungen spielen ebenfalls eine Rolle. Rund ein Viertel der Befragten nutzt die Apps gar nicht, ein Teil davon kann sich die Nutzung aber vorstellen.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.