Iran-Konflikt
Tausende Urlauber stranden in der Golfregion
- Weltweit fallen viele Flüge aus, weil große Drehkreuze in der Golfregion nicht angeflogen werden können.
- Foto: Kabir Jhangiani/ZUMA Press Wire/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
BERLIN (dpa/ak) – Die Eskalation im Nahen Osten hat den internationalen Reiseverkehr weitgehend zum Erliegen gebracht. Flugzeuge bleiben am Boden, Kreuzfahrtschiffe liegen fest, und in mehreren Städten heulen immer wieder die Sirenen. Rund 30.000 Reisende deutscher Veranstalter sind betroffen – sie sitzen in der Golfregion fest oder kommen auf ihren Rückreisen nicht mehr über die üblichen Drehkreuze weiter.
Bundesaußenminister Johann Wadephul machte am Sonntagabend in der ARD deutlich, dass kurzfristig keine Entspannung zu erwarten sei. Der Konflikt könne sich über Wochen hinziehen, sagte er. Auch US-Präsident Donald Trump rechnet mit einer längeren Dauer der Kampfhandlungen.
Stillstand an den Flughäfen
Auslöser der Krise waren die Luft- und Raketenangriffe Israels und der USA auf Ziele im Iran, bei denen auch Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel und auf Einrichtungen in der Golfregion. In Dubai wurde der Flugverkehr daraufhin vollständig ausgesetzt. Nach Angaben der Generalbehörde für Zivilluftfahrt betreuten Flughäfen und Airlines in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits mehr als 20.000 gestrandete Passagiere. Die Behörden stellten Unterkünfte, Mahlzeiten und Getränke bereit und kündigten an, sämtliche Kosten für betroffene Reisende zu übernehmen.
Auch Saudi-Arabien erklärte, König Salman habe die Unterbringung aller im Land gestrandeten Bürger der Golfstaaten genehmigt, bis eine sichere Rückkehr möglich sei.
Reiseveranstalter im Krisenmodus
Deutsche Reiseanbieter versuchen, ihre Gäste vor Ort zu unterstützen. Dertour hat eine Krisenhotline eingerichtet und steht nach eigenen Angaben im engen Austausch mit Behörden und Fluggesellschaften. Dennoch bleibt die Lage unübersichtlich. Eine Reisende aus Hamburg berichtete, sie sehe vom Hotel aus Rauchsäulen über Dubai. Am Flughafen habe es Trümmer gegeben, erzählten ihr andere Passagiere.
Der Deutsche Reiseverband rät Urlaubern dringend, in ihren Hotels zu bleiben und nicht eigenständig zum Flughafen oder in Nachbarländer aufzubrechen. Auch auf Kreuzfahrtschiffen sitzen Touristen fest. Die Schiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ von Tui Cruises liegen in Häfen der Region, während die Reederei auf verlässliche Informationen zu möglichen Rückflügen wartet.
Zehntausende Deutsche betroffen
Wie viele Deutsche sich derzeit in der Golfregion aufhalten, ist unklar. In der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts haben sich bislang mehr als 10.000 Menschen registriert. Eine militärische Evakuierung schließt die Bundesregierung aus, da die Lufträume weitgehend gesperrt sind. Stattdessen setzt das Auswärtige Amt auf konsularische Unterstützung und ruft Reisende dazu auf, verfügbare kommerzielle Ausreisemöglichkeiten zu prüfen und sich in der Krisenvorsorgeliste „Elefand“ einzutragen.
Eine Sprecherin des Ministeriums betonte, man stehe in engem Kontakt mit den Botschaften der Region. Reisende sollten den Anweisungen der lokalen Behörden folgen und Maßnahmen zum Selbstschutz ernst nehmen.
EU-Bürger im Iran und in Nachbarstaaten
Nach Angaben einer ranghohen EU-Beamtin halten sich im Iran noch einige Tausend Menschen mit EU-Staatsangehörigkeit auf, viele davon mit doppelter Staatsbürgerschaft. Deutlich mehr EU-Bürger sitzen jedoch in den umliegenden Ländern fest, weil ihre Flüge gestrichen wurden. Ein europäisches Netzwerk für konsularische Zusammenarbeit wurde aktiviert, um Evakuierungsbemühungen besser zu koordinieren.
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