Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt
Wie die US‑Zölle Deutschlands Wirtschaft unter Druck setzen

Für ihn sind viele seiner durchgesetzten Zölle eine Freude: US-Präsident Donald Trump. (Archivbild) | Foto: Evan Vucci/AP/dpa
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Washington/Frankfurt (Von Alexander Sturm, Khang Mischke und Frank Johannsen, dpa) – Seit Donald Trump im Weißen Haus erneut das Sagen hat, prägt ein Instrument seine Handelspolitik wie kaum ein anderes: Zölle. Ob unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit oder als direkte Strafmaßnahme – der Präsident setzt sie mit einer Konsequenz ein, die weltweit für Unruhe sorgt. Besonders hart trifft es Deutschland, dessen exportorientierte Wirtschaft die Folgen inzwischen deutlich spürt.

Jüngstes Beispiel ist der Konflikt um Grönland. Erst am Samstag kündigte Trump neue Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Staaten an. Ab 1. Februar sollen zunächst 10 Prozent fällig werden, ab 1. Juni dann 25 Prozent – solange, bis eine Einigung über den von ihm geforderten „vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands“ erzielt sei. Für Trump ist das rohstoffreiche Gebiet ein strategischer Baustein nationaler Sicherheit.

Dabei schien der Handelsstreit im Sommer 2025 zumindest teilweise entschärft, als sich EU und USA auf einen Zollsatz von 15 Prozent für die meisten europäischen Produkte einigten. Doch ein Jahr nach Trumps Amtsantritt zeigt sich, dass die Belastungen für die deutsche Wirtschaft weit über das hinausgehen, was damals absehbar war.

Das Ifo-Institut spricht von einem dauerhaften Schock. Die Zölle wirkten gleich dreifach, erklärt Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft: Deutschland exportiere weniger in die USA, Chinas geschwächte Wirtschaft bestelle weniger deutsche Waren, und zugleich drängten chinesische Produkte verstärkt auf den europäischen Markt. Für deutsche Unternehmen bedeutet das zusätzliche Konkurrenz.

Besonders schmerzhaft ist der Einbruch im US-Geschäft. 2024 gingen Waren im Wert von 161 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten, doch 2025 sackten die Exporte ab – im November lagen sie fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der Rückgang trifft einen Kernbereich der deutschen Wirtschaft, denn fast jeder vierte Arbeitsplatz hängt am Export. Laut Ifo bremsten die Zölle das Wachstum 2025 um 0,3 Prozentpunkte, in diesem Jahr sollen es 0,6 Punkte sein. Gleichzeitig hat der Dollar deutlich an Wert verloren, was deutsche Produkte zusätzlich verteuert.

Am stärksten spürt die Autoindustrie die Folgen. Porsche, BMW und Mercedes zählen die USA traditionell zu ihren wichtigsten Märkten. Doch die Zölle trafen die Branche früh und hart: zunächst 27,5 Prozent, später 15 Prozent – immer noch ein Vielfaches der früheren 2,5 Prozent. Der Export brach ein. 2024 gingen noch fast 450.000 Fahrzeuge in die USA, 2025 waren es in den ersten elf Monaten acht Prozent weniger, nach Einführung der Zölle sogar 16 Prozent. Autoexperte Stefan Bratzel spricht von einem „Erodieren des klassischen Geschäftsmodells“ und warnt vor Folgen für Arbeitsplätze.

Auch Maschinenbau und Stahlindustrie geraten unter Druck. Auf Stahl erheben die USA inzwischen 50 Prozent Zoll. Die deutschen Stahlexporte in die USA schrumpften in den ersten zehn Monaten 2025 um elf Prozent. Weil die Amerikaner den Stahlanteil in Maschinen ebenfalls verzollen, leidet der Maschinenbau gleich doppelt. Die Produktion ist das dritte Jahr in Folge rückläufig, vielerorts wird bereits kurzgearbeitet.

Nur wenige Bereiche bleiben verschont. Dienstleister sind kaum betroffen, und der Agrarsektor profitiert leicht davon, dass chinesische Importe aus den USA teurer geworden sind. Doch diese Effekte sind gering.

Auch der Gesundheitsmarkt gerät in Bewegung. Weil Trump die Arzneipreise in den USA senken will, haben mehrere Pharmakonzerne zugesagt, Milliarden in den USA zu investieren und Medikamente über den neuen Direktvertrieb „TrumpRX“ günstiger anzubieten. Für Deutschland bedeutet das vorerst keine Preissprünge, da der Markt streng reguliert ist und viele Verträge langfristig laufen. Dennoch dürfte der Druck auf die Hersteller steigen.

Einige Konzerne haben sich bereits auf Deals mit der US-Regierung eingelassen. Merck etwa bietet Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger an und soll im Gegenzug von Pharmazöllen befreit bleiben. Boehringer Ingelheim hat ein ähnliches Abkommen geschlossen. Auch VW-Chef Oliver Blume bemüht sich um Zugeständnisse und lockt mit Investitionen.

Für die USA sind die Zölle ein lukratives Geschäft. Rund 200 Milliarden Euro an Einnahmen sollen sie eingebracht haben – weniger als die im Sommer angekündigten 300 Milliarden Dollar, aber immer noch ein gewaltiger Betrag.

Und ein Ende der Zollspirale ist nicht in Sicht. Selbst Branchen, die bislang verschont blieben, müssen sich wappnen. Hersteller von Polstermöbeln, Küchenschränken und Waschtischen etwa hatten bereits zum Jahreswechsel mit höheren Abgaben gerechnet, ehe Trump die Einführung um ein Jahr verschob.

Ob das Oberste Gericht der USA Trumps Kurs bremst, ist offen. Dort wird derzeit verhandelt, ob der Präsident mit Verweis auf ein Notstandsgesetz von 1977 seine Befugnisse überschritten hat. Die Entscheidung könnte auch Auswirkungen auf die Zölle gegenüber der EU haben. Doch selbst ein Urteil gegen Trump würde seine Zollpolitik wohl kaum stoppen. Experten wie Adam Hersh vom Economic Policy Institute verweisen darauf, dass der Präsident andere gesetzgeberische Wege nutzen kann – weiterhin ohne Zustimmung des Kongresses.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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