Sommerhitze im Klassenzimmer
Warum Bayerns Schulen so unterschiedlich reagieren
- Die Schulen haben bei dem Thema Hitze viele Freiräume. (Symbolbild)
- Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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München (dpa/lby/ak) – Die frühe Sommerwärme bringt viele Schulhäuser in Bayern an ihre Grenzen. Während einige Klassenräume dank Klimaanlage erträglich bleiben, wird es in anderen stickig und heiß. Eine einheitliche Regelung für Hitzefrei gibt es im Freistaat nicht – und so kommt es vor, dass zwei benachbarte Schulen am selben Tag völlig unterschiedlich entscheiden. Für berufstätige Eltern kann das zur Belastungsprobe werden.
Ob Unterricht verkürzt wird oder nach der vierten Stunde endet, liegt allein im Ermessen der Schulleitungen. Eine Temperaturgrenze, ab der automatisch Schluss wäre, existiert nicht. Das Kultusministerium betont, Hitzefrei sei dennoch möglich. Gleichzeitig verweist es auf die Verantwortung der Schulen, da viele Kinder in Halb- oder Ganztagsbetreuung angemeldet sind und nicht kurzfristig nach Hause geschickt werden können. Pläne für verbindlichere Vorgaben gibt es nicht; Verbände und Eltern unterstützen diese Linie.
Die baulichen Unterschiede sind groß. Manche Schulen verfügen über klimatisierte Räume, andere über Ventilatoren oder einfache Stoffrollos, die bei Wind einfahren. In alten Gebäuden mit dicken Mauern bleibt es länger kühl, moderne Bauten mit großen Glasflächen heizen sich dagegen schnell auf. Steigt die Raumtemperatur über 35 Grad, gelten die Räume offiziell nicht mehr als normale Arbeitsplätze – auch nicht für Schülerinnen und Schüler. Der Elternverband fordert deshalb, Schulgebäude zügig an den Klimawandel anzupassen.
Im Alltag reagieren die Schulen unterschiedlich. Mancherorts entfällt der Nachmittagsunterricht, Doppelstunden werden verkürzt oder der Unterricht verlagert sich in den Schatten im Freien. Sport fällt häufig aus, zumindest Ausdauertraining. Hausaufgaben werden teils gestrichen. Jede Entscheidung löse Zustimmung und Kritik aus, sagt die Vorsitzende des Schulleitungsverbands, Stefanie Horinek. Probleme beim Lehrplan sieht der Philologenverband dagegen nicht.
Auch bei großer Hitze werden weiterhin Noten gemacht. Schulaufgaben und mündliche Abfragen finden statt, Nachprüfungen ebenfalls. Besonders gefordert sind derzeit die rund 96.000 Prüflinge an Mittel- und Realschulen. Die Prüfungen beginnen am Morgen, die Schulen sorgen mit Lüften und Abdunkeln für etwas Erleichterung. In Riedenburg etwa dürfen leise Handventilatoren genutzt werden, der Elternbeirat stellt Getränke bereit.
Für viele Familien stellt ein vorzeitiges Unterrichtsende eine organisatorische Herausforderung dar. Da die meisten Eltern berufstätig sind, müssen Schulen klären, welche Kinder nach Hause können und welche betreut werden müssen. Ganztagsschüler bleiben automatisch im Haus, andere nutzen Notbetreuungen oder gehen früher in die Mittagsbetreuung. Wer auf den Bus angewiesen ist, wird bis zur Abfahrt beaufsichtigt.
Auch Lehrkräfte spüren die Belastung. Ab 30 Grad müssen laut Arbeitsstättenverordnung Maßnahmen ergriffen werden – Jalousien schließen, Ventilatoren bereitstellen, zusätzliche Pausen ermöglichen. „Irgendwie kommt man durch den Tag“, sagt Horinek, „die Frage ist nur, wie viel Lernen dann noch möglich ist.“
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